Über 200 Tage lagen zwischen den zwei Generalproben zur Aufführung "A Strullendorfer im Himmel" (im Rahmen der 16. Kulttour), dargeboten von der Nachwuchsgruppe der "Kulturbanausen". Corona veränderte auch die Theaterwelt von Laienschauspielern, wie man es nie für möglich gehalten hätte. Die geplante Premiere im Frühjahr fiel exakt auf den Beginn des Lockdowns. Sieben Monate später nun der zweite Anlauf der Youngsters mit einer Altersspanne von neun bis neunzehn Jahren.

"Die Kids waren geknickt. Es war eine riesige Enttäuschung nach den intensiven Probenwochen zu Jahresbeginn. Es flossen auch Tränen. Es dauerte nicht lange, bis feststand, dass ein zweiter Versuch gestartet werden würde, zumal ja alles vorbereitet war. Man denke nur an das aufwendige Bühnenbild", blickt Theresa "Terry" Schwarzmann, die seit eineinhalb Jahren an der Vereinsspitze steht, auf eine Zeit der Verunsicherung zurück. Im Juli erfolgte dann der "Cut", wurde der Reset-Knopf gedrückt, von den Jugendlichen ist niemand abgesprungen, so dass die Planungen Teil 2 starten konnten.

Auch abseits der Bühnenbretter wurde eifrig organisiert und geplant. Zunächst musste die maximale Kapazität ausgetüftelt werden - mit dem Ergebnis: 52 Besucher pro Spieltag statt der 120 in den Vorjahren. Des Rätsels Lösung für heuer: acht Vorstellungen statt vier! Macht über 400 Besucher, nachdem achtmal "ausverkauft" vermeldet werden konnte. "Die Nachwuchsgruppe in dieser Form ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal der ,Kulturbanausen' im gesamten Landkreis", weiß Jugendleiter Bernhard Zöllner, der zusammen mit Georg Lodes und Claudia Thomsen für diese Aufführungen viel Zeit und Herzblut investiert hat. "Es wurden fast alle März-Karten umgetauscht und nicht zurückgegeben. Wir sind längst darüber hinaus, dass nur Familienmitglieder zu den Vorstellungen kommen. Die Gruppe hat schon viele Stammbesucher gewonnen."

Als "Riesenaufwand" stuft Theresa Schwarzmann, die ebenso wie Bernhard Zöllner über 20 Jahre zum Verein gehört, das Hygienekonzept ein. Zusammen mit Schriftführerin Hanna Kehl wurden Laufwege und Sitzpläne (je nach Haushaltsstärke) berechnet und immer wieder umgestellt. Die größte Herausforderung war nun einmal, wie man ein solches Konzept in der kleinen Theaterscheune umsetzen kann. Die drei Bühnenabschnitte kosteten auch noch Platz, der gesamte (abgespeckte) Verpflegungsbereich wurde vor die Scheune "outgesourct". Auch fast die doppelten Helferstunden an den acht Abenden mussten besetzt werden.

Es hat sich gelohnt!

Und schon nach den ersten Aufführungen (das "Finale" findet am 25. Oktober statt) steht fest: Es hat sich gelohnt! "Genial. Die Jugendlichen haben richtig Gas gegeben. Man hatte das Gefühl, die Scheune sei voll besetzt", freute sich Zöllner wie der Schellenkönig. Und auch die "Vorständin" war begeistert: "Den Leuten hat die Kultur sehr gefehlt. Sie waren richtig ausgehungert. So sprang der Funke schnell über!"

Die "Kulturbanausen" haben Vereinsgeschichte geschrieben und können stolz auf die Resonanz sein, was sich nicht nur an den über 400 verkauften Tickets ablesen lässt. Theaterspaß, unbesorgte gute zwei Stunden beste Unterhaltung, aufgeführt mit hohen Sicherheitsstandards, so schafften es die "Kulturbanausen", dass nicht nur der Titel des Stücks passte, sondern Hunderte von Theaterfreunden im Himmel waren. Statt der Märzenttäuschung herrscht nun ein "goldener Oktober" bei den Strullendorfer "Kulturbanausen". Die einzige Gefahr: Nur ein zu hoher Inzidenzwert in der Region kann für einen weiteren Kulturstopp in der Scheune sorgen.