Matthias einwag Sie musizieren in der Badewanne und im Kuhstall, zusammen mit einem Teddybären oder auf Klopapierrollen sitzend: Zwölf Frauen und Männer der Musikkapelle Wattendorf beteiligten sich an einem kreativen Projekt. Sie wollen damit den Menschen eine Freude bereiten in Zeiten der Ausgangsbeschränkung. Die Botschaft des 55 Sekunden langen Spots: "Haltet durch - bleibt daheim!"

Initiator der Aktion ist Manuel Will aus Großziegenfeld. Der 27-Jährige ist Zweiter Vorsitzender der Musikkapelle Wattendorf. "Ich habe ein ähnliches Video bereits anderswo gesehen", sagt der gebürtige Arnsteiner. "Wenn die das können, sollten wir das auch hinkriegen", sagte er zu sich selbst - und dann fragte er bei den Musikern nach, ob sie mitmachen würden.

Menschen ein Lächeln schenken

"Warum soll das nicht im Kuhstall und in der Badewanne funktionieren?" - so war die Idee, um in Zeiten der Krise die allgemeine Stimmung zu verbessern, Mut zu machen, vielleicht den Menschen ein Lächeln zu schenken. Positiver Nebeneffekt für die Musiker: "Trotz der Ausgangsbeschränkungen können wir so im Kontakt bleiben und musizieren."

Manuel Will bat die Musiker, sich jeweils einen originellen Ort zu suchen, um allein eine kleine Polka einzuspielen und sich selbst mit dem Handy dabei aufzunehmen. Die zwölf kleinen Videos ließ jeder für sich im familiären Umfeld erstellen: Entweder filmten Familienangehörige sowie Lebensgefährten - oder die aufs Stativ montierte Handykamera lief im Automatikmodus.

Von der Kreativität seiner Kollegen war Manuel selbst überrascht. Alle spielten solo an den ungewöhnlichsten Orten.

Im Bild von links oben: Ralf Eberlein aus Wattendorf, der Erste Trompeter, wählte einen Kinderspielplatz. Christian Eberlein aus Schederndorf, Bariton, musizierte von zu Hause. Anna Böhmer aus Kümmersreuth improvisierte mit der Klarinette auf einer Wiese. Sie setzte sich dazu witzigerweise auf einen Stapel Klopapierpackungen. Christian Kröner aus Bad Staffelstein, Flügelhorn, wählte die Schreinerei.

In der zweiten Reihe auf dem Bild sind von links zu sehen: Linda Schwarzmann aus Großziegenfeld mit dem Tenorhorn in der Badewanne. Felix Böhmer aus Großziegenfeld mit der Posaune im Kuhstall. Michael Spörlein aus Gräfenhäusling mit dem Flügelhorn neben seinem Riesen-Teddybären am Wohnzimmertisch und Romina Zeis aus Mährenhüll mit dem Flügelhorn fast allein auf weiter Flur - nur ihr Schäferhund begleitet sie.

"Woodstock der Blasmusik"

Die dritte Reihe zeigt von links: Julian Rauschner aus Weingarten mit seiner Tuba in der Scheune. Marie Böhmer aus Kümmersreuth mit der Querflöte vor dem Zelt; der Zettel mit der Aufschrift "Woodstock 2020?" ist eine Anspielung auf das große Festival "Woodstock der Blasmusik" in Österreich, das Ende Juni stattfinden soll und zu dem einige der Wattendorfer Musiker fahren möchten. Schlagzeuger Manuel Will improvisierte zu Hause auf Töpfen und Schüsseln, weil seine echten Instrumente im Probenraum in Wattendorf stehen. Und Thomas Schwarzmann aus Großziegenfeld musizierte im Schweinestall auf der Tuba.

Binnen eines Tages war alles da

"Alle waren begeistert von der Idee, so etwas zu machen", erzählt Manuel Will. Am vergangenen Samstag hatte er den Vorschlag gemacht - und bereits am Sonntag waren schon alle Videos im Kasten.

