von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Kloster Banz — Die Delegierten von Kneipp-Vereinen aus ganz Bayern trafen sich am Samstag auf Kloster Banz zu einem Symposium mit anschließender Jahresversammlung. Der Landesverband Bayern stellt mit seinen insgesamt 20 656 Mitgliedern mehr als 18 Prozent der Kneippianer in ganz Deutschland.
Mit ein Grund weshalb Kneipp-Landeschefin Ingeborg Pongratz trotz rückläufiger Mitgliederzahlen mit Zuversicht nach vorne schaut. "Immerhin konnten wir in Bayern im vergangenen Jahr 766 Neuanmeldungen verbuchen." Zudem wachse das Interesse der Bevölkerung an Kneipp, dessen Anwendungen mit zu den bekanntesten Naturheilverfahren zählen. Mit dem Thema des Symposiums "Prävention im Alltag" können die Kneippianer zwar nicht die soziale Frage lösen, aber viel zur Verbesserung der Gesundheit und zur Vermeidung von Krankheiten beitragen. "Menschen, die sich wohl in ihrer Haut fühlen, haben eine höhere Lebensqualität und nehmen leichter am gesellschaftlichen Leben teil", betonte Pongratz. Dies gelte sowohl für Erwachsene wie auch für Kinder.
Eingehend auf das Jahresmotto der Kneipp-Bewegung "Anwendungen sind Zuwendungen" unterstrich die Kneipp-Landeschefin die Bedeutung zwischenmenschlicher Zuwendung. Durch Zuwendung entstehe Vertrauen, Liebe und Geborgenheit. Ein ganzheitliches, liebesvolles Verhalten, das vor allen Kinder und Senioren erfahren müssten. Anwendungen durch Zuwendungen erleben die Menschen in den verschiedensten Kneipp-Einrichtungen regelmäßig. Vizepräsident Joachim Rudolph äußerte, dass die Erkenntnisse des Pfarrers und Naturheilkundlers Kneipp für Prävention und Gesundheitsförderung auch heute noch mehr als aktuell seien.
Philipp Zimmer vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin in Köln ging auf die Wirkung von Sport bei Krebs ein. Bis in die 1990er-Jahren wurde Tumorpatienten empfohlen, sich möglichst wenig zu bewegen, keinen Müll mehr runterzutragen und möglichst nicht mehr arbeiten zu gehen. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass das Risiko an Brustkrebs zu sterben bei Frauen, die sich mindestens drei bis fünf Stunden in der Woche "etwas anstrengender" bewegen, um 26 bis 40 Prozent sinke. Zudem könne Sport eine Menge von Nebenwirkungen wie Lymphödeme, chronische Müdigkeit oder psychische Symptome wie Angst, Schmerzen oder Depressionen reduzieren helfen. Sport biete zudem die einzigartige Möglichkeit, den Krankheitsverlauf auf physischer, psychischer und sozialer Ebene aktiv zu beeinflussen.
Das Jahresmotto der Kneipp-Bewegung griff German Schleinkofer, Autor und langjähriger Dozent an der Sebastian-Kneipp-Akademie in seinem Fachvortrag "Anwendungen sind Zuwendungen" auf. Zuwendung vermittle Geborgenheit und lasse Vertrauen wachsen. Kneipp-Anwendungen seien dann erfolgreich, wenn die richtige Anwendung gewählt wird, sie richtig ausgeführt und eine positive Einstellung zur Anwendung gegeben ist.
Allerdings gebe es bei Kneipp auch einige Anwendungen, bei denen zunächst der innere "Schweinehund" überwunden werden muss wie beispielsweise die Kaltanwendungen. Schleinkofer riet den Delegierten, Hilfe- und Ratsuchenden von Anfang an auf Augenhöhe zu begegnen. "Der Mensch möchte zuerst mit seinen Sorgen und Nöten wahrgenommen werden."
Präventive Kneippanwendungen könnten der Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte (Abhärtung) dienen und bei funktionellen Befindlichkeitsstörungen wie Schlaf- oder Verdauungsstörungen, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck helfen. Zuwendung, die man sich selbst gebe, weckten die eigenen Kräfte.