ANdreas SCheuerer Astrid Dresel hat es ruhig in ihrem Büro am Höchstadter Graben. Seit fast 30 Jahren gibt es die Reisevermittlung im Stadtzentrum von Höchstadt. Südseebilder hängen an den Wänden, weiße Sandstrände, die flach ins türkisfarbene Wasser abgleiten und Urlaubern eine paradiesische Ruhe vermitteln sollen; ein Kreuzfahrtschiff steht als Lampe auf dem Tisch, vor dem Büro plätschert ein Brunnen leise vor sich hin. "Kundschaft", sagt Dresel, "gab es hier zuletzt kaum welche."

Wegen der Corona-Pandemie verzeichnet die gesamte Reisebranche noch immer kaum merkliche Touristenströme. Flugzeuge bleiben am Boden, Kreuzfahrtschiffe ankern, geschlossene Grenzen brachten den Tourismus zeitweise vollständig zum Erliegen. Mit am schlimmsten von den ausbleibenden Touristen sind auch die Reisebüros betroffen. Zwar sei Dresel in den vergangenen Wochen jeden Tag beschäftigt gewesen - zuerst wegen der Rückholaktion, dann, weil die Kunden ihre Reisen stornieren wollten. Verdient habe sie in der Zeit aber kaum etwas. "Wir zahlen gerade Geld, damit wir hier sitzen und arbeiten dürfen", sagt die Reiseverkehrskauffrau.

Grund dafür ist das Verdienstsystem für die Reisevermittler. Denn ein Reisebüro bekommt erst dann eine Provision, wenn die Reise stattgefunden hat. Findet die Reise nicht statt, arbeiten die Büros doppelt ohne Bezahlung, schließlich fallen sowohl für die Buchung als auch für die Stornierung etliche Arbeitsstunden an, erklärt Dresel.

Existenzbedrohend sei die Situation für Dresel aktuell aber nicht. Sie habe ihre Mitarbeiterin in Kurzarbeit geschickt, zudem sei die Miete für ihr Büro am Graben 3 vergleichsweise gering und es fielen keine höheren Kosten an. Ähnliches berichtet auch Ingrid Bräuer von ihrer Reisevermittlung. Die vergangenen Wochen seien "sehr ruhig" gewesen, kaum jemand habe bei ihr eine Reise gebucht. In Kurzarbeit musste sie nicht.

Für etwas Entspannung bei den Reisebüros dürfte die Nachricht der Bundesregierung gesorgt haben, die ab 15. Juni die Reisewarnung für die meisten europäischen Länder aufheben will. Lediglich in Spanien und Norwegen soll das Einreiseverbot länger gelten, für die Sommerferien dürften aber auch diese Länder nachziehen. Fernreiseziele bleiben vermutlich noch bis Ende August dicht.

Bei Dresel kommen die Kunden langsam wieder zurück, die Betonung liege aber auf langsam. Seit Mitte Mai gebe es wieder vereinzelt Buchungen in ihrem Büro für die Sommerferien. Am häufigsten seien derzeit Ferienwohnungen und -häuser in Deutschland, Österreich oder Kroatien nachgefragt. Da man hier mit weniger Touristen in Kontakt kommt, sei das Ansteckungsrisiko sehr gering. Oft sei im Ferienhaus zudem ein eigener Badebereich dabei, was Kunden bevorzugen. "Flugreisen stehen bislang hinten an bei den Urlaubern", sagt Dresel.

Wer weg möchte, findet auch was

Wer sich für einen Urlaub in Deutschland entscheidet, müsse aber momentan Kompromisse eingehen, sagt Ingrid Bräuer. Zwar gebe es noch ein großes Angebot. Orte am Meer wie Usedom oder Sylt seien in diesen Sommermonaten aber bereits stark ausgebucht. Dann müsse man oft mit Unterkünften im Hinterland vorliebnehmen. "Wer weg möchte, findet aber auch etwas", sagt Bräuer.

Wer im Urlaub nicht auf ein Hotel verzichten will, kann beruhigt auch ein solches buchen, sagt Dresel. "Hotels haben gute Konzepte erarbeitet, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren." So werden mancherorts Handtücher nach dem Waschen desinfiziert und in Plastikfolien gepackt. In den Speisesälen und auf den Zimmergängen gebe es gemeinsame Laufrichtungen, "Hotels betreiben einen hohen Aufwand, um die Sicherheit zu gewährleisten", sagt Dresel.

Bevor Urlauber eine Reise buchen, sei es aber dennoch wichtig, sich über das jeweilige Hotel und die vorherrschenden Corona-Richtlinien im Zielland zu informieren, empfiehlt die Referentin für Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale Bayern, Julia Zeller. Denn wenn etwa der Poolbereich im Hotel gesperrt ist, könne die Enttäuschung bei den Gästen groß ausfallen. Informationen zum jeweiligen Zielland finden Urlauber auf der Homepage des Auswärtigen Amtes, zum Hotel auf dessen Internetseite. Wenn Reisende erst vor Ort Mängel feststellen, sei es für eine Rückerstattung der Reisekosten oft zu spät.

Stornierungen möglich

Auch bei den Stornierungen gebe es trotz der Corona-Zeit klare Richtlinien, sagt Zeller. Liegt zum Reisezeitpunkt ein "unvermeidbarer außergewöhnlicher Zustand" vor, seien Stornierungen unter einer Gebühr problemlos möglich. Manche Reiseveranstalter bieten sogar eine kostenlose Reisestornierung bis 14 Tage vor Abflug an. Gutscheine, die Veranstalter stattdessen ausgeben, müsse man in diesem Fall nicht annehmen.

Dass Gutscheine freiwillig bleiben, dafür hat sich auch Dresel eingesetzt. Schließlich sei nicht klar, wer die Kosten übernehme, wenn der Veranstalter pleite geht. Um die Kunden im Ernstfall zu beraten, brauche es das Reisebüro. "Im Reisebüro hat man zu jeder Tageszeit einen Ansprechpartner", sagt Dresel.