Tatort Bushaltestelle: Ein 31-jähriger Mann aus Thüringen belästigt zwei Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren an einer Bushaltestelle in Weidach mit pornografischen Abbildungen, die er auf seinem Mobiltelefon gespeichert hat. Dabei stellt er Fragen, ob die Mädchen wüssten, worum es sich dabei handele und ob sie das auch einmal ausprobieren wollten. Nach Ansicht von Staatsanwältin Carolin Schellhorn hat sich der Vorfall am 30. Juni letzten Jahres genau so abgespielt. Sie erhob Anklage gegen den Thüringer.


Video als Beweismittel zulässig?

Was der Mann allerdings nicht wusste: Heimlich filmten die Kinder seinen sexuellen Übergriff mit ihrem Handy und ließen den Ton mitlaufen. Am Montag war das Video Teil der Beweisaufnahme in einem Verfahren vor dem Amtsgericht Coburg. Während der zurzeit arbeitslose Mann hartnäckig zu den Vorwürfen schwieg, ließ er seinen Anwalt einen Widerspruch gegen die Verwertung des Videomitschnittes formulieren. "Das Video wurde ohne das Einverständnis meines Mandanten aufgenommen", sagte Verteidiger Robert Sesselmann. Es sei deshalb als Beweismittel nicht zulässig. Das sahen sowohl die Staatsanwältin als auch Strafrichterin Melanie Krapf anders. Das Video wurde zugelassen und die knapp vierminütige Sequenz im Gerichtssaal angeschaut und angehört. Schließlich gelte es, so die Staatsanwältin, hier über eine mögliche schwere Straftat zu urteilen.


Auch für die Polizei nicht alltäglich

Auf insgesamt 391 Bildern und 62 Videodateien fanden Ermittler kinderpornografische Inhalte auf dem beschlagnahmten Handy des Mannes. "Dabei handelte es sich teilweise um Kinder unter zehn Jahren und schweren sexuellen Missbrauch in einer Form, die bei unseren polizeilichen Untersuchungen nicht alltäglich ist", sagte ein Hauptkommissar aus Coburg aus, der als Zeuge geladen war. Insgesamt fanden die Ermittler 16 200 Bilder pornografischen Inhalts auf dem Gerät des Mannes.
Auf die Spur des Thüringers kamen die Beamten durch einen Vorfall im Freibad des Coburger Schwimmbades, zu dem sie später am selben Tag gerufen wurden, der aber nicht Gegenstand des Verfahrens war. "Ein Mann soll in einer Kabine ein kleines Mädchen beim Umkleiden gefilmt haben", erklärte der Polizist.
Der Verdächtige konnte identifiziert und noch auf dem Sonnendeck des Schwimmbades verhaftet werden. "Sein Mobiltelefon hatte er in einem Gebüsch beim Drehkreuz versteckt", schilderte der Ermittler. Weil eine Straftat wegen sexueller Nötigung im Raum gestanden habe, sei der Verdächtige verhaftet und sein Handy ausgewertet worden. Dort fand man neben den bereits genannten Bildern und Videos mit kinderpornografischem Inhalt auch vier Bilddateien und eine Videosequenz, die die Vorfälle im Schwimmbad belegten.
Nachdem ein Polizist Parallelen zu dem Fall in Weidach zog, erhob die Staatsanwaltschaft Coburg Anklage gegen den 31-Jährigen. Der Vorwurf lautete auf sexuellen Missbrauch von Kindern in zwei tateinheitlichen Fällen sowie auf Besitz pornografischer Schriften.
Der Angeklagte ist dreifach vorbestraft. Das letzte Urteil stammt aus dem April dieses Jahres. Da verurteilte das Gericht in Weimar den Mann wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln und des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Ermittler fanden damals rund 1828 Bilder auf dem Laptop des Thüringers, der seit seiner Jugend Betäubungsmittelkonsument sein soll. In ihrem Plädoyer zeigte sich Staatsanwältin Carolin Schellhorn von der Schuld des Angeklagten überzeugt. In Hinblick darauf, dass sich der 31-Jährige mittlerweile bereits zweimal Kindern genähert habe, sprach sie von einer "gewissen Steigerung" der Taten. Der Anwalt des Mannes dagegen wollte einen Freispruch für seinen Mandanten erreichen. Er bestritt, dass die Bilder sexuelle Handlungen gezeigt hätten, zudem sei der Thüringer für den Besitz der Dateien bereits einmal abgeurteilt worden, argumentierte er.
Für Strafrichterin Melanie Krapf war klar, dass die Bilder, die der Angeklagte den Mädchen an der Bushaltestelle gezeigt hatte, pornografischen Inhalts waren, auch wenn dies der Verteidiger mehrfach anzweifelte. "Das war eindeutig Pornografie", sagte sie, "schon allein durch die Äußerungen des Angeklagten gab es eindeutig einen sexuellen Bezug." Sie verurteilte den Mann unter Einbeziehung des Weimarer Urteils zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. "Zweieinhalb Monate nach dem Vorfall in Weimar hat der Angeklagte scheinbar nichts dazugelernt", sagte sie und rügte die "Rückfallgeschwindigkeit" des Thüringers. "Er behält die Bilder auf seinem Handy, löscht sie nicht und verwendet sie zum Herumzeigen an der Bushaltestelle."