Blaich  — Viel Grund zur Freude hatten die "Kleinen Prinzen" der Grundschule in der Blaicher Straße. Mit großer Begeisterung nahmen die 24 Schüler der Inklusionsschule ihren neuen "Auszeitraum" in Besitz. Dorthin können sie sich künftig zurückziehen, wenn sie zum Beispiel aus irgendeinem Grund zu aufgebracht sind oder gerade mit Wut und Frust zu kämpfen haben.

Für fünfzehn Minuten können sie eine Auszeit nehmen und bei einer "Reise ins Blubberblasenland" alles andere hinter sich lassen. Wahlweise haben sie die Möglichkeit - immer begleitet von einem Erwachsenen - sich entweder zu entspannen, zu bewegen oder mit jemanden zu besprechen, um wieder herunterzufahren. Gelegenheit dazu bieten ein "Wut-Ball", pädagogische Fandango-Schwerter aus Schaumstoff, "Fatboy"-Sitzkissen und -säcke, Kuscheldecken, Bausteine und Stofftiere.

"Wir wollten einen Raum schaffen, in dem sich die Kinder wohlfühlen, in dem sie wieder zu sich finden und sich wieder spüren, wo sie ohne Störung von außen unter Vier Augen-Kontakt eine schwierige Situation in Ruhe besprechen können", erklärt Schulleiterin Claudia Bordfeldt und lobt auch das Engagement, das die Lehrer bei der Gestaltung gezeigt haben. Es soll kein Abschieberaum sein, die Kinder sollen das als "Dürfen" sehen, um eine Auszeit zu nehmen.

"Hier werden sie sowohl in emotional guten Zeiten begleitet und auch nicht allein gelassen, wenn es ihnen mal nicht so gut geht", ergänzt stellvertretende Schulleiterin Julia Bimsner.

Möglich wurde die Einrichtung der "Insel", wie der Raum mit direktem Blick auf die Plassenburg inzwischen getauft wurde, durch den Erhalt des Kultur- und Sozialpreises, den der Verein der Kulmbacher Serviceclubs (Kiwanis, Ladies' Circle, Lions Kulmbach-Plassenburg, Lions Bayreuth-Kulmbach, Old Table, Round Table und Rotary) jedes Jahr bei seinem "Ball der Serviceclubs" vergibt und der mit 3000 Euro dotiert ist.

"Wir sind froh für jede Spende, die wir bekommen", betont die Schulleiterin und verweist auch auf die Bücherspenden der Buchhandlung Rupprecht. Sie hofft, vielleicht irgendwann auch einmal die alten Ledersessel in der Lernwerkstatt ersetzen zu können, um die Leseecke etwas ansehnlicher zu gestalten.

"Obwohl unser Ball heuer leider ausfallen musste, haben wir entschieden, den Preis trotzdem zu vergeben", freut sich Anja Gimpel-Henning vom Ballausschuss. Auch stellvertretende Landrätin Christina Flauder ist ganz angetan davon, wie schön der Raum geworden ist: "Die Spende zeigt, wie wichtig Ihre besonders wertvolle pädagogische Arbeit hier ist", wendet sie sich an die Schulleiterinnen.

Stellvertretend für ihre Klassenkameraden zeigten Leon, Ben und Tyler einigen Mitgliedern des Ballausschusses, dass sie das neue Angebot bereits schätzen. Sie wissen, dass für die Nutzung der Insel gewisse Regeln gelten, die sie einhalten müssen. "Auch beim Kampf mit den Schwertern darf man anderen nicht weh tun und niemand verletzen", nennt "Ninjago-Fan" Leon einen Grundsatz. Der Hinweis an der Tür "Du bist willkommen" zeigt, dass trotz Belegung noch jemand in den Raum darf. Bei "Bitte nicht stören" ist das nicht erwünscht. Dieter Hübner