Es war um das Jahr 2013, da hat Jeannette Fiedler einen Bericht über Lost-Place-Fotografen im Fernsehen gesehen. "Sofort begann ich, im Internet zu recherchieren und bin auf einen bayerischen Fotografen gestoßen. Der hatte auch ein Buch veröffentlicht, in dem er beschrieb, wie man diese verlassenen Orte richtig fotografiert. Ich habe auf Facebook zahlreiche Gruppen zu diesem Thema entdeckt, bin beigetreten und war völlig fasziniert. Damals hatte ich nur eine ,Aldi-Funzel' für etwa 50 Euro."

So jedenfalls nennt sie liebevoll ihre "Kamera für den Hausgebrauch". Die sei zwar toll gewesen, hätte aber für ihre Zwecke leider nicht ausgereicht. Nachdem sich Fiedler das richtige Equipment besorgt hatte, zog sie mit einem Freund los. "Ich habe viele Leute angeschrieben, habe zugehört, hab probiert und habe gelernt. Heute bin ich diejenige, die man fragt, aber der Weg dahin war nicht immer ganz einfach."

Die ehemalige Krankenschwester hatte vor einigen Jahren einen schweren Bandscheibenvorfall, der sie ein halbes Jahr vollkommen gelähmt hat. "Danach musste ich erst einmal in den Rollstuhl und später konnte ich zumindest mit einem Rollator laufen." Viele Schmerzen hätten sie geplagt und viele Zukunftsängste. "Damals war ich 36 Jahre und wusste nicht, wie es weitergehen soll. Aber ich habe mich ins Leben zurückgekämpft."

Heute fotografiere sie mehr denn je. Man findet sie in Krankenhäusern und Sanatorien, in ehemaligen Waisenhäusern und Kinderheimen und in Krematorien, Pathologien und in Leichenhallen. Aber auch in ganz normalen Häusern. "Einmal habe ich mich echt gegruselt", erzählt die Frau, die sich sonst als "eisenbereift" beschreibt. Da war ich mit einem Kollegen in Brandenburg unterwegs. Wir kamen in eine Leichenhalle und fanden unter anderem noch eine Nierenschale, einen Kamm, voll mit Haaren, Puderdosen, einen offenen Sarg und daneben einen Stuhl. ml