In und um Scheßlitz stehen schon einige Solarparks. Und weitere sind im Bau. Die Stadt zeigt, was Sonnenstrom betrifft also durchaus ein grünes Herz. Doch jüngst hat sich der Stadtrat mehrheitlich gegen zwei neue geplante Freiflächen-Photovoltaikanlagen ausgesprochen. Ein großes Projekt bei Schweisdorf, das ein örtlicher Landwirt auf rund zehn Hektar eigener Fläche errichten wollte, wurde denkbar knapp mit elf gegen zehn Stimmen abgelehnt. Ein anderes an der Autobahn bei Burgellern, das zum zweiten Mal in dem Gremium zur Debatte stand, fiel deutlich mit 15:4 Nein-Stimmen durch.

Was sind die Gründe dafür? Die Argumente sind teils sehr unterschiedlich, wenn man sich bei Beteiligten an den beiden Entscheidungen umhört. Auch unter denen, die sich prinzipiell für die Solarenergie vor Ort aussprechen. "Beide wären meiner Meinung nach möglich gewesen. Aber das ist Demokratie, dass der Stadtrat in jedem Fall einzeln entscheiden kann", stellt Bürgermeister Roland Kauper (CSU) fest, der sich selbst für beide Projekte ausgesprochen hat.

Im Fall Burgellern liege die Fläche innerhalb des 110-Meter-Korridors entlang von Autobahnen, der bislang von der Staatsregierung in ihrer Landesplanung bevorzugt werde. So seien in Scheßlitz in diesem Bereich schon mehrere Solarparks entstanden. Zudem hätten die Planer bei der zweiten Vorlage die Fläche etwas verkleinert und den Abstand zur Besiedlung vergrößert. "Ich hatte das Gefühl, dass das akzeptabel ist", sagt Kauper. Die deutliche Ablehnung habe ihn überrascht. Und überrascht sei er auch, dass es bei Schweisdorf dagegen so knapp ausgegangen sei. Dort habe er mit Ja gestimmt, weil ein Landwirt auf eigener Fläche die Sicherung seines Betriebes habe erreichen wollen.

Was die Schweisdorfer Pläne betrifft, findet sich der CSU-Bürgermeister auf einer Linie mit dem Grünen-Stadtrat Ralph Behr wieder. Auch der argumentiert mit dem Wunsch des Landwirts, seinen Standort auf selbst genutztem Grundeigentum weit außerhalb der Besiedlung zu sichern. Außerdem hätte die Anlage "eine gute Größe gehabt", was die Leistungsfähigkeit betrifft. Zudem sei keine Versiegelung des Bodens, sondern eine artenreiche Wiese unter und zwischen den Solarmodulen geplant gewesen. "Ich habe das Projekt persönlich sehr befürwortet", sagt Behr. Dass die Entscheidung so knapp ausgegangen ist, stimmt ihn fast schon positiv. "Es ist schade. Aber ich hatte eine deutlichere Ablehnung befürchtet." Vielleicht sei das ein Zeichen für ein gewisses Umdenken im Stadtrat, was Freiflächen-Anlagen betrifft.

Obwohl er Photovoltaik befürworte, habe er bei Burgellern gegen das Vorhaben gestimmt. "Ich fand die Planung unglücklich", sagt Behr. Trotz des vergrößerten Abstands sei das immer noch "viel zu nah am Ort, nur 100 Meter hinter der Bebauung" gewesen, außerdem direkt in der Sichtachse des Schlosses/Hotels. "Das hat an der Stelle einfach nicht gepasst", begründet Behr seine Ablehnung dieses Vorhabens.

Genau entgegengesetzt zu seinem Stadtratskollegen von den Grünen hat der Zweite Bürgermeister Michael Lindner (Freie Liste) abgestimmt. Man habe sich im Vorfeld im Stadtrat schon bemüht, Richtlinien und Rahmenfaktoren für Photovoltaikanlagen festzulegen. Doch das sei bei der Entscheidung über Burgellern "nicht ansatzweise umgesetzt" worden. Da hätten die Anlieger wohl viel Einfluss, meint Lindner, der einer der vier Befürworter im Stadtrat war.

Lindner spricht sich entschieden dafür aus, dass beim Bau von Photovoltaikanlagen zunächst auf vorbelastete Flächen zurückgegriffen wird. Zum Beispiel auf das Gelände der ehemaligen Deponie und auf den Korridor entlang der Autobahn. Das vorgesehene Areal in Burgellern liege in diesem Korridor. In der geänderten Planung sei die Fläche sogar kleiner geworden und weiter weg von der Bebauung gewesen. Deshalb habe er dafür gestimmt.

"Wir sollten möglichst erst mal die belasteten Flächen einsetzen, bevor wir die Freiflächen hergeben", sagt Lindner und begründet so auch seine Ablehnung des Projekts bei Schweisdorf.

Kauper, Lindner, Behr: Keiner von Ihnen ist grundsätzlich gegen Photovoltaikanlagen. Sie kennen aber auch solche Stimmen. Manche seien einfach gegen die "Verschandelung der Landschaft". Vor allem höre man in Scheßlitz immer wieder: "Wir haben schon so viele Windräder und Solaranlagen - und produzieren mehr als wir selbst verbrauchen."

Tatsächlich wurde, nach den Daten des Landkreis-Klimaschutzbeauftragen Robert Martin, 2019 in Scheßlitz und seinen Ortsteilen fast eineinhalbmal so viel Strom aus erneuerbaren Energie gewonnen wie dort verbraucht wurde. Mit 142,44 Prozent lag Scheßlitz auf Platz 8 unter den 36 Landkreisgemeinden. Den Löwenanteil lieferten sieben Windkraftanlagen mit 42,7 Millionen Kilowattstunden, gefolgt von Biomasse (7,9 Mio. kWh) und Solarenergie (7,4 Mio. kWh) auf Platz drei. Es gebe also noch Luft nach oben, meint Martin. Man müsse bedenken, dass andere Gemeinden - wie etwa sein Wohnort Gundelsheim - gar nicht über ausreichend Fläche verfügten. Andererseits stehe Scheßlitz etwa im Vergleich zum etwa gleich großen Burgebrach, wo rechnerisch nur 27 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien produziert werde, gut da.