Vor drei Jahren, bei ihrem Start ins Berufsleben, war sie eine von 68 Azubis im Bereich Ebern. Selina Lassmann begann damals eine Lehre als Schreinerin bei der Firma Och in ihrem Heimatort Bramberg. Seit Juli dieses Jahres hat sie ausgelernt und hat den Gesellenbrief in der Tasche.
Der Grundstock ihrer handwerklichen Fähigkeiten wurde durch ihren Opa Willi Sperber in Höchstädten gelegt. "Mit ihm und auch mit meinem Vater Armin habe ich als Kind schon viel gewerkelt." Sie habe ihre Liebe zum Handwerk quasi in die Wiege gelegt bekommen.
"Ich hatte Glück, schaute bei der Firma Och vorbei und wurde als Auszubildende genommen, obwohl die Firma damals eigentlich keinen Lehrling einstellen wollte", erinnert sich die frischgebackene Schreinergesellin. Mittlerweile hat die Schreinerei eine weitere Auszubildende eingestellt. Es ist Svenja Hastedt aus Haßfurt. Die 17-Jährige befindet sich im zweiten Lehrjahr.


Manchmal ganz schön hart

Kurz vor Feierabend in der Schreinerei Och am Bramberger Hof, der direkt an der Staatsstraße 2278 an der Einmündung Richtung Bramberg liegt. Die beiden Mädels blicken mit Lucas Zimmer, einer von zwei Schreinermeistern, die es neben dem Chef Andreas Och in der Firma gibt, auf einen Plan. Zimmer bespricht mit ihnen ein Projekt, wobei die Frauen auch deutlich ihre Vorstellungen äußern. An der Sprache Zimmers merkt man, dass er kein hiesiger ist. Woher er kommt, erklärt Selina so: "Wir haben einen Ausländer aus der Oberpfalz." Sie blickt auf ihre Lehrzeit zurück: "Der Beruf des Schreiners ist für Frauen mitunter ganz schön hart. Das habe ich gewusst, aber manchmal komme ich auch an die Grenzen meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Zurzeit haben wir viele Fenstermontagen und da muss man ganz schön mit anpacken", so "Selli", wie sie von allen in der Firma gerufen wird. "Ja, es ist richtig, man muss als Frau in diesem Beruf schon seinen Mann stehen, darf nicht unbedingt Angst vor Schmutz haben, muss sich durchbeißen", sagt sie. Sie hat im Laufe ihrer Lehrzeit erfahren, dass man geistig dabei sein, praxisbezogen denken und arbeiten muss und sich auch mit technischen Sachen auskennen muss.


Mit Feingefühl

Dazu gehöre die Arbeit an Spezialmaschinen, die auch selbst gewartet werden. Etwas Feingefühl scheint sie für die Bearbeitung von Oberflächen entwickelt zu haben. "Da werde ich derzeit sehr oft eingesetzt, mache das sehr häufig", sagt Selina. Geht das besonders gut mit zarter Frauenhand? Selina lacht und sagt, dass das schon auch die Männer können, und sie feixt: "Nicht jede Schreinerei hat Frauen, wie hier bei uns."
Im Handwerk bleibt es nicht aus, dass man sich mal verletzt, kleinere Blessuren gibt es schon mal. "Ja, ich habe mir auch schon mal Finger gequetscht und mit blauen Fingern weitergearbeitet." Davon kann gerade ihre 17-jährige Arbeitskollegin Svenja Hastedt ein Lied singen, deren rechte Hand eingebunden ist. "Die habe ich zwischen Sägetisch und einer Platte eingeklemmt, als ich sie runterheben wollte", sagt Svenja.
 


