Danach übernahm das Ehepaar Unger für gut drei Jahre die Betreuung der Weihermühle als Hausmeisterpaar. Es war eine Arbeit, die ihnen lag: „Das war spitze“, erinnert er sich. Dass Unger zudem 13 Jahre lang als Schöffe am Gericht in Bayreuth wirkte, passt ins Bild eines Mannes, der sich stets für seine Mitmenschen engagiert hat.
Brot vom Patersberg
Auch sein handwerkliches Geschick entwickelte sich weiter: 1983 baute er sich einen eigenen Backofen ins Haus. Als 1995 die Waldorfschule aus den Räumen am Patersbergweg ausgezogen war und die dortige Küche nicht mehr benötigt wurde, nutzte Unger die Gelegenheit: Er baute den Raum zur Backstube aus und versorgte bis 2004 die Region mit seinem Brot. Ein kleiner Schlaganfall zwang ihn schließlich zum Kürzertreten – allerdings nur bedingt.
Gemäß seinem Lebensmotto „Wer rastet, der rostet“ erweckte er den Raum am Patersbergweg rasch zu neuem Leben und erfüllte sich die Idee eines eigenen Gastraums. Seit nunmehr 21 Jahren steht er in seinem Patersberg-Café und verwöhnt die Gäste mit leckeren, selbstgebackenen Kuchen und Torten. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: „Ich mache weiter, solange es geht.“
Nachhaltigkeit war ihm schon wichtig, als das Wort in vielen Köpfen noch gar keine Rolle spielte. Bereits in den frühen 1970er Jahren kaufte er biologisch abbaubares Spülmittel. „Bis heute haben wir keine Spülmaschine. Uns ist wichtig, die Gewässer zu schonen“, erzählt er. Dieser Gedanke zieht sich durch das ganze Café: Die Einrichtung ist eine bunte, charmante Ansammlung von Fundstücken mit Geschichte – vom ehemaligen Chefsessel der Landeszentralbank über Standesamtsstühle bis hin zum Lehrerstuhl. Und auch in der Küche gilt der Grundsatz: Es wird nichts weggeworfen, alles wird verwertet.
Ein Leben voller Musik
Neben dem Café ist die Musik seine große Konstante. 1971 griff er zur Tuba und spielte 38 Jahre lang im Posaunenchor Veitlahm. Er stieß 1983 zum Gesangverein Veitlahm, sang mehrere Jahre in der Kulmbacher Kantorei und unterstützte den Männerchor in seiner alten Heimat Proß. 2008 brachte er sich selbst schließlich noch das Alphornblasen bei. „Musik hält gesund, macht froh in jeder Lebenslage und bringt mich immer wieder nach oben“, sagt er mit Überzeugung. „Sie hat etwas Heilendes.“
Bescheidenheit, Glauben und der Wunsch nach einem harmonischen Miteinander prägen Siegbert Unger seit jeher. „Ich habe gefühlt alles gemacht, war immer neugierig“, resümiert er. So bringt er sich seit Jahrzehnten in seiner Region ein – sei es als Ehrenvorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr oder in Vereinen wie dem Imkerverein, dem Gartenbauverein, dem Bund Naturschutz oder dem Waldorfförderverein.
Große Fernreisen hat er nie gebraucht: Zwei Urlaube in Spanien und in der Türkei reichten ihm völlig. Siegbert Unger bleibt am liebsten mitten im Leben vor Ort – und das hoffentlich noch viele Jahre.