Für die Grundschule Weißenbrunn war der vergangene Freitag ein großer Tag. Zum ersten Mal konnte man die gut ausgebaute digitale Vernetzung der Schüler mit einer internationalen Videokonferenz erfolgreich testen. Punkt acht Uhr war der Schulpate Dominic Herrmann auf einer großen Leinwand in jedem Klassenzimmer der vier Grundschuljahrgänge zu sehen und zu hören, als sei er leibhaftig im Klassenzimmer unter den Schülern. Für die gesamte Schulfamilie war dies ein einzigartiges Erlebnis, konnte doch die Videokonferenz auch von den Schülern empfangen werden, die sich derzeit online von zuhause aus am Unterricht beteiligen.

Ende des Jahres 2017 unterzeichneten Schüler, Eltern und Lehrer, quasi die gesamte Schulfamilie, eine Selbstverpflichtung, in der man sich zu Miteinander, Zusammenhalt und Toleranz im Schulalltag, bekennt. Danach wurde die Grundschule Weißenbrunn als erste Grundschule in Oberfranken ins Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" aufgenommen. Die Titelverleihung folgte in einer kleinen Feier im Mai 2018 durch Sabine Gerstner vom Bezirksjugendring Oberfranken, Dominic Herrmann übernahm die Patenschaft. In seinem Patenbrief informierte er über seine Motivation und Intention, warum er diese Patenschaft gerne angenommen hat. Darin heißt es in einem Kernsatz: "Für unsere Gesellschaft ist es eminent wichtig, dass bereits die Kinder gegen Rassismus sensibilisiert und stark gemacht und für einen toleranten und respektvollen Umgang geschult werden, den im Übrigen alle Menschen auf dieser Welt unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Aussehens etc. verdient haben." Am Freitag fügte er in seiner Videobotschaft hinzu, "Menschen sind verschieden und deswegen einzigartig, und kein Kind wird als Rassist geboren."

Dominic Herrmann, der aus 600 Kilometer Entfernung aus seinem Wohnort in der Schweiz über Videokonferenz in einer Liveschaltung zu den Patenkindern sprach, stammt aus Hummendorf und war ehemaliger Schüler an der Berufsfachschule für Musik Oberfranken in Kronach. Er hat sein Musikstudium bei Professor Peter Sadlo an der Hochschule für Musik und Theater München im Sommer 2009 mit dem künstlerischen Diplom im Hauptfach Pauke/Schlagzeug sehr erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 ist Dominic Herrmann Solo-Schlagzeuger im renommierten Orchester der Oper Zürich und gastiert regelmäßig in namhaften Orchestern wie den Bamberger Symphonikern oder dem Tonhallen-Orchester Zürich.

Seinem Heimatort und der Gemeinde Weißenbrunn sowie dem Frankenwald ist er weiterhin treu geblieben und konnte mit mehreren Konzerten die Musikliebhaber in der Region erfreuen. Er freute sich sehr, dass diese Videoschaltung dank moderner Digitaltechnik und ausgebauter Vernetzung mit der Grundschule Weißenbrunn möglich ist und las einige Kapitel aus Büchern vor, die sich mit Beispielen des Zusammenlebens von Menschen und Familien mit verschiedenen Hautfarben befassten. Dabei zeigte sich der Pate auch froh, dass heute kaum noch die Worte "Negerkuss" oder "Mohrenkopf" gebraucht werden, was ein gutes Zeichen für die Rassismus-Sensibilität sei. Viel zu oft habe man unbedacht solche Begriffe verwendet, ohne zu bedenken, dass dies für Menschen mit dunkler Hautfarbe wirklich verletzend und diskriminierend sein kann.

Er grüßte die Schulfamilie herzlich und dankte, dass er Pate für eine "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" sein darf. Die etwa 20 Minuten dauernde Schalte war schnell vorbei. Zum Schluss konnte sich noch Rektor Ralf Knöchel vom Lehrerzimmer aus dazuschalten und dem Paten für seine ermutigenden Worte danken. Mit Stolz konnte er feststellen dass bis auf Kleinigkeiten, alles technisch funktioniert. "Wir sind mit unserer Digitalisierung in der GS sehr weit fortgeschritten", stellte der Schulleiter fest und dankte der Gemeinde sowie Spendern und Sponsoren, die es ermöglichten, die technischen Ressourcen anzuschaffen. In Weißenbrunn werden derzeit in vier Jahrgängen über 80 Schüler unterrichtet, wovon über 80 Prozent das Angebot der Offenen Ganztagesschule wahrnehmen. eh