Seit 60 Jahren arbeitet sie im Landkreis Coburg als Friseurin, sagt die 74-Jährige, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Ans Aufhören denkt sie nicht, schließlich mache ihr ihr Beruf größte Freude. Aber jetzt, im Corona-Lockdown "light", bleiben die Kunden weg. Deshalb wünschte sie sich, die Politik hätte im November auch die Friseursalons geschlossen. "Dann bekämen wir wenigstens den Verdienstausfall bezahlt."

Dass die Kundschaft in den ersten Tagen des zweiten Lockdowns weniger geworden ist, bestätigen auch Kolleginnen der 74-Jährigen. "Seit dem Lockdown ist es tatsächlich ruhiger", sagt zum Beispiel eine Friseurin, die ihren Salon im nördlichen Landkreis betreibt. Es sei vielleicht 30 Prozent weniger Kundschaft als sonst. Einzelne Kunden hätten Termine abgesagt oder seien einfach ohne Erklärung nicht erschienen.

Stadt ist wie ausgestorben

Abgesagt hatten bei ihr hauptsächlich Kunden, die krank seien oder Erkältungssymptome gezeigt hätten. "Die dürften wir aber sowieso nicht annehmen, das ist nur vernünftig", sagt die Friseurin. Dass Kunden ferngeblieben seien, aus Angst, sich anzustecken, glaube sie aber nicht.

Auch Kristin Fischer, der Filialleiterin des Salons Top-Ten in der Coburger Mohrenstraße, fehlen die Kunden. Seit in der Innenstadt Maskenpflicht herrsche, sei die Stadt wie ausgestorben, sagt Kristin Fischer. Für einen Salon wie ihren, der ausschließlich Laufkundschaft bedient, eine Katastrophe. Seit 14 Jahren führt sie das Geschäft in der Mohrenstraße "und nun kommen einfach keine Kunden mehr".

Das Masketragen beim Frisieren empfänden viele Kunden als zu anstrengend, zu lang und unpraktisch, weil sich gerne mal abgeschnittene Haare unter den Stoff verirren. Kristin Fischer hat dafür durchaus Verständnis, "auch wenn wir selbst das Ding bis zu zehn Stunden tragen müssen".

Kundschaft ist verunsichert

"Ich mache meine Maske früh ran und abends runter", sagt auch die 74-jährige Kollegin aus dem Landkreis. Ihre Kundschaft dagegen reagiere eher verunsichert, was die Schutzmaßnahme angehe. "Jeder, der reinkommt, hat die Maske in der Hand und fragt: Brauche ich die denn?", erzählt die Friseurin. Außerdem habe sie beobachtet, dass kaum noch jemand im Ort unterwegs sei. Nicht mal Spaziergänger ließen sich auf der Straße blicken. Sie würde sich "etwas mehr Mut von den Leuten" wünschen, auch den Mut, zum Friseur zu gehen. "Mein Salon ist so groß, ich kann in jedes Eck einen Kunden setzen und halte immer noch locker den Abstand ein."

Den Salon für die Dauer des Lockdowns zu schließen sei wegen der Fixkosten nicht drin. "Selbst wenn ich weniger Strom und Heizung brauche, ist am Monatsende immer noch die Miete zu bezahlen." Verständlich, dass die 74-Jährige es besser gefunden hätte, wenn die Schließung angeordnet worden wäre und man ihr einen Teil des Verdienstausfalls ersetzt hätte.

Die Kolleginnen dagegen lehnen das rundheraus ab. "Wir sind froh, dass wir weiterarbeiten dürfen", betont die Friseurin aus dem nördlichen Landkreis. "Ich schicke auch niemanden in Kurzarbeit." Fünf Mitarbeiterinnen hat sie, darunter eine Kosmetikerin, die diesen Beruf momentan nicht ausführen darf. "Sie hilft eben so lange im Friseursalon aus und baut Überstunden ab."

Bisher keine Hilferufe

Auch Kristin Fischer, die eine weitere Friseurin und eine Stundenkraft in ihrem Salon beschäftigt, ist froh, arbeiten zu können. Hätte sie schließen müssen, hätte es zwar bei der Wiedereröffnung vielleicht einen "Mega-Andrang" gegeben, "aber für mich wäre es die absolute Katastrophe gewesen", betont sie.

Die Bamberger Friseurin Tanja Arnold-Petter ist seit der Fusion 2018 Innungs-Obermeisterin für die Region Bamberg, Coburg und Lichtenfels. Aus dem Kreis der über 100 Mitglieder seien bisher keine Hilferufe gekommen. Die Stimmung sei gut, auch bei ihren Kunden: "Gerade jetzt, wo so vieles geschlossen ist, genießen sie ein Stück Normalität." Natürlich habe auch ihr Salon höhere Ausfallquoten bei den Kunden, etwa wegen Schnupfen oder Halsschmerzen, sagt Tanja Arnold-Petter. "Das sind vielleicht zehn bis 15 Prozent, die auf diesem Weg wegbrechen."

Ganz allgemein begrüßten die Kunden aber, dass die Friseursalons auch während des neuen Lockdowns geöffnet seien. "Deshalb hoffen wir sehr, dass wir nicht wieder schließen müssen." Allerdings könne auch sie nicht vorhersagen, wie es in vier oder fünf Wochen aussehe.