Katharina Müller-Sanke Sebastian Pezcnik sitzt schon wieder an zwei neuen Alben. "Ich liebe es, ein Workaholic zu sein," sagt er lachend beim Interview per Videochat. Und bevor die erste Frage gestellt ist, erzählt der Argentinier und Wahl-Berliner von seinem neuen Instrument, einer Roncoco. Das ist eine Gitarre mit zehn Saiten. Sie hat einen tiefgründigen, melancholischen, aber gleichzeitig starken Klang.

Auf dem neuen Album wird sie eine wichtige Rolle spielen. Und auch nach Putzenstein wird er sie mitbringen, erzählt er.

Was Heimat bedeutet

Dann reden wir über sein Leben bisher, darüber, was Heimat bedeutet, warum er sich in Berlin zu Hause fühlt und immer wieder: über die Musik, die sein Leben ist.

Sebastian Pezcnik hat sich in Deutschland verliebt, als er im Januar 2010 zum ersten Mal in Berlin gespielt hat. Zurück in seiner argentinischen Heimat, schwärmte er von Europa. Im Oktober des gleichen Jahres spielte er ein weiteres Konzert in Leipzig und spätestens jetzt war klar: Deutschland sollte seine neue Heimat werden.

Deutschland war so ganz anders, als er es aus dem Fernsehen kannte, erinnert er sich. Die Sprache sei viel weicher, die Menschen seien zugänglicher und freundlicher als ihr Ruf. Und besonders zu Berlin hatte er gleich eine enge Verbindung. Der Gitarrist, Komponist und Bandleader fühlt sich in seiner heutigen Wahlheimat Berlin zu Hause.

Feuer und Klarheit

Er vereint in sich und seiner Persönlichkeit die zwei Welten: südamerikanisches Feuer und europäische Klarheit. Und so ist es auch mit seiner Musik. In ihr verbinden sich in fantastischer Weise die Klänge der beiden Welten. In seinem Spiel sind deutlich die Spuren sowohl von Johann Sebastian Bach zu erkennen als auch die des argentinischen Komponisten und Begründers des Tango Nuevo, Astor Pantaleón Piazzolla.

Jazz, Klassik, Tango: Im Programm des Künstlers sind alle Klänge vertreten und verschmelzen zu einer Einheit. Die Stilrichtungen stehen nicht nebeneinander, Peczniks verbindet sie.

Als Monika Kober das Angebot bekam, Sebastian Pezcnik könnte nach Putzenstein kommen, hat sie sich erst mal durch seine Musik gehört. Lange musste sie nicht zuhören, um zuzusagen. "Die Musik hat mir gleich gefallen. Man hört in jedem Ton, was für ein hervorragender Künstler da an der Gitarre sitzt." Dass der Stil nicht ganz einzuordnen ist, ist für sie eher ein Vorteil. "Es ist ein wunderbares Klangerlebnis", fasst sie zusammen.

Vielleicht ein Kulturschock

Der Besuch in Putzenstein wird für den Musiker vielleicht ein Kulturschock. Denn wer Buenos Aires und Berlin gewohnt ist, für den wird die kleine Kulturscheune eine gänzlich andere Erfahrung sein.

Pecznik hat mit seiner Musik schon ganze Konzerthallen gefüllt. Bei "Broadway on Ice" waren an jedem Abend 7000 Menschen im Saal. Doch Pecznik weiß auch das Flair kleiner Bühnen zu schätzen. Das Mendelssohn-Haus in Leipzig mit rund 70 Plätzen ist einer seiner Lieblings-Spielorte.

Vielleicht wird nach diesem Wochenende auch Putzenstein zu diesen Lieblingsorten gehören. Wer die Location kennt, weiß, dass es ein besonderes persönliches Erlebnis wird. Der Kontakt zum Publikum ist dem Künstler wichtig. Und dafür ist Putzenstein bekanntermaßen ideal. Der enge Kontakt, das persönliche Gespräch, die Verbindung - als wäre es ein privates Konzert im Wohnzimmer. Das macht den Charme von Putzenstein aus.

Pecznik hat schon grob einen Plan, was er spielen will am Samstag. Aber er passt sein Programm auch immer gerne aufs Publikum an. "Ich achte gern darauf, was den Leuten an diesem Abend gefällt und richte mich darauf ein", erzählt er.

Ein sympathischer Künstler ohne Starallüren, aber mit unfassbar viel Geschick, Gespür, Herz und einem riesigen Repertoire an Musik und Ideen.

Entspannter Abend

Er nimmt das Publikum gerne mit, erklärt wie sich die verschiedenen Musikstile entwickelt haben, erzählt nette Anekdoten aus aller Welt und beantwortet gerne Fragen. Das wird sicher ein besonderer und doch so ganz normaler und entspannter Abend in Putzenstein.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr.