Die Arbeiten für den Neubau der neuen Grundschule sowie der Sport- und Kulturhalle schreiten zügig voran. Noch vor Weihnachten konnten die ersten Fundamente und ein Teil der Kellerwände betoniert werden. Nach den Weihnachtsferien soll es je nach Wetterlage mit den Rohbauarbeiten weitergehen.

Der erste Bauabschnitt mit einem finanziellen Aufwand von rund 15 Millionen Euro ist ein Kraftakt für die Marktgemeinde. Dennoch ist Bürgermeister Bernd Rebhan zuversichtlich. „Der erstmalige Bau eines Zentralschulhauses in Küps 1958 und der Turnhalle waren für die damalige Gemeinde nur ein gutes Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg eine noch viel größere Herausforderung“, sagt er.

Im Zuge der Abbrucharbeiten konnten der Grundstein mit der Kapsel samt der darin befindlichen Urkunde gesichert werden. Kürzlich wurde die Kapsel, die bei den Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung mit Richtfest am 30. November 1958 verlötet worden war, erstmals geöffnet.

Der Text der Urkunde erinnert an die Kriegszeit, die Teilung und Besetzung Deutschlands und den Artilleriebeschuss durch amerikanische Truppen auf Küps am 12. April 1945. 34 Wohnhäuser, 27 Scheunen und 13 Stallungen wurden damals zerstört. „Zum Zeitpunkt der heutigen Grundsteinlegung verbunden mit dem Richtfest sind dreizehn Jahre vergangen, seit der zweite Weltkrieg (1939 – 1945) beendet wurde“, heißt es.

„Geplant, beraten und beschlossen wurde dieser Bau unter der bewährten Förderung des Landrates Dr. Edgar Emmert während der Amtszeit des 1. Bürgermeisters Ernst Hanna“, ist auf der Urkunde weiter zu lesen. An der Bauausführung waren mit der Firma Otto Mühlherr, dem Sägewerk Adam Murrmann, dem Dachdecker Johann Wagner sowie Fritz Eisen und Herbert Reuter für die Flaschnerarbeiten nur Küpser Firmen beteiligt.

Zehn Gaststätten im Ort

„Ende des Jahres hatte der Markt Küps 2459 Einwohner, davon 565 Heimatvertriebene aus den verlorenen Ostgebieten“, wird in der Urkunde festgehalten. Auch die öffentlichen Einrichtungen werden benannt, darunter damals noch eine Landpolizei und ein Lichtspielhaus.

Sehr aufschlussreich ist die Liste der aufgezählten Betriebe, vorneweg die vier Porzellanfabriken und -manufakturen Edelstein, Lindner, Rittirsch und Klette sowie die Fahrzeugfabrik Hubertia, die Rufa-Sprechanlagenfabrik Dietze & Co und natürlich die Brauerei Hofmann. Weiter folgen die Korbwarenmanufakturen Beizinger & Gerner, Christian Locker, Theodor Gartemann, Benno Schuster und Michael Bauer , ferner zehn (!) Gastwirtschaften, fünf Metzgereien, vier Bäckereien sowie Textil- und Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte und Handwerke wie Schuster, Schneider, Schmiede, Tüchner, Häfner, Gerber, Schlosser, Schreiner und Sattler.

Dank der Urkunde lässt sich die Küpser Schulgeschichte bis Ende des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen: Im Jahr 1582 wird urkundlich der erste Schulmeister genannt, der sich ausschließlich dem Schul- und Kirchendienst widmete. 1910 waren in Küps vier Schulstellen vorhanden. Nach dem Krieg unterrichtete Oberlehrer Trautner die Kinder aus Küps , Au, Oberlangenstadt und Unterlangenstadt. Später wurde das Schulwesen des Marktes wieder ausgebaut und bestand ab 1948 aus sieben Schulstellen.

Zuletzt wurde im heutigen Mehrfamilienwohnhaus Schulberg 9 unterrichtet (vorher Porzellanfabrik Greiner), auch das Alte Schloss (Mühlweg 2) wurde umgebaut und konnte einen Schulsaal vorweisen.

„Im Schuljahr 1958 besuchen 276 Kinder die Schule in Küps , 139 Knaben und 137 Mädchen. Acht hauptamtliche Lehrkräfte unterrichten hinter Rektor Michael Roppelt jetzt an der Küpser Schule.“ Die Urkunde trägt schließlich noch die Unterschriften von Bürgermeister Ernst Hanna, den Gemeinderäten sowie von weiteren Verantwortlichen wie dem Landrat.

Marsch zum Richtschmaus

Als „Tag von besonderer geschichtlicher Bedeutung“ wird das Richtfest mit der Grundsteinlegung in den Berichten bezeichnet. Landrat Edgar Emmert vollzog die drei symbolischen Hammerschläge, ihm folgten Zweiter Bürgermeister Willy Köllmer, Schulrat Wölfel für das Bezirksschulamt, Rektor Michael Roppelt für die örtliche Schulleitung, Architekt Emil Schomberg und Ingenieur Otto Mühlherr für die bauausführende Firma. Alle Gäste und Bauarbeiter marschierten schließlich durch die Marktgemeinde zum Gemeinschaftsraum der Porzellanfabrik Edelstein, um den „traditionellen Richtschmaus“ zu feiern.

Anfang 2022 werden die Zimmereiarbeiten für die neue Grundschule ausgeschrieben. Unabhängig davon, dass Feierlichkeiten derzeit nur schwer planbar sind, strebt der Markt Küps aber an, den Sandstein aus dem Jahr 1958 zu überarbeiten, mit der neuen Jahreszahl zu versehen und dann im Eingangsbereich der neuen Schule anzubringen. Neben neuen Dokumenten soll auch die Urkunde aus dem Jahr 1958 wieder darin verwahrt werden. ber