Es ist der glühende Höhepunkt der längsten Tage des Jahres. Auch wenn die kultische Bedeutung der vorchristlichen Sonnwendfeiern längst verloren gegangen ist, haftet dem alten Brauch noch immer etwas Mystisches und Geheimnisvolles an und lässt die Menschen im weiten Kreis um das Feuer näher zusammenrücken. Nur in diesem Jahr ist alles anders.

Landauf, landab wurden die Feiern aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Davon sind auch die Lichtenfelser Sportfischer betroffen, die seit Jahren am Wörthsee ein mächtiges Johannisfeuer entzünden. Sehr zur Freude der Kinder, die jedes Jahr in einem beeindruckenden Fackelzug vom Festplatz zum Scheiterhaufen gezogen sind. Mit ihren Fackeln durften sie unter Aufsicht der Eltern und Helfer die Reisig- und Strohbüschel entzünden. Minuten später versprühte ein wahrer Funkenregen sein Leuchten am blauschwarzen Nachthimmel. Die Besucher rückten näher zusammen und genossen das Wissen um die bevorstehenden Zeitenwende.

Bereits in vorchristlicher Zeit wurde die Sommersonnenwende von Germanen, Kelten und Slawen gefeiert. Besondere Bedeutung hatten die Feste zur vermeintlichen Sommersonnenwende am 24. Juni. Allerdings liegt die astronomische Sommersonnwende auf der Nordhalbkugel der Erde in der Nacht vom 21. zum 22. Juni, dem astronomischen Beginn des Sommers.

Von kirchlicher Seite wurden die Sonnwendfeiern als heidnischer Brauch zunächst bekämpft, doch schon in frühchristlicher Zeit wurde das Geburtsfest Johannes des Täufers auf den Tag der Sommersonnenwende gelegt. Aus dieser Verschmelzung von Bräuchen entstand das Johannisfest, auch Johannistag oder Johannisnacht genannt, das am 24. Juni gefeiert wird.

Hoher finanzieller Verlust

Die Lichtenfelser Sportfischer haben ihr größtes Vereinsfest stets auf einen Samstag verlegt, entweder auf das Wochenende vor oder nach Johanni. Gerade heuer wollte man sich bemühen, dass es zu keiner Terminüberschneidung mit Feiern in Kösten oder Seubelsdorf kommt. Doch das hat sich nun erledigt.

Bei den Lichtenfelser Sportfischern hat das Fest zur Sommersonnwende, wie bei vielen anderen Vereinen, eine lange Tradition. Damit rückte der Verein seine Aktivitäten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Tische am See waren immer gut besetzt. Es kam zu einem lebhaften Austausch mit den Nachbarvereinen. Man besuchte sich gegenseitig.

Am stärksten spüren die Sportfischer und die Hausbrauerei Leikeim jedoch den finanziellen Verlust. Der liegt nach einer Überschlagsrechnung des Vorsitzenden Andreas Fischer für die Sportfischer im unteren fünfstelligen Eurobereich. Aber gerade weil sich die Besucher auf den Bänken am See normalerweise ganz nahe kommen und auch beim Kreis ums Johannisfeuer nicht immer der nötige Abstand gewahrt wird, will man dieses Jahr bei den Feierlichkeiten zum Johannistag nichts riskieren.

"Vielleicht gibt es im Herbst oder im Winter einen adäquaten Ersatz", tröstet Andreas Fischer alle, die den Ausfall des Festes bedauern.

Ein Herbstfest am See würde sicherlich viele Besucher anlocken, ebenso wie ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt.