Das Abt-Degen-Weintal ist inzwischen mehr als ein Geheimtipp für Weinliebhaber. Der Zusammenschluss der Weinbau-Kommunen und der Winzer am Main zwischen Unterhaid und Unfinden, zwischen Oberschwappach und Zeil, zieht die Besucher an. Die Qualität des Weins bestätigen die Weinprämierungen. Nun erreichte das Weingut Berninger (Ziegel-anger) beim internationalen Müller-Thurgau-Award 2020 am Bodensee eine besondere Auszeichnung: Es kam mit seiner 2019er Müller-Thurgau-Spätlese "Bassd scho" auf einen hervorragenden zweiten Platz.

Der Wettbewerb um den internationalen Müller-Thurgau-Preis fand zum 16. Mal statt. Jährlich bewerten Weinfachleute in einer Blindverkostung Hunderte von Weinen dieser Rebsorte. Das Besondere: Der Award ist einer der wenigen Weinwettbewerbe, der nicht von Winzern für Winzer durchgeführt wird, und die Weine kommen nicht nur aus den deutschen Anbaugebieten, sondern auch aus der Schweiz, Italien, Österreich und Spanien.

Der Winzer Jürgen Berninger reichte drei Weine ein, die alle in die Bestenliste kamen, darunter der 2019er Steinbacher Nonnenberg Kabinett und der 2019er Ziegelangerer Ölschnabel Spätlese. Der halbtrockene Müller-Thurgau "Bassd scho", handgelesen in der bekannten Lage "Ziegelangerer Ölschnabel", mit 12,5 Prozent Alkoholgehalt und einer Restsüße von 15,5 Gramm pro Liter schoss den Vogel bei der Jury ab. Er erreichte bei den halbtrockenen Weinen der Kategorie drei den zweiten Platz und hielt damit die fränkische Fahne hoch. Nur noch ein Winzer aus Franken, ein Produkt aus Escherndorf, erklomm das Siegerpodest.

Die Sorte Müller-Thurgau wurde 1882 von dem Pflanzenphysiologen Professor Dr. Müller aus dem Schweizer Karton Thurgau aus einer Kreuzung von Riesling und Madeleine royale gezüchtet. In der Forschungsanstalt Wädenswil wurde die Sorte weiterentwickelt und 1913 nach ihrem Züchter benannt.

Tochter Johanna Berninger, Weinprinzessin für das Abt-Degen-Weintal von 2015 bis 2017, betonte, dass der Müller-Thurgau auch in Franken eine altbekannte Weinsorte ist. Er galt immer als unkomplizierter Alltagswein, bei dem die Reben keine großen Ansprüche an den Standort stellen. Der Müller-Thurgau gilt als ertragssicher.

Was den ausgezeichneten Wein ausmacht, beschrieb Johanna Berninger. Das Besondere komme in seinem Namen "Bassd scho" zum Ausdruck. "Was vielleicht anderswo im ersten Moment nicht positiv klingt, ist bei den Franken ein Ausdruck für höchste Euphorie und bedeutet, kurz gesagt, besser geht es nicht, und ist das größte Lob in Franken."

Winzer Jürgen Berninger war überrascht, als die Bodensee-Weinprinzessin Lea Saible in Franken auftauchte, um dem Weingut die Urkunde zu überreichen. Mit im Schlepptau hatte sie den Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann, die Abt-Degen-Weintal-Prinzessin Anna-Lena Werb und den Vorsitzenden des Vereins Abt-Degen-Weintal, den Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann.

Das Weingut Berninger ist seit 1946 im Besitz der Familie Berninger. Opa Richard und Vater Ludwig haben es aufgebaut, bevor 1993 Sohn Jürgen mit seiner Frau Ute das Restaurant übernahm. Der gelernte Koch hat dann noch eine zweite Ausbildung zum Winzer absolviert. Er bewirtschaftet die Weinberge, baut den Wein auch selbst aus und füllt ihn ab.

In seinem Weingut spielt der Müller-Thurgau nach wie vor eine große Rolle; die Anbaufläche liegt bei rund 30 Prozent, wie beim Silvaner. Auf den übrigen Flächen stehen Kerner, Bacchus, Weißer Burgunder und bei den Rotweinen Schwarzriesling und Domina.

Wie Jürgen Berninger mitteilte, beteiligt er sich seit 2003 an Prämierungen in Würzburg. Jedes Jahr erhielt er für mehrere Weine Auszeichnungen. Erst bei der Prämierung des Jahrgangs 2019 gingen eine Gold- sowie drei Silber- und zwei Bronzemedaillen nach Ziegelanger in seinen Betrieb.

Der Erfolg im Müller-Thurgau-Award 2020 wurde von der Familie mit Freude aufgenommen. Vater Jürgen Berninger ist froh, dass die beiden Töchter die Arbeit unterstützen. Die ehemalige Weinprinzessin Johanna Berninger ist Betriebswirtin und Karolin Böttcher Bilanzbuchhalterin; sie wird demnächst ihre nebenberufliche Ausbildung zur Winzerin abschließen. Ihr Einsatz ist im Weingut immer wieder gefragt, insbesondere bei der Weinlese, denn nicht alles kann im Weingut Berninger von der Maschine gelesen werden.