Josef Hofbauer Trotz seiner Heimatverbundenheit steckte er schon immer voller Entdeckerdrang. Er wollte etwas sehen von der Welt. Und das hat er. Die Rede ist von Reinhard Löwisch, dem stellvertretenden Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, der zum 1. August in Ruhestand tritt.

Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung als Zugführer. Der Mann mit der roten Armbinde war zuständig für die Sicherheit und ordnungsgemäße Abwicklung einer Zugfahrt, angefangen vom Rangieren über das Ankuppeln der Waggons und die Einstellung der Bremsen im Zug.

Außerdem war er verantwortlich für den technisch einwandfreien Zustand der Waggons. Er musste die Wagenliste führen, verkaufte Fahrkarten, kontrollierte die Passagiere und war zuständig für den Service im Kundenbereich. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. "Einmal habe ich einen Zug entgleisen lassen", gesteht der gebürtige Waischenfelder. Es ist aber nicht viel passiert.

Die Weiche, die damals noch von Hand gestellt wurde, rastete nicht richtig ein, beim Rangieren sprang ein Waggon aus dem Gleis und musste wieder auf die Schienen gehoben werden. "Das hat mich fünf Mark Strafe gekostet", erzählt der Touristiker lachend.

Sieben Jahre lang hat er als einer der jüngsten Zugführer am Bahnhof Nürnberg diesen Beruf ausgeübt. Doch die Verantwortung lastete schwer auf ihm. Schichtdienst, ständig unterwegs quer durch ganz Deutschland, das war auf die Dauer nichts für ihn. Bei einer Nachtfahrt nach Hamburg unterhielt er sich mit einer Bahnreisenden über die Schattenseiten seines Berufes. Er schwärmte davon einfach auszusteigen, eine längere Pause zu machen. "Tun Sie es doch einfach", ermunterte ihn die Dame.

Eine Auszeit genommen

Nach diesem Schlüsselerlebnis fragte Löwisch, der mittlerweile verbeamtet war, bei seinem Dienstherrn an, ob er ein Sabbatjahr nehmen dürfe. "Als dies abgelehnt wurde, war ich so enttäuscht, dass ich kurzerhand gekündigt habe. Darauf bin ich zusammen mit einem Kumpel nach Amerika gefahren und habe einen Roadtrip von der Ostküste bis zur Westküste unternommen", schildert Löwisch seine Spontanreaktion. Als er wieder zurück war, hat es ihn nicht lange in der Fränkischen Schweiz gehalten.

"Athen galt damals als Hotspot für günstige Flüge in alle Welt. Also bin ich 1983 da hin. Ich hatte ein paar tausend Mark geerbt und wollte mir die Welt ansehen", erinnert sich Löwisch, der von Athen aus nach Indien aufbrach. Dort wohnt er in einer Bambushütte für eine Monatsmiete von 40 Euro. So wurde daraus ein dreijähriger Asien-Trip. "Von Südindien aus habe ich Reisen nach China, Thailand, die Philippinen und Indonesien unternommen, eine herrliche Zeit", erinnert sich Löwisch. Über Traveller-Cheques versorgte er sich immer wieder mit Bargeld aus der Heimat.

Den Stammbaum erforscht

Bis es alle war. Wieder zuhause lernte er seine Frau Marga kennen und heiratete. "Da die Lehrerin ihre erste Dienststelle im Allgäu antreten musste, habe ich sie kurzerhand begleitet", schildert Löwisch seinen Werdegang. Dort kramte er seine heimatkundlichen Aufzeichnungen hervor und fasste sie in zweijähriger Arbeit zu dem Buch "Geschichtliches und Sagen um Denkmäler der Gemeinde Waischenfeld" zusammen.

Auslöser für die Beschäftigung mit der Historie war ein Familientreffen aller Namensvettern, an dem Löwisch als Zehnjähriger teilgenommen hatte. Der Stammbaum, der bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und ein Geburtenverzeichnis der Pfarrei Waischenfeld in dickem Schweinsledereinband und eisernem Schloss motivierten den Hobby-Historiker.

