"Wir sind nicht gegen die da oben", betonte Petra Nathan bei einer Demonstration von Eltern auf dem Paradeplatz in Forchheim. Es geht ihnen um eine höhere Gewichtung der Belange von Kindern, Eltern, Erziehern und Lehrern bei den Maßnahmen zur Abwehr der Corona-Pandemie.

Es geht ihnen um die kleinen Stellschrauben, wie gesundheitliche Sicherheit und beruflich-gesellschaftliche Belange aufeinander abgestimmt werden können. Obwohl eine große Bevölkerungsgruppe betroffen ist, stieß die Privatinitiative auf wenig Resonanz. Nathan und ihre Mitstreiter sehen Handlungsbedarf bei Kindern und Familien: "Eltern müssen vor Fußball, Fluglinien oder Autohäusern in den Fokus der Politik." Zeitweilig galten und gelten Kinder nur mehr als Infektionsherde, als nicht systemrelevant. Ohne Vorwarnung, so klagte sie, hieß es an einem Freitag, ab Montag ist die Kita geschlossen. Möbelhäuser durften öffnen, während Spielplätze gesperrt blieben.

Marco Neubauer, Vater von vier Kindern, von denen zwei in einer Krippe sind, fordert, dass man aus den vergangenen Monaten lernen müsse. Eltern und Erziehern seien die Strapazen nicht noch einmal zuzumuten. "Was passiert bei einer zweiten Welle?", fragte er sich angesichts steigender Infektionsraten in anderen Ländern. Alles habe sich nur um den Schaden für die Wirtschaft gedreht, so nehmen Eltern viele politische Entscheidungen der letzten Monate wahr. Die Pandemie habe gezeigt, wie mächtig der Staat sei, was Wissenschaft leiste und wie viel Geld freigeschaufelt werden könne. Aber meint Neubauer: "Alle ohne Lobby wurden vergessen."

"Wir wollen, dass die Politik auch unsere Bedürfnisse ernst nimmt", fasst Nathan zusammen. Ein Beispiel für eine Konfliktsituation: Nach der sogenannten Rotznasenverordnung müssen Kinder schon mit leichten Erkältungssymptomen zu Hause bleiben. In der Folge muss ein Elternteil von seinem Anspruch auf krankheitsbedingte Kinderbetreuung Gebrauch machen. Mit der Folge wiederum, dass nicht selten Kollegen und auch mancher Chef pikiert reagieren.