Hellmut Baensch, ein international ausgezeichneter Bildschöpfer, feierte am Sonntag in Röttenbach zusammen mit Ehefrau Ingrid und der ganzen Familie seinen 95. Geburtstag. Ein Kommen und Gehen war es, denn die vielen Freunde und Nachbarn sowie Landrat und Bürgermeister wollten dem rüstigen Jubilar alles Gute wünschen.

Baensch kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken: In Kobylin in Westpreußen geboren zog die Familie vier Jahre später nach Kolmar. Die ersten fünf Schuljahre wurde er in deutscher und die letzten beiden in polnischer Sprache unterrichtet. "Ohne Polnisch hätte man keinen Beruf erlernen können", so Baensch.

Bei Vater Richard schnupperte er in die Uhrmacher- und Goldschmiedekunst und nachdem er eine Lehre als Maler angefangen hatte, wurde er mit 17 eingezogen. Bis vor Stalingrad kam er, wurde aber dann verwundet. Nach dem Krieg kam er erst in amerikanische, dann in englische Kriegsgefangenschaft, wo er den Malern zugeteilt wurde. "Ich konnte den Engländern etwas zeigen, wurde deshalb vorzeitig entlassen und als Lehrer für Maler und Dekorateure bei der 33. Rheinarmee eingestellt."

Die ersten Jahre führte er ein sehr karges Leben. Er malte erst Kinogroßplakate und wurde dann selbstständiger Messegestalter in Hannover. "Ich hab mich eigentlich vom Schildermaler hochgearbeitet", lächelt er zufrieden. Bei Afri-Cola war er fünf Jahre als Maler und Dekorateur tätig. "Und dann hab' ich 1958 in Köln umgeschult auf Positiv-Retuscheur." Auch für Bayer-Leverkusen war er künstlerisch tätig.

1960 lernte er die zehn Jahre jüngere Ingrid kennen, ein Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken. "Wir haben uns gesehen und sind zusammen geblieben", lächelt er. Nach acht Jahren Köln folgten 30 Jahre in Hamburg als Verlagsgrafiker. Wegen der Tochter und Sohn, der drei Enkel und zwei Urenkel zog das Ehepaar 1996 nach Röttenbach. Einfach war das nicht: "Es dauert schon lange, bis man mit einem Franken warm wird,. Aber wenn es so weit ist, kann man sich auf ihn verlassen", meint der Jubilar schmunzelnd.

Stolz zeigte der Künstler seine Dunkelkammer. Baensch ist berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie und hat sich als Spezialist von Öl-, Bromöl und Gummidruckverfahren einen internationalen Namen gemacht sowie zahlreiche Preise erhalten. Über seine Arbeiten sagt er selbst: "Wir sehen immer schnell die Schattenseiten der Dinge und Menschen, also das Negative. Mich jedoch interessiert der Blick, der den Menschen aufrichtet und das Würdige zum Ausdruck bringt."

Zum Geburtstag wünscht er sich, dass er weiterhin gestalten kann. "Mein Leben war Beten und Arbeiten. Es ist eine Gnade, dass wir noch leben und in einem recht guten gesundheitlichen Zustand sind."Das Gehör habe zwar ein bisschen nachgelassen und die Augen machen Probleme. Aber alles ist gut.