Das Jahr 1941 brachte für Herzogenaurach einige Aspekte, die aus geschichtlicher Sicht heute - 80 Jahre später - noch durchaus interessant sind. Wir befassen uns in einer losen Serie mit den Geschehnissen das Jahres an der Aurach. Berichtet wird heute von einem gebrochenen Weiherdamm, einer Ferntrauung in Kriegszeiten, dem Wunsch nach einem modernen Feuerwehrauto und einem Lazarett im Liebfrauenhaus.

28 Gefallene

1941 sah Deutschland bereits das dritte Jahr im Krieg. Im Verlauf des Jahres hatte die Stadt Herzogenaurach 28 Gefallene zu beklagen, die überwiegend in Russland ihr Leben ließen. Zu Beginn dieses dritten Kriegsjahres beschloss, gemeinsam mit Bürgermeister Karl Körner, der Stadtrat am 3. Januar 1941, den Bau der Kanalisation in Herzogenaurach voranzutreiben. Begonnen werden sollte mit dem Bauabschnitt Erlangerstraße - Bahnhofstraße - Kellergasse - Eichelmühlgasse.

Die zunächst provisorische Kläranlage unterhalb der Eichelmühle war eine dringende Notwendigkeit geworden, um die Verschmutzung der Aurach zu beenden und dem Bedürfnis nach der Zulassung von Spülklosetts in den neu errichteten Häusern nachzukommen.

Der Bearbeiter des Gesamt-Kanalisationsprojektes, Ingenieur Miller in Nürnberg, veranschlagte die Gesamtkosten auf 46 000 Reichsmark. Diese Summe sollte mit 30 000 Reichsmark aus den laufenden Etatmitteln des Rechnungsjahres 1940 sowie laufenden Mitteln des Rechnungsjahres 1941 bestritten werden.

Pappeln am Wiwaweiher gefällt

Um die Kläranlage errichten zu können, wurde eine Wiese des Liebfrauenhauses mit 80 Dezimalen, gelegen unterhalb der Eichelmühle, gegen die städtische Rotklingenwiese Plan Nr. 1155, zu 1,21 Tagwerk getauscht. Im Oktober 1941 legte die Herzogenauracher Firma Kurr mit Hilfe von französischen Kriegsgefangenen die Kanalisation in der Jahnstraße an.

In der Stadtratssitzung wurde auch beschlossen, die Pappeln oberhalb des Wiwaweihers zu fällen und sie entweder als Nutzholz oder widrigenfalls als Brennholz zu verkaufen. Der Damm eines von französischen Kriegsgefangenen angelegten Weihers in der Nutzung riss am 7. April 1941 um 16 Uhr ab, das Wasser strömte in den Wiwaweiher und über dessen Damm, der aufgegraben werden musste, um den Bruch zu verhindern. Dieses Mal war Herzogenaurach noch einmal davongekommen.

Die Verantwortlichen in der Stadt lichteten die Anlage am Hirtenbuck aus und gaben 38 Linden- und Ahornbäume zum Preis von 956 Reichsmark an den Fliegerhorst am 27. April 1941 ab, wo sie zu Tarnungszwecken Verwendung fanden.

Bedingt durch das starke Anwachsen der Bevölkerung, die neu errichtete Garnison und einen kriegswichtigen Betrieb, stieg die Zahl der Wohnungssuchende auf 200 an, wie Bürgermeister Körner am 28. April 1941 ausführte. Da nahezu alle wehrfähigen Männer eingezogen worden waren, kam in den Kriegsjahren auch die Bautätigkeit der Baugenossenschaft "Eintracht" fast vollständig zum Erliegen, mit einer Ausnahme: 1942 wurde mit der Kellergasse 23 ein Musterwohnungsbau für kinderreiche Familien errichtet.

250 Soldaten aus Griechenland

Mitte April 1941 trafen 250 Soldaten aus Griechenland, einem weiteren Kriegsschauplatz, zum Erholungsurlaub ein. Der Kriegszustand mit Griechenland hatte am 6. April 1941 begonnen und endete auf dem Festland am 29. April 1941 mit der Einnahme von Kalamata auf dem Peleponnes.

Eine Folge der zahlreichen Kriegsschauplätze war, dass auch in Herzogenaurach die meisten Männer im wehrtauglichen Alter zur Reichswehr, der Luftwaffe oder der Marine eingezogen wurden. Aus diesem Grund fand am 26. Mai 1941 die erste Ferntrauung in Herzogenaurach zwischen dem Unteroffizier Albert Wagner und Katharina Maier, Steinweg 10, statt. Die Braut war bei der Trauung anwesend, der Bräutigam wurde bei derartigen Trauungen symbolisch vertreten, etwa durch einen Stahlhelm.

