In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Antrag der SPD-Fraktion , welche eine Übertragung der Gemeinde- und Ausschusssitzungen im Internet vorschlägt. Norbert Lamm führt als Beispiel die Sitzung des Erlanger Stadtrates vom 14. Januar an, welche öffentlich übertragen wurde. Lamm könnte sich eine fest installierte Kamera vorstellen, welche laut seiner Aussage für 200 bis 300 Euro zu haben sei. "Eine Lizenz bei Youtube kostet 20 bis 30 Euro monatlich", ergänzt er seine Kostenaufstellung . Die Thematik " Recht am eigenen Bild " sei laut Lamm auch nicht gegeben.

"Ich habe mich mit dem Oberbürgermeister von Erlangen in Verbindung gesetzt", sagt Fischkal. "Der hat mich an die Leiterin des Bürgermeisteramtes verwiesen. So einfach ist das nicht. Die Heinrich-Lades-Halle hat den Vorteil, dass sie schon eine Infrastruktur hat." Fischkal schlägt vor, dass Bürger , die an den Sitzungen teilnehmen möchten, auch den Fahrdienst in Anspruch nehmen könnten. "Mein Vorschlag wäre, dass beispielsweise beim Haushalt die Fraktionssprecher im Rathaus jeder für seine Fraktion ein Statement abgibt, das wird dann zurechtgeschnitten und veröffentlicht. Dafür hätten wir die Infrastruktur."

Fischkal sieht auch Probleme, was den Datenschutz betrifft. Uwe Pöschl ( CSU ) äußert Bedenken, was die Mitarbeiter des Rathauses betrifft und macht einen Gegenvorschlag, wobei nur bedeutsame Sitzungen in die Veröffentlichung kommen. Sabina König (Grüne) schließt sich Pöschl an und fügt ein "Was im Netz ist, ist im Netz" hinzu. Ralf Olmesdahl (ABWI) steht dem Antrag der SPD aufgeschlossen gegenüber. "Wir hätten so die Möglichkeit, junge Bürger anzusprechen", sagt er. Tim Scheppe (FW) unterstützt Fischkals Vorschlag, hätte aber gerne Informationen über die entstehenden Kosten. "Ich wundere mich ja eigentlich sehr", erklärt Norbert Birkner (ABWI). "Jeder von uns hat sich für den Gemeinderat beworben und wollte für alle da sein. Es gehört für mich zur Demokratie dazu, dass jeder Bürger über alles informiert wird. Dahinten sitzen die Pressevertreter und schreiben alles in die Zeitung rein, da fragt auch keiner nach Datenschutz."

Immer wieder unterbrochen wird die Sitzung vom Applaus der Zuschauer, so dass Fischkal androht, die Öffentlichkeit auszuschließen oder die Sitzung auszusetzen, woraufhin Ruhe einkehrt. Nico Kauper ( CSU ) schlägt vor zu prüfen, ob man "gewichtige Sitzungen wie den Haushalt nicht doch übertragen könnte. Alternativ könnten wir den Vorschlag des Bürgermeisters durchführen." Kerstin Auer (Grüne) schließlich kommt mit einer weiteren Problematik: "Ich bin zwiegespalten", sagt sie. "Ich kann verstehen, dass die Bevölkerung informiert werden möchte, im Internet ist es bequem. Aber was im Netz ist, ist im Netz. Es gibt Leute, die geben dann Kommentare ab und davor habe ich, Kerstin Auer, Angst ! Ich habe Angst vor den Reaktionen im Netz!"

Michael Auer (Grüne) findet "die echte Geschichte hier vor Ort, wo die Bürger auch die Emotionen mitbekommen, besser. Die Anonymität (im Netz) nimmt zu und die Hemmschwelle für Hasskommentare nimmt ab". Letztlich wird mit 16 Stimmen beschlossen, einen Arbeitsauftrag sowohl zur Prüfung von Fischkals Vorschlag zu erteilen, bei welchem die Fraktionen im Rathaus ein Statement abgeben können, als auch bezüglich der entstehenden Kosten.

Nur neun Teilnehmer

Zuvor hatte sich das Gremium mit der Durchführung von Sitzungen in Zeiten der Pandemie beschäftigt. Eine Möglichkeit, die zur Abstimmung gestellt wurde, war die Bildung eines Ferienausschusses, bei welchem statt der üblichen 21 Sitzungsteilnehmer lediglich neun anwesend wären, mit dem Ziel "weniger Leute im Raum zu haben", wie Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) ausführt. An sich bieten die Räumlichkeiten der Aischgrundhalle ausreichend Platz zum Abstand halten, nur möchte Fischkal von Seiten der Verwaltung auf Nummer sicher gehen, "Damit es später nicht heißt: Warum habt ihr das nicht gemacht." Bei der Abstimmung wird die Bildung eines Ferienausschusses ohne Gegenstimme abgelehnt, was mit reichlich Applaus des zahlreich erschienenen Publikums begleitet wird.

Nach der Verabschiedung der Behindertenbeauftragten Sabine Köhler-Huter im Juli vergangenen Jahres war die Position unbesetzt. Im Zuge der Sitzung am Mittwochabend nun wurde Gabriele Kullmann einstimmig zur Behindertenbeauftragten bestellt.

Begonnen hatte die Sitzung, angeregt von Nico Kauper ( CSU ), mit einer Schweigeminute im Gedenken der Opfer des Holocaust .