Zugegeben: Lucas Cranach (1472 – 1553) hat das Freischießen in Kronach nie erlebt! Während er um 1500 seine Geburtsstadt verlassen hat, fand das erste offizielle Schützenfest auf der Hofwiese erst 1588 statt. Aber schon 1444 – also weit vor Cranachs Geburt – ist die erste Schützengilde nachgewiesen, die regelmäßig Schießübungen abgehalten hat. Spätestens seit 1497 fanden diese auf der Hofwiese statt, es ist kaum vorstellbar, dass der 25-jährige Lucas sich das entgehen ließ. Ein Bier wird es auf der Hofwiese auch schon gegeben haben. Ob ihm eine Maß genügt hat?

„Die Schaufenster-Ausstellung beschäftigt sich mit der fünften Jahreszeit Kronachs, die ja leider wieder ausfallen muss“, so Manfred Raum, Vorsitzender des Vereins „1000 Jahre Kronach “. Mit der Exposition wolle man zeigen, dass der berühmteste Sohn der Stadt auch über das Bier erkundet werden kann.

Viele Motive

In der Tat zieren viele Krüge Motive von Lucas Cranach: Selbstbildnisse, die Cranach-Schlange und Ausschnitte aus den Werken. Ob er selbst mit der Büchse auf den traditionellen Vogel geschossen hat, bleibt vermutlich für immer im Dunkeln. Übrigens: Cranachs Frau in Wittenberg hieß vor der Hochzeit Brengbier, und Cranach hatte in der aufkommenden Sachsen-Metropole auch die Schankerlaubnis.

Im „Cranach Welten“-Schaufenster sind derzeit unter anderem zu sehen:

? Cranach und die Brauerei Kaiserhof: Vom Kaiserhöfer Lucas-Cranach-Bier werden zu den originalen Bügelverschlussflaschen mit dem Porträt des großen Sohnes der Stadt Kronach auch Plakate, Tischaufsteller, Glasbierkrüge sowie Werbetrucks und ein Eisenbahnmodell gezeigt. Im Jubiläumsjahr 1972 erschien zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach auch ein Bierdeckel mit der gefiederten Schlange.

? Lucas Cranach und Nürnberger Bier: Vor langer Zeit wurde das Traditions-Gasthaus „Scharfes Eck“ von der Lederer-Brauerei aus Nürnberg beliefert. Es galt seit 1872 fälschlicherweise als Geburtshaus Cranachs.

? Cranach-Bier aus Weißenbrunn: Die Schultheiss Brauerei AG (1562 – 1969) braute vor vielen Jahren ein Lucas-Cranach-Pils und ein Lucas-Cranach-Dunkel. Geworben wurde mit Krügen, Gläsern, Bierdeckeln und Etiketten.

? Cranach-Bier aus Wittenberg: In Wittenberg wirbt das Brauhaus mit Werken von Lucas Cranach, Bildnissen der Katharina von Bora und Martin Luther sowie dem Altersportrait des Kronacher Künstlers .

? Lucas Cranach von Heinrich Schreiber : Der Kiwanis-Club Kronach gab anlässlich des 1. Lucas-Cranach-Preises der Stadt Kronach 1992 einen vom Kronacher akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber geschaffenen Bierkrug heraus.

? Lucas Cranach bei der Fousanocht: Jahreskrüge der Kronacher Fousanocht mit Cranach-Motiven: Venus und die Cranach-Schlange sowie die „drei Geburtshäuser“. Ausgestellt ist ferner Cranachs Signet, die gekrönte Schlange, auf einem Jubiläumskrug der Kronacher Musikanten.

? Cranach und die Töpferei : Die Töpferei Schäuble bietet Bierkrüge mit der Cranach-Schlange an, auch auf Bechern.

? Cranach und das Porzellan : Lindner Porzellan aus Küps; ein Bierkrug mit verschiedenen Cranach-Werken: „Adam und Eva“ und im Deckel sein Selbstbildnis aus „Judith am Hof des Holofernes“.

? „Schau wie Cranach!“: Auf einem Spiegel der Kronacher Kaiserhof-Brauerei wirbt Lucas Cranach der Ältere für das nach ihm benannte Lagerbier. Hierzu gibt es einen kleinen Wettbewerb: Wer kann ihn am besten nachahmen?

„Die besondere Ausstrahlung von Kronachs großem Sohn weiterhin anschaulich und überzeugend darzustellen, ist das Anliegen von ,1000 Jahre Kronach ’. Dieses Ziel verfolgen wir mit unseren Wechselausstellungen“, sagte Manfred Raum bei der Fenster-Enthüllung samt Bierprobe.

Die Schaufenster-Ausstellungen versteht man dabei laut Zweitem Vorsitzenden Dirk Eilers insbesondere auch als Appetitanreger, um die vorbeilaufenden Touristen oder auch Einheimische auf Lucas Cranach neugierig zu machen und zu einem Besuch der fränkischen Galerie zu animieren. Es sei immer wieder schön zu beobachten, wie viele Leute vor dem Schaufenster stehen bleiben und voller Interesse die Texte lesen und Exponate betrachten – so hoffentlich auch jetzt wieder bei der Betrachtung, die bis zum Ende der regulären Freischießen-Zeit zu sehen sein wird. Zugleich möchte man damit alle Freischießen-Besucher ein wenig aufmuntern und auf 2022 vertrösten – dann hoffentlich wieder live auf der Hofwiese, bei Bratwürsten und einem frisch gezapften Bier.