Die Gemeinde Breitengüßbach muss dringend ihre Kläranlage sanieren. Christian Brückner vom Ingenieurbüro Gaul stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Sachstand zur Sanierungsplanung und die zur Auswahl stehenden Varianten vor.
Der Wasserrechtsbescheid für die Kläranlange vom 26. November 2012 ist befristet bis Ende 2016, eine Verlängerung ist aber bereits beantragt. Der Bescheid enthält die Forderung von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zum einen aufgrund der Klärschlammproblematik, da der Schlamm auf der Anlage nicht ausreichend stabilisiert wird und es zu einer Nachfaulung kommt - was nicht zugelassen ist. Zum anderen entsprechen Anlagenteile wie Rechen und Sandfang nicht mehr dem Stand der Technik, was sich auch auf die Betriebssicherheit auswirkt. Die Teile seien marode und die Maschinentechnik sei "fix und fertig", so Hubert Dorsch (CSU), Zweiter Bürgermeister und Zuständiger für die Kläranlage im Bauhof.
Am 9. August 2016 ergaben sich nach Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt zwei Lösungsmöglichkeiten für die Gemeinde Breitengüßbach. Zum einen ist das die Sanierung der Bestandsteile und Schlammverwertung durch Klärschlammstabilisierung in einem zweiten, neu zu erbauenden Belebungsbecken, oder die Schlammfaulung. Durch den Bau eines zweiten Belebungsbeckens würden beide Becken parallel laufen und ausreichend Kapazität zur Verfügung stellen, um den Schlamm im Becken unter Sauerstoffzufuhr zu stabilisieren. Beim Faulungsverfahren wird der Schlamm in einem Faulturm unter Sauerstoffausschluss stabilisiert - ähnlich wie bei einer Biogasanlage. Hier müsste kein zweites Belebungsbecken gebaut, sondern in eine Faulungsanlage investiert werden.


Nur noch zehn Jahre?

Bei beiden Konzepten kommt noch die Ertüchtigung der maschinentechnischen Anlagen hinzu und bei beiden kann der Klärschlamm auch weiterhin landwirtschaftlich verwertet werden. Allerdings ist es politisch absehbar, dass eine landwirtschaftliche Verwertung des Schlammes voraussichtlich nur noch zehn Jahre möglich wäre. Weiterhin muss eine Schlammstabilisierung von mindestens 25 Tagen zwingend eingehalten werden. Die Gesamtkosten für die "Verfahrensumstellung auf anaerobe Klärschlammstabilisierung mit Faulgasverwertung" belaufen sich auf 2,44 Millionen Euro, das sind 390 000 Euro mehr als wenn ein zweites Belebungsbecken gebaut wird.


Entsorgung im Kraftwerk

Die zweite grundlegende Möglichkeit ist, den Klärschlamm nicht zu stabilisieren, heißt mit einem Schlammalter von weniger als 25 Tagen. Diese Lösung wäre gekoppelt an eine Klärschlammentsorgung im Kraftwerk, also einer thermischen Verwertung. Eine Entscheidung für die Schlammentsorgung im Kraftwerk hat auch Vorteile. Es müssten keine Investitionen für zusätzliche Neubauten getätigt werden - wie Beckenbau oder Faulgasanlage. Außerdem gäbe es bei der thermischen Schlammverwertung keine Auflagen mehr hinsichtlich der Schlammentsorgung und die Aussicht auf einen Wasserrechtsbescheid mit langer Laufzeit vom Wasserwirtschaftsamt fällt deutlich besser aus. Notwendig wären weiterhin Ertüchtigungsmaßnahmen an den übrigen Anlagenteilen und es wird zum Beispiel zusätzlich noch eine Schlammentwässerung benötigt, bevor der Schlamm verbrannt werden kann.
Die beiden Lösungsmöglichkeiten warfen viele Fragen bei den Gemeinderatsmitgliedern auf. Rainer Klehr (UBB) erkundigte sich, wie groß Breitengüßbach mit dem Ausbau noch werden dürfte. Dorsch nannte dabei eine Einwohnerzahl in der Größenordnung von 6500 bis 6800. Der Bevölkerungsentwicklung nach wird die Einwohnerzahl in den nächsten Jahren nicht extrem ansteigen.
Auf die Frage von Stefan Schor (CSU), ob garantiert wird, dass der thermische Schlamm abgenommen wird, verwies Brückner auf einen abzuschließenden Dienstleistungsvertrag. Momentan gebe es Dienstleister wie Eon, Zementwerke oder andere Kraftwerksbetreiber, die dafür in Frage kommen würden, so Brückner. Dorsch merkte außerdem an, dass das Verfahren der Faulung zwar energiesparender sei als ein weiteres Becken, weil der Schlamm nicht durch Langzeitbelüftung, sondern durch Vergärung stabilisiert wird, das Verfahren aber eher bei einer Größenordnung von mehr als 9000 Einwohnern verwendet wird.
Im nächsten Schritt wird in die Vorplanung gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Gaul gegangen, anhand von Kostenhochrechnungen auf 50 Jahre werden die beiden Varianten verglichen und letztendlich eine Entscheidung getroffen, ob die Wahl auf die landwirtschaftliche Entsorgung oder doch auf die thermische hinausläuft, so Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder.