Die Idee zum "schönsten Adventskalender der Welt" hatte Mike Wuttke 1995 bei einer Tasse Glühwein am Rathausplatz. "Ich stand da mit Irene Mattle, die damals das Tourismusbüro geleitet hat", blickt der ehemalige Leiter des Fränkischen Tages Forchheim zurück. "Und da habe ich so die Fenster am Rathaus gezählt." 23 Fenster und die große Tür waren das Ergebnis. Dabei sei ihm die Idee zu einem Adventskalender am Rathaus gekommen.

Irene Mattle war gleich angetan von der Idee und auch Gerhard Schlötzer, damals Pressesprecher der Stadt, war bereit, die Idee aufzugreifen. "Er sagte, die Idee sei toll, aber schwer durchzukriegen", erinnert sich Wuttke. Immerhin sei dem Hochbauamt die historische Fassade des Rathauses sehr wichtig. Doch auch im Hochbauamt stieß man auf keine Widerstände. "Solange die Außenhaut des Rathauses nicht verletzt wird, gab es keine Einwände", so Wuttke weiter.

Auch die Stadtratsmitglieder waren begeistert und so entschied man sich, Rahmen innerhalb der Fenster anzubringen, sodass die Fassade nicht berührt wurde.

Rahmenprogramm ist wichtig

Der Forchheimer Adventskalender war aber von Beginn an viel mehr als ein Rathaus mit Türchen. "Nachdem das Okay der Stadträte da war, wurde gleich ein Rahmenprogramm ausgearbeitet", erzählt Wuttke. Schließlich sei ein Adventskalender mehr als nur Türchen. Es sollen auch Überraschungen und Geschenke dahinter sein.

Besonders Irene Mattle tat sich in der Ausarbeitung eines Konzeptes hervor, Unternehmen, die Preise stifteten wurden gefunden, Engel auserwählt und Nachtwächter engagiert.

Auf einer Bühne vor dem Rathaus kam es dann tatsächlich zur ersten Türchenöffnung am 1. Dezember 1996. "5000 Leute waren gekommen, um sich die Öffnung des ersten Türchens anzuschauen", erzählt Mike Wuttke mit Begeisterung. "Es war ein echter Knaller", sagt er. Auch wenn der Adventskalender zunächst einige Skeptiker hatte, die Idee des damaligen FT-Chefs schlug hohe Wellen. Überregional wurde berichtet und es kam zu mehreren Nachahmern.

Wie auch in den Folgejahren gab es bereits im ersten Jahr als Hauptpreis ein Auto zu gewinnen. "Damals war der Gedanke, den Erlös des Losverkaufs an einen sozialen Zweck zu spenden", sagt Wuttke. In dem Zeitungsartikel von 1996 wird dann auch von einen Spende über 42 000 Euro an den Verein Ratio berichtet. "Das konnte aber nicht so weitergemacht werden", erzählt Wuttke. "Einem Mitarbeiter der Regierung von Oberfranken war aufgefallen, dass die Stadt Glückspiel betreibe. Das wurde dann untersagt."

Schließlich wurde der Heimatverein ins Boot geholt. "Franz Stumpf war als Jurist fit, was die rechtliche Grundlage anging und so konnte der Losverkauf zur Tradition werden."

Eine weitere Tradition angehängt an den Weihnachtsmarkt und den Adventskalender ist die Himmelswerkstatt des Fränkischen Tags, die heuer auch ausfallen muss. "Wir wollten dem Handel die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren und die Verbindung zur Stadt zu zeigen", sagt Wuttke, der auch die Idee der Himmelswerkstatt hatte. Seit dem Jahr 2001 veranstaltete der Fränkische Tag einmal in der Adventszeit ein Programm, bei dem Kinder mitmachen können und zum Beispiel Taschen weihnachtlich gestalten, Teddybären verarzten lassen oder Engel drucken können.

Himmelswerkstatt gehört dazu

Die Himmelswerkstatt wäre in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden, der Forchheimer Adventskalender würde sein 25-jähriges Bestehen feiern. Wäre da nicht Corona. Und der Rathausumbau.

Aufgrund des Mammutprojektes am Forchheimer Rathaus hat Nico Cieslar, Leiter der Touristinformation, im September 2020 im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss der Stadt Forchheim ein Konzept zur Umsetzung des Adventskalenders an der Kaiserpfalz vorgestellt, das einstimmig angenommen wurde. Wie Pressesprecherin Britta Kurth auf FT-Nachfrage mitteilt, gilt dieses Konzept auch für das Jahr 2021. Auch in der Zeit danach, "solange unser historisches Rathaus wegen der Sanierung nicht zur Verfügung steht", soll dieses Konzept weiter genutzt werden, so Kurth.

Das Konzept von Nico Cieslar sieht vor, dass der Adventskalender in digitaler Form an der Kaiserpfalz umgesetzt werden soll. Im Beschluss des Haupt-, Personal- und Kulturausschusses steht: "Die eigentlichen Türchen werden durch Video-Mapping direkt auf die Fassade projektiert." Das heißt konkret, dass keine Leinwand and er Kaiserpfalz zum Einsatz kommen soll. Die Projektion wird direkt auf die Architektur der Kaiserpfalz angepasst. Dadurch soll ein "beeindruckendes und bewegtes Lichtkunstwerk entstehen".

Neue Ideen ausprobieren

Für den Ideengeber des ursprünglichen Adventskalenders ist dieser Vorschlag eine gute Alternative zum Rathaus. "Es ist besser als gar nichts", findet er und betont, dass die jungen Leute in der Stadtverwaltung und der Tourismuszentrale viele gute Ideen hätten. "Es ist auf jeden Fall gut, solche Ideen mal auszuprobieren."

Als Dauerersatz für den Adventskalender am Rathaus kann sich Wuttke die Lichtinstallation an der Kaiserpfalz aber nicht vorstellen. "Ich denke, es wird eine Steigerung der Vorfreude auf den Rathaus-Adventskalender auslösen", sagt er.