Klaus Schmitt Wer kennt sie nicht, die herrlich-ironisch-bissigen Schwarz-Weiß-Filme mit Don Camillo und Peppone. In den in den 1950er und 1960er Jahren entstandenen Streifen wird kräftig ausgeteilt - verbal und mit den Fäusten. Schließlich geht es den beiden Kontrahenten darum, die eigene Weltanschauung durchzuboxen. Der Kommunist Peppone zeigt dabei gerne auf das große Vorbild Russland, und in einem der letzten Filme ("Hochwürden Don Camillo") versteigt er sich zu dem Satz: "In Russland versetzt man ganze Häuser." So ein Quatsch, dachten sich die Zuschauer damals.

Und heute? Ein Haus von einem Ort zum anderen zu bringen, ist durchaus möglich. In Prappach entstand dieser Tage ein Eigenheim, das - in zwei Teilen - aus Mittelfranken in den Haßfurter Stadtteil transportiert worden war und dort mithilfe eines 200-Tonnen-Krans innerhalb weniger Stunden aufgestellt wurde. "Theoretisch können wir heute Nacht schon drin schlafen", sagte Bauherr Alexander Derra am Vormittag, nachdem der erste Teil seines neuen Hauses stand und der zweite Teil gerade vom Kran angehoben wurde.

Nach dem Würfelprinzip

Der 30-Jährige, der beim Stadtwerk in Haßfurt tätig ist, hat sich für ein sogenanntes Modulhaus einer Firma aus Mittelfranken entschieden. Was ist ein Modulhaus? Es ist ein Gebäude, dessen Teile (Module) beim Hersteller produziert und dann vor Ort aufgestellt und miteinander verbunden werden. Das kann in einem Block nebeneinander geschehen (wie in Prappach) oder beispielsweise in L-Form oder auch übereinander. Wenn das Haus steht und bewohnt wird, kann es später um ein weiteres oder sogar mehrere Module erweitert werden. "Es ist wie eine kleine Wohnung" beschreibt Alexander Derra das Konzept, für das er und seine Lebensgefährtin sich entschieden haben. Das Haus wird, so könnte man das System beschreiben, im Würfelprinzip aufgebaut.

Im ersten Modul zum Beispiel sind der Eingangsbereich, das Bad, die Küche und ein weiteres Zimmer angeordnet. Im zweiten Modul, das neben das erste platziert wurde, befindet sich das Wohnzimmer mit einem weiteren Raum. Jedes der beiden Module ist 20 Tonnen schwer. Das Besondere: Die Zimmer sind fertig und können bewohnt werden, sobald die Möbel drin stehen. Das heißt, die Wände sind gestrichen oder tapeziert, die Installationen (Strom, Wasser, Abwasser) sind an Ort und Stelle. Die Wände bestehen aus gut sieben Zentimeter dickem Holz (OSB-Platten); an den Außenwänden wird eine Dämmung eingefügt (insgesamt 24 Zentimeter). Das Dach legt der Prappacher Bauherr als begrüntes Flachdach an; vermutlich kommen dazu noch einige Photovoltaik-Elemente.

Einzige Voraussetzung dafür, dass das Modulhaus aufgestellt werden kann, ist, dass vorab das passende Fundament auf dem Grundstück angelegt worden ist. Das kann ein ganzes Kellergeschoss sein oder kleine Betonsockel; beim Haus von Alexander Derra waren es unterschiedlich hohe Betonstelen (wegen der Hanglage).

Firmenchef Dieter Balazs, der mit seinen Mitarbeitern (insgesamt hat er sechs Beschäftigte) in Prappach das Modulhaus aufgestellt hat, verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Häusern mit seinem Konzept. Einmal, weil es schnell geht, und zum anderen, weil es so gut wie keinen Schmutz gibt. "Die Leute wollen keinen Dreck mehr", schildert der Unternehmer aus Mittelfranken. Nach seinen Angaben dauert es rund zwei Monate von der Planung bis zum Aufstellen des Hauses.

Für Alexander Derra kommt ein weiteres Argument dazu. Es ist günstiger als ein herkömmliches Haus mit Mauerwerk. Seine beiden Module kommen auf 80 000 bis 90 000 Euro. Dazu muss er die Kosten für die Betonstelen (Fundament) aufbringen. Das Grundstück ist ein Geschenk (Erbteil) seiner Eltern.

Alles in allem rechnet der Bauherr mit Kosten von rund 200 000 Euro. Alexander Derra hat sich, wie er erklärt, auch Kostenvoranschläge für herkömmliche Häuser mit Mauerwerk machen lassen; unter 300 000 Euro sei da nichts zu machen, hat er erfahren.

Eines der ersten Modulhäuser

Alexander Derra weiß es nicht genau, aber vermutlich gehört sein Heim zu den ersten Modulhäusern nach diesem Konzept in der Stadt Haßfurt. Vereinzelt stehen bereits Gebäude nach einem ähnlichen Prinzip im Landkreis Haßberge. Eine genaue Aufschlüsselung über verschiedene Haustypen hat die Bauverwaltung am Landratsamt Haßberge als Genehmigungsbehörde für alle Bauten im Landkreis allerdings nicht. "Leider können wir dazu keine Zahlen liefern, weil aus den Planunterlagen nicht immer unbedingt ersichtlich ist, ob es sich um ein Modulhaus handelt", teilte die Sprecherin des Amtes, Monika Göhr, auf Anfrage mit. Nach ihrer Darstellung ist es "baurechtlich irrelevant, ob es sich um ein Modulhaus, Fertighaus oder konventionell gemauertes Gebäude handelt. Die Bandbreite von Fertig- und Modulhäusern, die auf dem Markt angeboten werden, ist groß."

Ähnliche Konzepte

Im Landkreis Haßberge stehen laut Landratsamt "bestimmt noch weitere Modulhäuser". So gebe es zum zum Beispiel "Mobile Homes" in den Gemeinden Untermerzbach und Bundorf. Ebenso seien, so das Amt, mehrere Kindergärten und Schulen durch Containerlösungen neu errichtet oder erweitert worden.