Kraftvolle Klangbilder - traditionell und neu, impulsiv und ausdrucksstark, zart und leicht getragen: Es war ein bunter, lebendiger und kontrastreicher Querschnitt mit Musik aus aller Herren Länder. Ein Konzert voller Emotionen mit vielen wunderschönen Momenten und einem herrlich zusammengestellten Melodienreigen, das sich dem Publikum am Samstag sowie Sonntag in der jeweils ausverkauften Küpser Festhalle bot.

Die passende Musikauswahl ist das Eine. Was aber die Magie der Musik ausmacht, was fesselt und verzaubert, ist ein Klangkörper, der die Werke entsprechend musikalisch in Szene setzen kann. Dies gelang den Aktiven des Symphonischen Blasorchesters Küps ab den ersten Klängen von "Beyond the Horizon", mit denen sie ihrer ganzen aufgestauten Vorfreude nach den vielen intensiven Proben freien Lauf gaben.

Auf Großvaters Spuren

Das mit majestätischen Fanfaren musikalisch gezeichnete Bild eines atemberaubenden Horizonts war dabei der Ausgangspunkt der klanglichen wie optischen Weltreise unter dem Titel "Sophies Reise - Auf Großvaters Spuren ans Ende der Welt". Mit ihrer warmen, ausdrucksstarken Erzählstimme las Sophie Strehl aus dem Tagebuch ihres verstorbenen Großvaters vor - ein Weltenbummler, der darin die schönsten Erinnerungen an seine vielen Reisen festgehalten hatte. Die Technik-Crew hatte für die Sprecherin eine kleine - einem Dachboden nachempfundene - zweite kleine Bühne an exponierter Stelle aufgebaut. Von dort aus führte Sophie mit reichlich Fernweh aufkommen lassenden "Reise-Erinnerungen" in die Stücke ein, die dann unter feinsinniger, präziser Leitung von Wolfgang Riedel Gestalt annahmen.

Zurücklehnen, träumen und genießen - das homogen auftretende Symphonische Blasorchester präsentierte seine Musik auf solch eindringende Art und Weise, dass man sich tatsächlich in fernen Ländern und Kontinenten wähnte. Im Kopf entstanden Bilder und Geschichten voller Poesie, dargestellt ohne Worte, nur durch Melodien und Töne. Seinen Start fand die Weltreise in Japan mit den charakteristischen Trommel- und Klanghölzer-Klängen der "Rhapsody for Band", bevor "Jambo Africa" mit ungewohnter Rhythmik, einer starken Percussion und gekonnt applizierten Urwaldgeräuschen in die geheimnisvolle Welt des schwarzen Kontinents entführte.

Weltreise mit Gänsehautfaktor

Zurück in Europa ging es nach Ungarn, wo der großartige Teufelsgeiger Johannes Enders mit seinem, zunächst wehmütigen, fast klagend beginnenden, berühmten Csárdás das Feuer der Zigeunervioline entfachte. Ein hinreißendes Erlebnis war auch sein zweites Solo "May the Road Rise" - eine bewegende Vertonung eines irischen Segenswunsches in Form einer Ballade für Solo-Violine und Blasorchester, die von Enders mit geschlossenen Augen dargeboten wurde - absoluter Gänsehautfaktor. Zu einer einzigartigen Liebeserklärung an die grüne Insel ganz im Westen Europas mit ihren sanft geschwungenen Hügeln, der Mystik der Geschichte mit keltischen Burgen und klösterlichen Stadtbefestigungen geriet das technisch anspruchsvolle Konzertstück "Lord Tullamore" voller strahlender Passagen wie auch gefühlvoll-ruhigen Momenten.

Nach der Pause hieß es "Bühne frei" für das Schüler- und Jugendorchester. Unter dem schwungvollen und sicher geführten Dirigat von Anna Piontek verschrieb sich auch der musikalische Nachwuchs dem Motto des Konzerts - eine helle Freude, zuzuhören und die ansteckende Musizierfreude zu erleben.

Hochkonzentriert boten die Youngsters die Stücke "A Klezmer Karnival", "Schmelzende Riesen" sowie "Arabian Dances" dar und entführten damit akustisch nach Israel, in die Arktis und den Orient, bevor es sie bei ihrer Zugabe in den Dschungel verschlug.

Mit der klangmalerischen Beschreibung des Sonnenaufgangs "Hymn to the Sun - with the Beat of the Mother Earth" startete das Symphonische Blasorchester seinen zweiten Programmteil. Ihren feurigen Abschluss fand die Reise schließlich in Südamerika mit einem mitreißenden "Latin Pop Special" und einem wahrlich erfrischenden "Tequilla"; bekamen doch die Gäste passend zum Musikstück das mexikanische Feuerwasser mit Salz und Zitrone serviert.

Blumenketten und Eingeborene

Überhaupt brachten sich die Mitwirkenden und das Kreativteam wiederum mit vielen originellen Ideen ein. Hierzu zählten landestypische Kopfbedeckungen ebenso wie Hawaiianische Blumenketten. Auch "Eingeborene" der jeweiligen Länder traten in Erscheinung, darunter auch Bauchtänzerin Amelie de la Porte, die in ihren "Arabian Dances" den Zauber von 1001 Nacht nach Küps holte.

"Zieh hinaus in die Welt! Nutze deine verbleibende Zeit sinnvoll! Die schönste Zeit im Leben sind die kleinen Momente, in denen du spürst, du bist zur richtigen Zeit am richtigen Ort!" Diese Botschaft gab Sophies verstorbener Großvater ihr schließlich mit auf den Weg - am Ende eines Konzerts, das die Besucher mit Standing Ovations würdigten. Belohnt wurde es dafür mit dem Ohrwurm "Copacabana" und der selig-ruhigen Melodie "Afterlife".