Bernhard Panzer Der Stadtrat von Herzogenaurach hat jüngst in einer emotional geführten Debatte deutlich Position bezogen und die Stadt als Sicheren Hafen deklariert. Das betrifft die Bereitschaft, flüchtende Menschen aufzunehmen. Der Antrag an den Stadtrat war auch vor dem Hintergrund massiver Flüchtlings-Ansammlungen auf der griechischen Insel Lesbos gestellt worden.

Auf den griechischen Inseln allerdings ist die Lage für die gestrandeten Menschen nach wie vor unerträglich, berichtet nun Wolfgang Seitz vom Sachausschuss "Tembladera - Eine Welt" der Pfarrgemeinde St. Magdalena. Seitz spricht von einer "Schande für ein Europa, das gern seine christlichen Werte betont." Deshalb sind die Mitglieder des Ausschusses nun aktiv geworden und haben einen Brief an die Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Erlangen geschrieben. Unterzeichnet wurde er von der Ausschuss-Vorsitzenden Ursel Novotny.

Man orientiert sich dabei an einer Aktion, die von der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi gestartet wurde. Im September entstand auf diesem Weg die Initiative "Kein Weihnachten in Moria. Notleidenden helfen - Geflüchtete aufnehmen!" Seitz: "Der Sachausschuss stellt sich hinter diese Kampagne!"

Jetzt handeln

"Wir können als Christen nicht verantworten, weiter zu schweigen", schreibt Ursel Novotny in einer Presseerklärung. Der Initiative von Pax Christi "Kein Weihnachten in Moria. Notleidenden helfen - Flüchtlinge aufnehmen! Jetzt!" hätten sich bereits viele Verbände und Gruppen angeschlossen, berichtet sie. Peter Kohlgraf, der Bischof von Mainz, schreibt zum Beispiel: "Die Menschen in Moria brauchen dringend Hilfe. Wir müssen ihnen helfen und wir können ihnen helfen! Viele haben in den letzten Tagen ihre Bereitschaft signalisiert, die Aufnahme der Geflüchteten in Deutschland zu unterstützten. Auch wir als Kirche stehen bereit, uns für die Geflüchteten zu engagieren - etwa mit unserer Caritas und mit unseren zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen. Bitte unterstützen Sie gerade jetzt die Kampagne von Pax Christi, damit Hilfe möglich wird!"

Eindringliche Bitte

Die Initiative fordert, unabhängig von parteipolitischen Auseinandersetzungen, von der Bundesregierung eine umgehende Aufnahme der Menschen aus den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln.

Deutschland habe Aufnahmekapazitäten und die finanziellen und personellen Kapazitäten, diese Menschen aufzunehmen, fordert Pax Christi. Der Sachausschuss der Herzogenauracher Pfarrgemeinde St. Magdalena unterstützt dies und drückt das in seinem Brief an die Bundestagsabgeordneten aus.

Darin heißt es wörtlich: "Wir möchten Sie eindringlich bitten, mit einem interfraktionellen oder fraktionsübergreifenden Antrag des Deutschen Bundestages die Bundesregierung aufzufordern, aus dringenden humanitären Gründen alle Menschen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln so schnell wie möglich in Deutschland aufzunehmen. Die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik ist ganz unbestritten, bis heute fehlt sie leider. In dieser Frage zu einer Verständigung unter den EU-Mitgliedsstaaten zu kommen, wird umso leichter sein, wenn die wirtschaftlich stärkste Macht mit gutem Beispiel vorangeht."

Wenn der Retter kommt

Ursel Novotny zitiert zu diesem Thema Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Er habe schon kurz vor Weihnachten 2019 folgendes festgestellt: "Das wirkliche Weihnachten ist in diesen Zeiten dann, wenn Flüchtlinge gerettet werden. Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn Flüchtlingskinder wieder sprechen, spielen und essen. Das wirkliche Weihnachten ist dann, wenn ,Der Retter‘ wirklich kommt."