Wenn er kommt, kommt er womöglich in Massen, und es ist im fast egal, worauf er trifft - er frisst es auf. Seit der Japankäfer in diesem November in einer Pheromonfalle im Umland von Freiburg im Breisgau gefunden wurde, läuten in Deutschland die Alarmglocken. Landwirte, Förster, Gartenbauer und Naturschützer sind da in der Angst vereint. Eine Ausbreitung des Schädlings, der nur wenig größer ist als ein Marienkäfer, könnte katastrophale Ausmaße annehmen. Einer der Gründe für diese Sorge: Popillia japonica ist keine Naschkatze. "Er ist polyphag. Es gibt nach Angaben der European Food Safety Authority bis zu 700 Pflanzenarten, die er befallen kann", sagt Frank Reißenweber, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband (LPV) Coburger Land.

Noch ist er nicht da. Aber er hat bereits in Europa Fuß gefasst - wohl eingeschleppt durch den internationalen Warenverkehr. In Italien, der Schweiz, auf den Azoren ist er schon aufgetaucht. Der Fund bei Freiburg war der erste eines Käfers, der lebend nach Deutschland gekommen ist. "Irgendwann wird er wohl nach Norden wandern", ist Frank Reißenweber überzeugt. Der Klimawandel mag ihm dabei helfen. Auf ihn angewiesen ist er nicht. "Er übersteht auch in seiner Heimat Fröste. Unsere Winter sind für ihn sicher kein Problem", sagt Frank Reißenweber.

Entsprechend besorgt reagierten die Behörden nach dem ersten Lebendfund. Sie wollten wissen, ob es weitere Nachweise gibt. Nach einem Aufruf meldeten tatsächlich zahlreiche Bürger Käferfunde an das Landwirtschaftliche Technologiezentrum in Karlsruhe. Doch dabei handelte es sich meist um Tiere, die mit dem Japankäfer verwechselt werden können, wie Gartenlaubkäfer oder Kleiner Junikäfer.

Im Gartenbau können Mittel wie Niembaumöl-Extrakt eingesetzt werden, um den Japankäfer zu bekämpfen. In den USA, wo der Käfer schon lange angekommen ist, werden auch Fadenwürmer oder Mikroorganismen wie Bazillus Thuringiensis eingesetzt, sagt Frank Reißenweber. "Aber in der freien Natur wird es eben schwierig", sagt er. Und viele Mittel, die sich für die Bekämpfung eignen würden, träfen neben dem Schädling auch andere Insekten. Deren Bestand macht in Deutschland aber gerade Sorgen.

In der EU gilt der aus Asien stammende Käfer als Quarantäne-Schädling. Wird er irgendwo nachgewiesen, werden in einem Radius von einem Kilometer Pheromonfallen aufgestellt. "Damit versucht man ihn wieder auszurotten", erklärt Frank Reißenweber. Doch verlassen könne man sich nicht auf den Erfolg solcher Maßnahmen.

Weil er neu ist, hat der Japankäfer bei uns kaum natürliche Feinde. "Wenn sich heimische Schädlinge stark vermehren, kommt es in der Regel auch zur Konter-Evolution", sagt Frank Reißenweber. Das heißt, die natürlichen Feinde nehmen ebenfalls stark zu. Beim Japankäfer wäre das nicht so. Im Gegenteil. Im Stadium des Engerlings, der sich aus den winzigen Eiern (1,5 Millimeter) entwickelt, können sich bis zu 400 Engerlinge unter einem Quadratmeter Wiesenboden über die Graswurzeln her machen. Damit nicht genug. Entdecken etwa Wildschweine die eiweißreiche Nahrung, dann wühlen sie auf der Suche danach die Wiese komplett um. "Es kommt dann zusätzlich zu Sekundärschäden", sagt Frank Reißenweber.

Haben unsere Wälder jetzt unter Schädlingen zu leiden, dann sind diese in der Regel auf eine Baumart spezialisiert, wie der Borkenkäfer oder der Eichenprozessionsspinner. Der erwachsene flugfähige Japankäfer befällt aber praktisch alle Laubgehölze. Er frisst dann an der Oberseite der Blätter und lässt nur das Skelett der Blattadern übrig. Bei Massenbefall kann das zum kompletten Kahlfraß führen. Getreide interessiert den neuen Schädling offenbar weniger. Mais und Kartoffeln dagegen schon. Außerdem ist der Weinbau ebenso betroffen wie der Obstanbau - auch bei Beerenobst - der Gemüseanbau und selbst viele Blumenarten oder Ziergehölze wie Flieder stehen auf seiner Speisekarte. Besonders sollten sich Golfclubs Sorgen machen, denn gepflegter Rasen gehört zu den bevorzugten Lebensräumen des Japankäfers. Obwohl er bereits in mehreren europäischen Ländern aufgetaucht ist, kam es bisher nicht nicht zu einer Massenvermehrung. Bisher. Vor allem im Süden Deutschlands herrscht jetzt besondere Aufmerksamkeit, doch eingeschleppt - etwa mit dem internationalen Warenverkehr - ist der neue Schädling auch schnell an jedem anderen Ort.

Für die Coburger Bauern sieht Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Coburg, noch keinen Grund zur Sorge: "Wir haben zum Glück noch nichts mit dem Japankäfer zu tun. Und wir hoffen natürlich, dass es so bleibt." Und wenn er aber kommt? Dann wird es problematisch. "Wir haben ja kaum noch erlaubte Mittel, die wir dagegen einsetzen könnten, auch nicht im konventionellen Landbau."