Inspektion bei der Feuerwehr

Im neuen Gemeinschaftsraum im Rathaus fand der erste Betriebsappell der städtischen Gefolgschaft am 27. Juni 1941 abends um 17 Uhr statt. Ebenfalls im Juni erfolgte eine Revision der städtischen Kassen. Am 1. Juli 1941 folgte eine Kontrolle durch das Reichsernährungsministerium. Beide Überprüfungen führten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

Eine in Herzogenaurach übergangsweise einquartierte Panzerabteilung rückte am 7. und 8. Juli nach Russland ab. Die Fahrzeuge waren mit Blumen geschmückt, der Kommandeur nahm persönlich Abschied und bedankte sich für die gute Unterbringung seiner Truppen in Herzogenaurach .

Am 16. Oktober 1941 war die städtische Feuerwehr Herzogenaurachs durch den Abschnittsinspektor der Freiwilligen Feuerwehren besichtigt worden. Das Feuerwehrhaus am Marktplatz verfügte über zwei Räume mit freier Ausfahrt auf den Marktplatz. In einem Raum waren die vierrädrige Motorspritze, Fabrikat Magirus, und das Schlauchmaterial untergebracht. Im zweiten Raum befanden sich zwei fahrbare Leitern, zwei Schlauchhaspeln, ein Schlauchwagen für nasse Schläuche, ein Hydrantenwagen und ausreichend Schläuche. Zusätzlich war ein Schlauchtrockenturm angebaut.

Die Wasserversorgung im Brandfall wurde mittels einer Hochdruckleitung mit vier Atü sichergestellt, an der 78 Unterflur- und 26 Oberflurhydranten angeschlossen waren.

Angesichts der seit 1925 im Dienste stehenden, technisch weit überholten Motorspritze regte der Abschnittsinspekteur Dr. Kuchtner die Anschaffung einer "neuzeitlichen Kraftfahrspitze" an, die auch zur Beförderung der Mannschaft genutzt werden konnte. Bürgermeister Karl Körner nutzte dies zu einer Stellungnahme an den Landrat in Höchstadt/Aisch und forderte für die Anschaffung einer "neuzeitlichen Kraftfahrspritze" Unterstützung durch die Überlandhilfe, da das in Herzogenaurach stationierte Fahrzeug auch zur Hilfe im unmittelbaren Umkreis eingesetzt werden könne.

Bis nach Nürnberg

Jedoch erst 1943 konnte das Fahrzeug LF 15, Modell Klöckner-Humboldt-Deutz mit 80 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h sowie einem 400 Liter Feuerlöschtank mit der Erstzulassung vom 11. November 1943 in Dienst gestellt werden. Das moderne Fahrzeug war auch zur Bekämpfung von Bränden nach Bombenangriffen in Nürnberg im Einsatz, so am 22. und 26. Februar 1943, am 8. und 9. März 1943, nach dem großen Angriff am 2. Januar 1945 sowie im Februar 1945. Außerdem leisteten die Herzogenauracher Feuerwehrleute am 11. August 1943 in Veitsbronn Hilfe.

Am 5. September 1941 wurden die seit dem 15. November 1940 im Liebfrauenhaus einquartierten Volksdeutschen aus Bessarabien mittels eines Sonderzugs in das Umschulungslager nach Litzmannstadt verlegt. Von dort aus sollten sie in Polen angesiedelt werden.

Die freigewordenen Räume wurden danach für ein Reservelazarett unter Leitung eines Oberstabsarztes genutzt. Hier hatte sich die Wehrmacht gegen die Partei ( NSDAP ) durchgesetzt, die ebenfalls ein Auge auf die Gebäude geworfen hatte. Das Lazarett entwickelte sich zum Infektionskrankenhaus für den Wehrkreis XIII. Die Herzogenauracher Ärzte Dr. Walther und Dr. Gentzsch sowie ein Militärarzt unterstützten die medizinische Versorgung im Lazarett. Die ersten Verwundeten des Reservelazaretts im Liebfrauenhaus trafen am 17. September 1941 ein.

Der Fliegerhorst beschäftigte für Geleisearbeiten bei Hauptendorf 40 russische Kriegsgefangene , die am 22. September 1941 nach Herzogenaurach kamen und im früheren HJ-Heim am Weihersbach untergebracht wurden. Weitere, 20 russische Kriegsgefangene zur Behebung der Hochwasserschäden in der Nutzung, wurden am 25. September 1941 in der Stadt erwartet. Einer dieser russischen Kriegsgefangenen wurde am 3. Oktober 1941 von einem Wachtposten am Bahngleis erschossen, als aus einem Acker eine Rübe ziehen wollte. Vier weitere russische Kriegsgefangene sind in Herzogenaurach verstorben.

Neue Luftschutzsirene

Die bei Siemens & Halske bestellte Luftschutzsirene traf am 3. Oktober 1941 in Herzogenaurach ein. Nach der Installation auf dem Schloss konnte sie am 22. November 1941 probeweise in Betrieb genommen werden.

Beim ersten Fliegeralarm, der die Herzogenauracher in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 1941 aus dem Schlaf aufschreckte, konnte sie aber noch nicht zum Einsatz kommen. Schäden gab es bei diesem Angriff in Schwabach. In der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1941 war ein weiterer Fliegeralarm, dieses Mal trug die Stadt Nürnberg Bombenschäden davon.