Der muntere Gebirgsbach, der am Rand des Villengrundstücks vorbeigurgelt oder parallel zur Hauptstraße mitten durchs Dorf mäandert: Diese Idylle hat eine hässliche Kehrseite, die als Folge der Klimaveränderung immer öfter zutage tritt.
Überschwemmungen, Geröllverfrachtungen, Autos, die weggespült werden oder Menschen, die von der Feuerwehr und der Wasserwacht aus ihrer Insellage gerettet werden müssen. Solche Szenarien, wie man sie aus der Alpenregion kennt, können sich jederzeit auch in der Fränkischen Toskana zutragen.
Ziegenbach, Zeegenbach, Reuthgraben, Schlumm- oder Kaigraben, Eichbach, Strullendorfer Bach, Geisfelder/Roßdorfer Bach, Rohweidiggraben, Säuweg- oder Hochholzgraben - harmlos klingende Namen für Rinnsale, aus denen sich Schadgewässer entwickeln können, wenn sich die Schleusen des Himmels öffnen.
Mit gut und gerne einer Million Euro ließen sich vor einigen Dörfern Rückhaltebecken anlegen, die rund 158 000 Kubikmeter Wasser aus den Vorflutern sammeln könnten. Diese Massen liefen dann schon mal nicht mehr in Keller, Garagen oder Wirtsstuben. Das jedenfalls ist das erfreuliche Fazit einer Untersuchung der hydraulischen Verhältnisse in der Gemeinde Strullendorf durch das Würzburger Team der Landschafts- und Ortsplanung.
Der Umweltingenieur Max Wehner hat dem Gemeinderat Strullendorf geraten, auf der Basis seiner Berechnungen mit dem Wasserwirtschaftsamt sowie dem Amt für ländliche Entwicklung über das "Niederschlag-Abfluss-Modell" zu verhandeln. Der Staat gewährt in unterschiedlicher Höhe Zuschüsse zum vorbeugenden Hochwasserschutz, insbesondere wenn durch Baumaßnahmen das Jahrhundert-Hochwasser gebannt werden könnte.


Bäume könnten helfen

Wehner berichtete über eine Begehung der Talräume zusammen mit Gemeindevertretern und Jagdgenossen. Er gewann dabei die Erkenntnis, dass unter den Besitzern der Flächen, die als Rückhaltebecken geeignet seien, eine eher positive Haltung zu vernehmen war.
Vor Mistendorf oder auch neben der Driving-Range außerhalb Strullendorfs könnten Stauräume modelliert werden. Dazu müsste jeweils ein ein bis zwei Meter hoher und am Fuß gut 16 Meter breiter und befahrbarer Damm geschüttet werden. Die für Überflutung gedachte Fläche könne landwirtschaftlich genutzt werden. Vernichtet ein Hochwasser die Ernte, müsse der Bauer von der Gemeinde entschädigt werden.
Ohne teils erheblichen Grunderwerb sei ein solches integriertes Hochwasserschutz-Konzept nicht zu verwirklichen, auch wenn die Gemeinde vereinzelt schon im Besitz von Flächen sei. Der Umweltingenieur fürchtet, dass für die Ortsteile Leesten und Wernsdorf kein nachhaltiger und sicherer Schutz möglich ist.
Zweifel äußerte er auch gegenüber dem Vorschlag des Zweiten Bürgermeisters Ludwig Werner. Er schlug vor, die an den Sportplatz von Roßdorf angrenzende Fläche als Stauraum anzulegen. Aufgrund der Topografie dauere es wohl nur 30 bis 60 Minuten, bis nach einem Starkregenereignis der Geisfelder Bach über den Sportplatz in den Ort flutet.
Man könne nur versuchen, durch Baumpflanzungen oder Versetzung von Steinquadern die Abflussgeschwindigkeit zu verringern. Die Situation in Roßdorf soll noch einmal separat betrachtet werden.
Der Gemeinderat nahm das Gutachten zunächst nur zur Kenntnis. Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) und sein Rathausteam sind jetzt am Zuge, mit den Fachbehörden über Art und Ausmaß der Schutzmaßnahmen sowie Förderung zu verhandeln. Des Weiteren beschäftigten sich die Räte mit dem Platz am Ende der Lindenallee. Dieser soll möglichst noch in diesem Jahr ausgebaut werden.
Eine Nachberechnung durch das Ingenieurbüro Sauer und Harrer habe ergeben, dass die durchgehende Pflasterung der Verkehrsflächen für Fußgänger und den fließenden Verkehr rund 30 000 Euro Mehrkosten verursacht. Das nimmt der Gemeinderat im Interesse des Ortsbildes und der Verkehrsberuhigung in Kauf.


Platz zum Verweilen

Die geplante Asphaltierung des Y-förmigen Straßenverlaufs mit Pflasterflächen an den Hofeinfahrten war aus gestalterischen Gründen verworfen worden. Nun dürfen sich die Anlieger auf einen kleinen Aufenthaltsbereich mit Linde, zwei Bänken und einem Brunnen vor dem Anwesen Nummer zwei freuen.
137 000 Euro sollen für die Neugestaltung ausgegeben werden. Ob die Anlieger an den Kosten beteiligt werden, sei noch nicht ganz klar. Es werden um die 50 Prozent Zuschuss aus der Städtebauförderung erwartet. Der Beschluss wurde mit 15:2 Stimmen in der Sitzung gefasst.
Da seit 26 Jahren Baugrundstücke an der Amelungenstraße in Amlingstadt brachliegen, wurde auch dieses Thema aufgegriffen. Kürzlich hat der Litzendorfer Bernd Eßel den Antrag eingereicht, eine der Parzellen so aufzuteilen, dass zwei Wohnhäuser mit Garagen errichtet werden können.
Dafür wäre eine Änderung des Bebauungsplanes erforderlich. Das Anliegen stieß im Gemeinderat auf Bedenken. Andererseits wird die Chance gesehen, junge Familien anzusiedeln und jahrzehntealte Baulücken zu schließen. Desel soll nun mit dem Bauinteressenten und den Nachbarn nach einer Lösung suchen.
Keinen Widerspruch erntete der Bürgermeister für die Information, dass er sich in schriftlicher Form an den Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gewandt hat, um Barrierefreiheit am Strullendorfer Bahnhof zu erreichen.
Nach dem Wegfall der Sportflächen für den Bau eines Einkaufsmarktes an der Bamberger Straße herrscht ein Defizit an Bewegungsmöglichkeiten. Angelika Saffer und Philipp Spörlein von der CSU-Fraktion baten die Gemeindeverwaltung, die Öffnung der Schulsportanlage zu prüfen sowie die Möglichkeit, auf dem ehemaligen Kachelmann-Gelände einen Bolzplatz anzulegen. Bürgermeister Desel will dort erst einmal den Wildwuchs roden lassen, um zu klären, ob dort ein Bolzplatz entstehen könnte.