Gut Ding will Weile haben. Dass dieses Sprichwort besonders für Gesetzesänderungen gilt, weiß kaum jemand so gut wie Heinz Hausmann. Der Kronacher Ratsherr und ehemalige Landtagsabgeordnete erinnert sich daran, wie Kindererziehungszeiten ab 1986 erstmals für die Berechnung der Rente berücksichtigt wurden, als wäre es erst gestern gewesen - und welch langer Weg es bis zu diesem Meilenstein war.

Vorangegangen waren Listen mit einer Million Unterschriften und ein Gesetzesentwurf, der jahrelang in einer Schublade des Arbeitsministers in Bonn geschlummert hat. "Kein Sozialgesetz gab es auf dem Silbertablett. Sie mussten alle hart erkämpft werden." Daran erinnert der 79-Jährige, der in seiner ersten Rede im bayerischen Landtag 1991 versprochen hat, dass die Pflegefallversicherung binnen vier Jahren eingeführt wird. "Zuerst kam am 1. April 1995 die häusliche Pflege, damit die Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben konnten." Ein Jahr und drei Monate darauf folgte die stationäre Pflege und damit viele neue Alten- und Pflegeheime. "In den 70er Jahren sind Klosterschwestern und Diakonissen noch mit den Fahrrädern zu den Leuten nach Hause gefahren."

Arbeit soll sich im Alter auszahlen

Seit gut zwei Wochen steht nun auch fest: Die Grundrente kommt. Als "Würdigung der Lebensleistung" wurde die Respektrente vor über zwei Jahren im Koalitionsvertrag als Ziel vereinbart. Doch bis dorthin war es ein weiter Weg. "Wer jahrzehntelang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll im Alter besser dastehen, denn das ist eine Frage der Gerechtigkeit", erklärt das Bundessozialministerium. "Mit der Grundrente wird dafür gesorgt, dass die Menschen sich auf dieses Kernversprechen des Sozialstaats verlassen können." Grundsätzlich gilt: Wer mindestens 33 Jahre gearbeitet hat, soll einen Zuschlag bekommen. Rund 1,3 Millionen Senioren könnten ab dem 1. Januar 2021 von der Grundrente profitieren.

Heinz Hausmann findet, dass damit ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht ist: "Ich freue mich, dass es die Grundrente bald gibt." Dass die Rentenversicherung automatisch berechnet, wer einen Anspruch hat, und diesen dann auszahlt, begrüßt der 79-Jährige, der seit 40 Jahren ehrenamtlicher Rentenberater ist und für seine Klienten im vergangenen Jahr alleine 221 Rentenanträge gestellt hat. 26 Millionen Akten müssen in den kommenden Monaten maschinell geprüft werden. Einen zusätzlichen Antrag muss also niemand stellen. "Auch, dass die Erziehungszeiten der Kinder und die Pflege von Angehörigen berücksichtigt wird, finde ich sehr gut."

So erfreulich das erst einmal klingt: "Die Grundrente muss sich in den kommenden Jahren noch verbessern." Ein Problem ist aus Hausmanns Sicht, dass Zeiten mit zu geringen Einkünfte - sollten sie unter 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes liegen - nicht zählen. Der 79-Jährige glaubt, dass alleine deshalb einige Rentner im Kreis Kronach - obwohl sie länger als 33 Jahre gearbeitet haben - durchs Raster fallen: "Wir waren lange Zeit eine Region, in der man nicht immer Spitzenlöhne gezahlt hat." Auch Männer, die ein Leben lang im Sägewerk gearbeitet oder Frauen, die ohne Ausbildung in Fabriken geschuftet haben, sollten profitieren. "Das sind genau die Menschen mit einer schmalen Rente, denen die Gesetzesänderung helfen soll." Außerdem sollten seiner Meinung nach auch Zeiten von Arbeitslosengeld-I-Bezügen angerechnet werden.

Vieles ist derzeit noch in der Schwebe, da es sich um keine Pauschalrente handelt, sondern diese individuell berechnet wird. "Wir können derzeit leider noch keine individuellen Auskünfte geben, weil wir mit den Berechnungen noch ganz am Anfang stehen", erklärt Sandra Skrzypale von der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern.

Darum heißt es für Senioren vorerst: Abwarten. Gleiches gilt vorerst für diejenigen, die derzeit noch keinen Anspruch auf die Grundrente haben. "Nächstes Jahr sind Bundestagswahlen. Vielleicht gibt es dann schon Verhandlungen, was noch verbessert werden muss", hofft Heinz Hausmann. Denn der erfahrene Politiker weiß: "Bis die Dinge so sind, wie man sie haben möchte, braucht es Zeit. Aber nur, wenn etwas da ist, kann man langsam darauf aufbauen."