Bernhard Panzer Es ist im Kleinen wie im Großen: Die Politik bemüht sich um Maßnahmen, die das Klima schützen, den CO2 -Ausstoß verringern und den Treibhauseffekt bekämpfen. Doch den "Klimaaktivisten" geht das nicht weit genug, sie fordern schnelleres und drastischeres Handeln. Bundesweit hat sich die 24-jährige Luisa Neubauer einen Namen gemacht, sie gilt als die "deutsche Greta". Überall gründeten sich in den letzten Jahren " Friday-for-Future"-Bewegungen, so auch in Herzogenaurach.

Und hier gibt es auch noch Johannes Kollinger, den Energieberater, der unbequem seinen Standpunkt vertritt und Stadt und Kommunalpolitik antreibt. Gemeinsam mit den Herzogenauracher "Klimaaktivisten", wie sich die aus der Agenda 21 entstandene Gruppe nennt, hat er einen Anforderungskatalog zum Klimaschutz erstellt. In der letzten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses erhielt Kollinger Rederecht und konnte die Positionen darlegen. Am kommenden Donnerstag wird der Stadtrat dann abschließend darüber beraten.

Auf der Tagesordnung steht nämlich das Maßnahmenpaket der Stadt für 2021 in punkto Klimaschutz. In ihrem energiepolitischen Programm, das auch auf eine Rezertifizierung des European Energy Award in Gold zielt, hat sich die städtische Klimaschutzbeauftragte Mignon Ramsbeck-Ullmann auch mit den Hauptforderungen der Leute um Kollinger beschäftigt. Und einen eigenen Vorschlag erarbeitet. Vieles, was in dem Katalog steht, sei im städtischen Programm ohnehin enthalten, ergänzte Bürgermeister German Hacker (SPD). Er forderte die Kritiker zu etwas mehr Anerkennung auf: "Seid doch mal ein bisschen stolz auf das, was wir schon tun." Die Verwaltung sei gut aufgestellt, "wir meinen es ernst seit vielen Jahren". Freilich lasse sich noch vieles verbessern.

Amt für Nachhaltigkeit

Das wollte Kollinger auch gar nicht in Abrede stellen. Die Leistungen der Stadt seien auf jeden Fall anerkennenswert, aber sie würden nicht genügen. Wichtig erschien ihm eine entsprechende personelle Ressource für die "vielen vielen Maßnahmen", die erforderlich seien. Die Stadt müsse, in einem unabhängigen Amt, eine Struktur aufbauen; also ein Amt schaffen, "das die Bürger mitnimmt und sie einbezieht". Die grüne Stadträtin Retta Müller-Schimmel bezeichnete es als "Amt für Nachhaltigkeit". Es sei eine wirkliche Aufstockung nötig, um adäquat auf den Klimawandel eingehen zu können.

Diese von den Aktivisten geforderte Stabsstelle sieht das Programm der Stadt jedoch nicht vor. Wohl aber eine zusätzliche Halbtagesstelle in der Verwaltung. Des Weiteren sei die Stelle der Klimaschutzbeauftragten Ramsbeck-Ullmann ja schon aufgestockt worden, sagte Hacker.

Sie bekam für ihre Arbeit Lob in der Sitzung. SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Auernheimer bescheinigte, dass Herzogenaurach den Klimawandel nicht verschlafen habe, sein Kollege Curd Blank meinte: "Wir müssen Vorreiter sein in Herzogenaurach, weil wir es können und das Know How haben."

Mignon Ramsbeck-Ullmann hatte in ihrem Tätigkeitsbericht die bisherigen Maßnahmen aufgezeigt und auch einen Blick auf das im nächsten Jahr anstehende Programm geworfen. 2021 steht die externe Rezertifizierung für den Energy Award in Gold an.

Das werde eine große Herausforderung, hatte schon Bürgermeister German Hacker im Vorfeld der Sitzung angemerkt, vor allem auch wegen der vielfältigen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die Klimaschutzbeauftragte drückte ihre Hoffnung aus, "dass wir die erforderlichen 78 Prozent erreichen". Im schlimmsten Fall würde die Status den Status eben für ein Jahr verlieren.

Klimaschutzleitbild

Ramsbeck-Ullmann nannte die Ziele der Energiewende auf dem Gebiet der Stadt Herzogenaurach und bezog sich dabei auf das Energiewendekonzept Herzogenaurach von 2014 und das Klimaschutzleitbild von 2018. Angestrebt werde eine regenerative Energie-Vollversorgung für Strom und Wärme bis 2030 zu 90 Prozent und bis 2050 zu mindestens 95 Prozent. Ein weiteres Ziel ist die Reduzierung der CO2- Emissionen auf der Basis von 2009 bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent.

Des Weiteren geht es generell um die Energieeinsparung und die Förderung umweltschonender Mobilität sowie die Berücksichtigung der Klimaschutzziele bei allen Entscheidungen, wie die Referentin weiter aufzeigte.

Als eine von vielen aktuell geplanten Maßnahmen nannte sie die Verpflichtung von privaten Bauherren auf den Standard KfW 40 auf der Herzo Base. Dies stieß Konrad Körner (CSU/JU) sauer auf: "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir das beschlossen haben." Er hätte sich gewünscht, dass man so eine weitreichende Entscheidung im Stadtrat ordentlich besprochen hätte. Bürgermeister Hacker verteidigte die Entscheidung ("In der Tat steht das so drin") und Ramsbeck-Ullmann fügte hinzu: "Als Klimaschutzkommune müssen wir das so machen." Körner lehnte den Maßnahmenplan dann auch ab, als einziger übrigens.