Liebe zum Handwerk

"Ich habe noch keine Minute bereut, dass ich den Beruf des Schreiners ergriffen habe", betont Selina. Besonders mache ihr die Arbeit bei der Firma Och Freude. "Meine Kollegen sind alle in Ordnung, wir sind viele junge Leute und da macht die Arbeit Spaß", sagt die selbstbewusste und sympathische junge Frau und fügt grinsend an: "Meine Liebe zum Handwerk und zur Holzbearbeitung ist noch nicht verflossen." Der Lohn ihrer Arbeit ist neben ihrem Verdienst noch ein anderer. "Viel ist es mir Wert, wenn du beim Kunden gleich nach deiner Arbeit ein Feedback erfährst und hörst, dass sie mit deiner Arbeit zufrieden sind und auf das, was du gemacht hast, zufrieden blicken", sagt Selina.
Im Büro am Computer sitzt die Chefin, Marianne Och. Die lässt auf "ihre Mädels" nichts kommen. "Die sind beide auf Zack und tragen zu einem guten Arbeitsklima in der Firma bei. Sie fügen sich gut in unser Team ein und kommen bei Kunden gut an", lobt die Chefin, was den Mädels einen zufriedenen Gesichtszug aufs Antlitz zaubert. Marianne Och weiß, dass die Mädchen auch mal an ihre Grenzen der körperlichen Belastung kommen. "In der Industrie hast du für Lasten Hilfsmittel, bei einer kleinen Schreinerei wie unsere, ist das nicht immer möglich", sagt Marianne Och.


Sprüchemacher

Da fällt ihr die kecke Selina ins Wort: "Ich brauche, seit ich arbeite, kein Fitnessstudio mehr." Sie erzählt, dass sie und ihre Kollegin auf Baustellen, wo andere Firmen tätig sind, von den Männern schon mal "blöd angemacht" werden. "Wenn die aber sehen, wie Svenja und ich arbeiten, werden ihre Sprüche leiser." Wie die Mädels im Beisein der Chefin reden, zeigt, dass das Verhältnis zwischen Chefs und Belegschaft sehr gut sein muss. "Wir sind wie eine große Familie und verstehen uns super", sagt der "Stift" im zweiten Lehrjahr, Svenja Hastedt.
Gesellin Selina ergänzt: "Wir können mit Chef und Chefin stets ein offenes Wort sprechen, wir erfahren viel, was im Büro abläuft, wissen was unsere Kunden von uns erwarten und das motiviert uns auch besonders bei Neukunden", sagt die junge Schreinergesellin.
Sie und ihre Kollegen freuen sich, wenn ihr Chef von Kunden gute Bewertungen bekommt und dadurch stolz ist. "Da haben wir dann schließlich auch was dazu getan", sagt Selina. Ihr Gesellenstück ist ein Sideboard aus massiver Eiche mit Edelstahlapplikationen in den Füllungen und mit Glaskantenbeleuchtung. Das wurde zur Begutachtung für die Prüfung durch die Handwerkskammer und die Lehrer nach Haßfurt in die Berufsschule transportiert.
Ärgert sie sich auch manchmal? "Ja" kommt es wie aus der Pistole geschossen, "immer dann, wenn was nicht geklappt hat, zum Beispiel beim Lackieren." Ihr größtes Projekt war der Einbau von Treppen bei einer großen Firma in Darmstadt.


Ein Schuss Ehrgeiz

Für ihre Berufsentscheidung waren Praktika entscheidend, sagt die 17-jährige Svenja Hastedt, die in Haßfurt wohnt. Auch bei der Firma Och hat sie während des Berufsgrundschuljahres ein Praktikum gemacht. "Da hat mich fasziniert, dass noch viel mit Massivholz gearbeitet wird und nicht nur mit Press- oder Spanplatten", sagt die junge Frau. Deshalb habe sie sich bei der Firma Och beworben und einen Lehrvertrag erhalten. Sie wusste, was auf sie zukommen würde und das habe ihrer Erwartungen größtenteils erfüllt. Was sie nach ihrer Gesellenprüfung machen wird, steht noch nicht fest. "Unser Frischling wird schon auch seinen Weg finden", sagt die 20-jährige Selina, die ihre Meisterprüfung machen möchte.