I m Banzer Wald soll ein Naturfriedhof entstehen. Auf einem rund 14 Hektar großen Areal möchte die Herzoglich Bayerische Forstverwaltung eine solche Anlage schaffen. Betriebsleiter Sebastian Huth stellte die dem Staffelsteiner Stadtrat am Dienstagabend die Entwurfsplanung vor.

Östlich von Altenbanz soll dieser Friedhof angelegt werden. Das Interesse an dieser naturnahen Bestattungsform nehme ständig zu, sagte Huth. Seit 2012 verfolge die Herzogliche Forstverwaltung deshalb den Plan, als privater Unternehmer eine solche Friedhofsanlage zu schaffen. Keinesfalls sei dies als wirtschaftliche Konkurrenz zu kommunalen Friedhöfen zu sehen. Um einen solchen Friedhof anlegen zu dürfen, sei in Bayern gesetzlich vorgeschrieben, dass eine juristische Person der Träger sein muss und dass der Friedhof als solcher gewidmet ist. Die Stadt Bad Staffelstein müsse also die Trägerschaft übernehmen.

Urnengräber unter alten Eichen

Ausgesucht für diesen Zweck wurde unter drei Standorten ein laubholzreiches Waldstück unweit von Altenbanz , das in mehreren Phasen belegt werden soll. Das ins Auge gefasste Areal besitze einen Bestand an alten Eichen. Diese klimatolerante Baumart eigne sich besonders gut für diese langfristige Nutzung. Die hier verwendeten Urnen bestünden aus natürlichem Material, das nach kurzer Zeit verrotte. Weil die Urnen rund 80 Zentimeter tief vergraben werden, seien bereits Probebohrungen bis in einen Meter Tiefe erfolgt, um sicherzustellen, dass der Waldboden geeignet ist. Wie der Friedhof nach außen hin kenntlich gemacht werden soll, sei noch nicht entschieden, sagte Huth.

Schotterlinien zwischen den Grabfeldern

Denkbar wäre die Einfriedung mit einem dicken Seil. Zwei kleine Gedenkplätze sollen die Anlage optisch gliedern. Kleine Schotterlinien würden eingezogen, damit Angehörige zu den Gräbern gelangen. Drei Parkplätze sowie ein Toilettenhäuschen seien als flankierende Infrastruktur erforderlich.

Die normale Ruhezeit pro Urnengrab werde auf 20 Jahre konzipiert - mit der Option, diese zu verlängern. Sebastian Huth: "Jeder darf sich auf diesem Friedhof bestatten lassen, nicht nur die Bürger der Stadt ." Hinterbliebene hätten zudem die freie Wahl des Bestatters. Wie viele Urnengräber es insgesamt einmal werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. "Wir wollen nicht auf einmal das ganze Gebiet belegen", ergänzte er. Das Areal solle vielmehr in Parzellen aufgeteilt und sukzessive erweitert werden.

Zehn bis zwölf Besucher täglich

Weitere Details zur Einrichtung eines solchen Friedhofs gab Erwin Kuczek. Er gehört der Naturfriedhofs-Verwaltung St. Ursula Trappstadt-Alsleben an, wo ein solches Konzept seit vielen Jahren angewandt wird. Dort gebe es 700 Grabstellen, sagte er. Aus der Erfahrung könne er sagen, dass pro Tag im Durchschnitt zehn bis zwölf Besucher den Friedhof aufsuchen - "mehr sind es freilich bei Beerdigungen ".

"Bei uns werden keine Bäume verkauft", fuhr Kuczek fort. Jede Grabstelle werde mit einem kleinen, einheitlich gestalteten Gedenkstein versehen, der den Namen und ein Bild des Verstorbenen trage. Das habe den Vorteil der Erkennbarkeit - anders als bei manchem Friedwald, in dem nur ein Namensschild am Baum angebracht werde. Anonyme Bestattungen seien nicht vorgesehen: "Wir richten uns nach christlichen Glauben aus. Dort wo der Grabstein ist, befindet sich auch die Urne." Zudem sei diese Art der Beisetzung auch für konfessionell nicht (mehr) gebundene Menschen möglich. In seiner Heimatdiözese Würzburg würden bereits Laien als Beerdigungshelfer ausgebildet, die einer Beisetzung ohne Pfarrer einen würdigen Rahmen geben.

Äußerlich, erklärte er, sehe ein Naturfriedhof so aus: Um jeweils eine Eiche würden im 360-Grad-Radius zwölf Segmente angelegt, die Platz für zwölf Gräber bieten. Der Friedhofsbetreiber beschaffe die Grabsteine und lasse sie setzen. Das Gelände selbst bleibe weitgehend naturbelassen. Eine Beisetzung habe jedoch ihren Preis: "Es wird auf keinen Fall ein Discount-Friedhof."

Friedhof für eine besondere Klientel

Auch Kuczek entkräftigte etwaige Befürchtungen, es könnte sich um eine Konkurrenz zu Gemeindefriedhöfen handeln. Aus der Erfahrung heraus könne er sagen, dass sich fünf bis acht Prozent der Menschen eine derartige Ruhestätte wünschen. "Das ist eine besondere Klientel, die auf einem solchen Friedhof beigesetzt werden will. Diese Menschen möchten sowieso nicht auf einem normalen Kommunalfriedhof ruhen."

Sebastian Huth fügte hinzu, dass zusätzlich die Option geprüft werde, einige Bestattungsplätze auf einer Obstbaumwiese anzubieten. Außerdem werde eine derzeit noch mit Fichten bewachsene Abteilung nach und nach umgestaltet und mit Esskastanien bepflanzt. Auch auf dieser Fläche sollen dann Urnengräber entstehen.

Vorgespräche mit den Kirchen geführt

Das Vorhaben stieß bei den Stadträten auf Interesse. So ein Naturfriedhof wäre schließlich auch wirtschaftlich für Bestatter und Steinmetze aus der Region sowie für die lokale Gastronomie lukrativ. Die Vertreter der örtlichen Kirchen , mit denen Vorgespräche geführt wurden, stünden dem Projekt nach Angaben von Zweitem Bürgermeister Hans Josef Stich ( CSU ) wohlwollend gegenüber.

Einstimmigkeit bestand im Gremium, die Planung positiv zu begleiten und in das erforderliche Bauleitverfahren einzusteigen. Matthias Einwag