reinhard löwisch

Weißenohe stand während des Franzosenkrieges 1796 wegen seines Klosters und dessen Reichtums im Fokus französischer Kriegshandlungen. Über die Vorgehensweise und das Leben zur damaligen Kriegszeit informierte ausführlich Pater Willibald Schrettinger, der damals als Benediktinermönch den Einfall der Franzosen hautnah erlebte und darüber Tagebuch führte.

Erste Hinweise auf den Franzoseneinfall bekamen die Klosterbrüder demnach schon am 22. Juli, als der Koadjutor des Klosters Michaelsberg auf der Flucht vor den Franzosen nach Weißenohe kam und von seinen Erlebnissen berichtete. Daraufhin begab sich auch der Prälat des Klosters am 28. Juli auf die Flucht mit dem gleichen Ziel wie tags zuvor der Bamberger Mönch. Zusammen mit dem Gärtner und mit vielen wertvollen Klosterutensilien fuhr er vierspännig zum Kloster Michelfeld bei Auerbach, wo Bamberger Husaren noch die Oberhand hatten.

Lager in Gräfenberg

Am 30. Juli schlugen 10 000 Mann sächsische Truppen ihr Lager in Gräfenberg und auf dem Guttenberg auf, "ohne die bebauten Felder zu beschädigen", wie der Augenzeuge berichtete. Eine Woche später kam es zum ersten Tumult in der Stadt: Ungarische Husaren trieben eine Herde Ochsen auf die Stadtwiesen, was dem Schäfer nicht gefiel, weshalb er dagegen protestierte: Die Soldaten banden ihn und warfen ihn in einen Kothaufen, worauf ein anderer Einheimischer, der "Schreiners-Hans", hinzukam und dem Hauptmann mit einem Knüppel auf den Kopf hieb, worauf dieser ihm mit dem Säbel traktierte.

Bewaffnete Einheimische

Nun gab es Aufstand: Viele Einheimische liefen bewaffnet zur Wiese, der Türmer blies zum Sturm. Der "Lochbauer" trieb die Ochsen auf die Straße, worauf ihm ein Husar die Pistole auf die Brust setzte. Daraufhin tat der Bauer einen bemerkenswerten Spruch: "Herr, wenn er schießt, wird es ihm übel ergehen. Er kann nur einmal schießen, wir aber können öfters zuschlagen." Daraufhin steckte der Husar die Waffe wieder weg. Der Klosterrichter kam dazu und beschwichtigte die Anwesenden. Nachdem er den Husarenchef auch noch zum Essen ins Kloster eingeladen hatte, war auf beiden Seiten die Sache vergessen.

Am 8. August wurde es ernst: Französische Soldaten feuerten in Kasberg auf kaiserliche Husaren, worauf die kaiserliche Kolonne, die einen Tag vorher hier angekommen war, schleunigst ihre Zelte abbrach und verschwand. Am 9. August kamen die Franzosen nach Weißenohe ans Kloster und verlangten Brot, Wein, Butter und Tabak. Das Kloster gab, was es hatte, und bat den Offizier damit um "Sauvegarde", um Schutz vor Plünderung, die anfangs auch gewährt worden ist.

Versprengte Franzosentrupps

Am 12. August jedoch kamen haufenweise versprengte Franzosentrupps durch die Gegend, auf der Suche nach lohnenden Objekten, die man plündern konnte. "Man läutete Sturm in allen Orten und die Bauern versammelten sich haufenweise", schrieb der Augenzeuge aufgeregt. Es half nichts, die Franzosen waren an Zahl und Bewaffnung weit überlegen.

Auch das Kloster musste seine Tore und seine Schatzkammern öffnen. Denn die Franzosen verlangten ihren Tribut an Lebensmitteln und Geld. Einige der Klosterbrüder nahmen wertvolle Kirchenparamente und schlugen sich nach Thuisbrunn durch, das damals preußisch und daher neutrales Gebiet war.

Am 19. August verschwanden die Franzosen in Richtung Oberpfalz. Aber es dauerte nicht lange bis zu ihrer Rückkehr. Am 24. August erfuhr das Kloster, dass die Franzosen bei Amberg eine gewaltige Niederlage erlitten hatten und daher wieder auf dem Rückzug seien. Am nächsten Tag waren die Franzosen wieder da: in Massen. Sie bevölkerten Thuisbrunn, Gräfenberg und Hiltpolststein und hatten viele Verletzte dabei. In vielen Dörfern ringsum plünderten die Franzosen, so in Lilling und Görbitz, "dass nicht einmal eine ganze Hausthüre oder ein ganzer Fensterstock übrigblieb", berichtete der Mönch.

Am 26. August war der Spuk vorbei, die Franzosen waren wieder weg, weil die Österreicher ihnen hart auf den Fersen waren. Noch einmal kam das Gerücht auf, die Franzosen kommen zurück, "weil ihnen die Kaiserlichen den Weg abgeschnitten haben". Doch es blieb beim Gerücht.

Auflösung des Klosters

Allerdings hatten die Franzosen entscheidenden Einfluss darauf, dass das Kloster 1803 aufgelöst wurde. Napoleon Bonaparte führte mit dem Reichsdeportationshauptschluss die Säkularisation, also die staatliche Einziehung kirchlicher Güter, ein. Die Klostergebäude und -güter umfassten damals 32 Bauernhöfe und 129 weitere Häuser in insgesamt zwölf Dörfern. Sie gingen in Staatsbesitz über und wurden größtenteils 1804 versteigert.