Unter normalen Umständen muss am Heiligen Abend in den Kirchen noch mehr Platz für die an diesem Tag ungewöhnlich vielen Gottesdienstbesucher geschaffen werden. Weihnachten 2020 dagegen galt es, möglichst viel Platz zwischen den wenigen eingelassenen Besuchern zu lassen.

Nicht reglementiert war die Besucherzahl allerdings beim ersten der drei Gottesdienste in der evangelischen Pfarrei Presseck. Der fand auf dem Spielfeld des TSV statt. Dort konnte man im wahrsten Sinn des Wortes am eigenen Leib die Weihnachtsgeschichte erfahren.

Ohne romantisches Ambiente wie all die Jahre zuvor, dafür aber näher an den Umständen, wie sie sich seinerzeit Josef und Maria geboten hatten.

Die doch recht zahlreichen Gottesdienstbesucher verteilten sich weitläufig an der Tribünenseite des Platzes. Manche blieben gleich hinter dem Eingang am Zaun stehen. Manche rückten mit ihren Kindern näher zum beleuchteten Baum in der Mitte des Platzes.

Gottesdienst in der Kälte

Die meisten fanden aber unter dem Dach der Tribüne Schutz und drückten sich bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in Familienverbänden aneinander, denn bei beginnender Dämmerung zog doch ein eisiges Lüftchen unter den Bänken entlang.

"Auch die Geburt Jesu fand unter unwirtlichen Umständen statt", erinnerte Pfarrer Siegfried Welsch an die überlieferte Weihnachtsgeschichte. "In einem zugigen Stall wurde Gottes Sohn in Windeln gewickelt und in eine Futterkrippe gelegt."

Die Realität zu Jesu Geburt sei weit entfernt von dem romantischen Bild mit Figurenkrippen und Lichtern, das man sich zu Hause von Weihnachten mache. Im Stall von Bethlehem war zuvor nicht bis in alle Ecken gekehrt und gerichtet worden; es gab keine geschmückten und beleuchteten Bäume; es war nicht wohlig warm; auf den Tischen lagen keine Geschenke. "Gott ist in die Bruchbuden der Welt gekommen", führte Welsch die realen Umstände der Geburt Jesu drastisch vor Augen.

Im Stall von Bethlehem ist noch nichts davon offenkundig, dass sich genau dort die Prophezeiung erfüllt hat und ein Kind geboren wurde, das "heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende".

Zuhören statt selbst singen

An die Kargheit der Geburt Jesu erinnerte die ganze Feier auf dem Sportgelände: Nur ein Tisch und kein prächtiger Altar. Der Posaunenchor spielte die sonst inbrünstig mitgesungenen weihnachtlichen Lieder und Choräle ohne Gesang.

Zum Schluss des Gottesdienstes prasselte ein plötzlicher kurzer Eisregen nieder. Nur der Morgen des ersten Weihnachtstags bescherte mit dem über Nacht gefallenen Schnee doch noch ein Stück der Romantik, die sich viele zum Fest wünschen: weiße Weihnacht.