Wieder zurück in der Region verfasste Reinhard Löwisch zuerst das Sachbuch "Geschichtliches und Sagen um Denkmäler der Gemeinde Waischenfeld" und anschließend das "zeitgeschichtliche Lesebuch", basierend auf 60 000 Seiten Informationen der früheren Heimatzeitung der Fränkischen Schweiz, des Wiesentboten, die als komplette Kopie in der Bücherei des Fränkische-Schweiz Vereins eingesehen werden kann.

Die heimatkundlichen Artikel, die Löwisch auch für die Tageszeitungen der Region verfasste, führten ihn zur Tourismuszentrale Fränkische Schweiz. "Dort gab es das einzige frei zugängliche Faxgerät, von dem aus ich meine Artikel verschicken konnte", erzählt Löwisch.

Für Touristen da

Als dann ein Mitarbeiter der Tourismuszentrale kündigte, fragte mich der damalige Leiter Xaver Bauer, ob ich nicht anfangen wollte. "Du kennst Dich in der Gegend aus und Service ist für Dich kein Fremdwort", ermunterte Bauer 1991 den freischaffenden Heimatkundler. Bis dahin hatte Löwisch auf Bitten des Leiters der Tourismuszentrale allenfalls kleine Aufrufe gestartet, beispielsweise, dass die Leute ihre Osterbrunnen bis zwei Wochen nach dem Fest geschmückt lassen sollten. Der Touristen wegen.

Eine Stellenbeschreibung gab es damals nicht. Da hat jeder alles gemacht. Besonders wichtig war uns, dass wir alle Anfragen nach Prospektmaterial oder Unterkünften möglichst schnell erledigten. Wer zuerst kommt, malt zuerst, lautete das Motto.

Computer den Weg geebnet

Als technisch aufgeschlossener Mensch kümmerte sich Löwisch auch um die Etablierung eines Computers. "Für Serienbriefe, die bis dahin auf einer Schreibmaschine mit Speicherfunktion geschrieben wurden, eine enorme Erleichterung. "So hatten wir bald alle Adressen der Urlauber verfügbar und konnten Sie über Aktionen informieren." Das Thema Computer wurde immer wichtiger und so kam es 1997 zur Installation der ersten Homepage, die von den drei Forchheimer Studenten Lars Freund, Stefan Stammler und Alexander Much auf html-Basis eingerichtet worden ist. Frankenweit gab es damals erst eine Homepage: in der Stadt Würzburg.

Im Laufe der Jahre änderten sich die Gewohnheiten der Gäste. Früher buchten die Urlauber die Angebote die es gab, heute haben sie konkrete Vorstellungen von dem, was sie in ihrer Freizeit erleben wollen. Sie fahren dahin, wo sie das finden was sie wollen. So wird der Urlaub zu einem "Event". Im Tourismus sei eine zunehmende Individualisierung festzustellen, findet Löwisch.

Ansprüche haben sich gewandelt

Die Ansprüche seien gestiegen. Ebenso wie das Bedürfnis nach geistiger Erholung, nach Abstand vom Alltag. Deshalb rät Löwisch der neuen Führung, stärker auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen und auch die Senioren, derzeit noch immer eine der wichtigsten Zielgruppen, dabei zu berücksichtigen. Auch im Hinblick darauf, dass der Landkreis Forchheim in wenigen Jahren mit den Senioren die stärkste Altersgruppe beherbergt.

Nach Jahren der Sesshaftigkeit wollte Reinhard Löwisch mit Beginn des Rentenalters noch einmal die Koffer packen und mit seiner Frau Marga auf Reisen gehen. "Wir wollten mit einem Wohnmobil einfach losfahren und dort bleiben, wo es uns gefällt", verrät Löwisch. Damit muss er aber noch ein wenig warten. So lange, bis seine Frau ebenfalls ihre Pension antreten darf, was wegen Personalmangels noch ein Jahr dauern wird.