Noch etwas ratlos stand der Stadtrat bei seiner Ortsbesichtigung im Mai vergangenen Jahres vor dem Areal Wehrstraße/Mühlbach und ließ sich das geplante Projekt "Mühlenpark" erläutern. Die marode Mühle war abgerissen, ebenso das Haus mit der Nummer 18. Verblieben war das ebenfalls leerstehende und unansehnliche Haus zwischen Mühle und Wohnhaus - in Privatbesitz.

Um dieses herum hatte das Kulmbacher Planungsbüro Kestel damals eine innerstädtische Erholungsfläche vorgeschlagen: Mit einem angedeuteten Sandstrand am Ufer des Mühlbachs und einem halben Rondell, auf dem der von der Mühle noch übrig gebliebene große Mühlstein als Brunnen an die gewesene Mühle erinnern sollte. Mittlerweile konnte die Stadt aber auch das verbliebene Anwesen erwerben und abreißen.

Gitta und Henry Kestel legten dem Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend nun eine völlig überarbeitete Planung des Areals vor, für das sich sämtliche Stadträte begeistern konnten. Am Mühlbach wird eine großzügige Kneippanlage entstehen; dahinter ein breiter Weg, der von einem vollen Rondell mit Sitzgelegenheiten unterbrochen wird. Das Rondell ragt etwas in den Bach hinein, sodass man von oben den plätschernden Bach beobachten kann. Der Weg führt weiter zu einer Treppe, über die man den Hang hoch zur Marienkapelle und zur Stadtkirche Sankt Michael dann auf den Marktplatz gelangt. Vom Bach aus betrachtet wird das so gestaltete Areal von den beiden Kirchen gekrönt.

Selbst Stadtrat Wolfgang Martin (BLS), der sich im ursprünglichen Plan eher mit einer bepflanzten Grünfläche am natürlichen Bachlauf ohne großen Firlefanz zufrieden geben wollte, kommentierte die neue Planung mit "gut gelöst", und ließ sich zu einem "fantastisch" hinreißen. Ebenso ("sehr gelungen") äußerte sich auch Theresa Will für die Freien Wähler. Lena Badstieber (SPD) vermisste nun zwar den Sandstrand, ließ sich aber überzeugen, dass man nach einem Kneipp-Gang mit feuchten Füßen über Sand nur ungern wieder in Schuhe steigen will.

Wolfrum: idealer Standort

Für Bürgermeister Roland Wolfrum ist die Kneippanlage gerade am Mühlbach ein idealer Standort. Mit dem Bach habe man bereits alle Voraussetzungen für eine solche Anlage, sagte er, während man an einem anderen Standort, wie zum Beispiel im geplanten Stadtpark an der Partheimühle, erst für fließendes Wasser durch ein Kneippbecken sorgen müsste. Außerdem betonte er, dass durch den Treppenaufgang zur Marienkapelle auch gleich eine fußläufige Verbindung zwischen oberer Stadt (Marktplatz) und unterer Stadt geschaffen wird - zum "Wehrstraßen-Quartier", dass ja im Zuge der langfristig geplanten "Stadtsanierung von außen nach innen" generell auch optisch aufgewertet werden soll.

Mit der nun erweiterten Gestaltung des "Mühlenparks" steigen die kalkulierten Kosten von ursprünglich etwa 350 000 Euro auf nun 409 000 Euro. Für die Kneipp-Anlage hatte die bayerische Staatsregierung allerdings kurzfristig ein Sonderprogramm anlässlich des 200. Geburtstags von Sebastian Kneipp im kommenden Jahr aufgelegt, aus dem die Stadtverwaltung bereits einen Zuwendungantrag gestellt hat. Möglicherweise 18 000 Euro könne man dafür erwarten, teilte Bürgermeister Wolfrum mit.

Insgesamt könne man "aus verschiedenen Töpfen für das Mühlenpark-Projekt 80 Prozent der Kosten an Zuschüssen erwarten", sagte er, sodass die Stadt noch etwa 80 000 Euro selbst finanzieren müsse. Einstimmig erteilte der Stadtrat dem Büro Kestel den Auftrag, den Mühlenpark in allen Einzelheiten fertig zu planen, zu kalkulieren und auszuschreiben. Die katholische Kirchenstiftung als Eigentümerin des Geländes oben am Hang ist in das neue Vorhaben bereits involviert, beantwortete Gitta Kestel die diesbezügliche Nachfrage von Stadtrat Wolfgang Heiß (CSU).