Doch die eigentliche Arbeit stand erst noch bevor: das Schneiden und Koordinieren der zwölf Videos. Für die technische Umsetzung aktivierte Manuel Will den Hochstadter Filmemacher Stephan Wilm, der mit den Wattendorfern vor zwei Jahren schon einmal ein viel beachtetes Video zum 50. Vereinsjubiläum gedreht hatte. Der 40-Jährige fand die Idee sofort sehr gut und sagte zu, die Musiker technisch zu unterstützen. Stephan Wilm schickte ihnen den Link zu einer Cloud, in die jeder sein Video hochladen sollte.

Manuel Will übernahm danach das Schneiden der Audiospuren, um die einzelnen Instrumente aufeinander abzustimmen. "Die große Schwierigkeit ist, dass nicht alle synchron sind. Wir haben zwar bei allen ein Metronom verwendet, dennoch fehlte uns das Zusammenspiel in der Gruppe und das Gefühl, zusammen mit den anderen zu musizieren."

Nach rund acht Stunden Arbeit war das Werk vollbracht. Manuel Will ist zwar berufstätig, aber an den Abenden hat er für dieses Projekt Zeit übrig, denn das Vereinsleben liegt ja derzeit brach - bei der Musikkapelle ebenso wie bei der Feuerwehr.

Das Stück, das die Musiker einspielten, heißt "Wir Musikanten - vereint durch Spiel und Gesang" . Es ist eine Polka, "ein Standardstück, das wir im Programm haben, so dass es nicht jeder extra einstudieren musste", sagt Manuel Will.

Stephan Wilm machte sich gleich ans Werk, nachdem er die Filme der Musiker erhalten hatte. "Ich fand die Idee toll und war sofort dabei", sagt der 40-Jährige. Bedenken hatte er zunächst wegen der Tonaufnahmen, weil ja zwölf Musiker in derselben Geschwindigkeit synchronisiert werden müssen. Manuel Will übernahm es, die Tonspur abzugleichen.

Unvorhersehbare Arbeit kam auf die beiden zu, weil das Abgleichen der Tonspuren viel Zeit kostete und örtlich getrenntes Arbeiten erforderte, sagt Stephan Wilm. "Es war technisch sehr tricky, denn es sollte ja auf den Takt genau passen. Das war für mich etwas ganz Neues." Ungewohnt war für ihn, der normalerweise das komplette Projekt übernimmt, dass er hier mit fremdem Material arbeiten sollte: "Mit dem Ergebnis bin ich trotzdem sehr zufrieden."

"Ich verfolgte die Musikeraktionen auf vielen Balkonen und bei Antenne Bayern", sagt er, "das ist mega!" Ihn habe fasziniert, dass jeder der Wattendorfer Musiker sich Gedanken gemacht hatte, wie er das Solospiel umsetzen kann. "Was ich persönlich total stark finde, ist die Reichweite und die Zahl der Klicks. Der Film hat im Moment über 7000 Aufrufe. Es ist beeindruckend, dass so etwas so populär sein kann." Schließlich sind Wattendorfer Musiker ja nicht die Bamberger Symphoniker.

"Facebook ist nicht tot, es hängt von den Zielgruppen und vom Content ab", fährt Stephan Wilm fort. Die Leute nutzten Facebook jetzt, in der Krise, wieder mehr. Beim Arbeiten in seinem Hochstadter Büro musste er öfters schmunzeln, als er am Schnittplatz saß und die Farboptimierungen vornahm. Solche Freude wünscht er allen, die das Video ansehen.

Beachtliche Aufrufzahlen

Manuel Will teilte am Freitagnachmittag die aktuellen Aufrufe aus den sozialen Medien mit: Auf Facebook wurde das Video bis dahin über 7100 Mal aufgerufen und 75 Mal geteilt. Insgesamt gab es 668 Beitragsreaktionen, also "Likes" inklusive aller geteilten Beiträge. Auf Instagram konnten 335 Aufrufe und

94 "Gefällt" verbucht werden.