Ein Verkehrsunfall mit tragischen Folgen, bei dem ein 69-jähriger Mann aus der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach ums Leben gekommen ist und seine im Auto mitfahrende Ehefrau schwer verletzt wurde, ereignete sich im Dezember 2019 auf der Strecke Gleisenau-Breitbrunn. Ursache war wohl die Unaufmerksamkeit eines 66-jährigen Autofahrers aus einem Nachbarlandkreis, der sich jetzt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste. Zuvor hatte der 66-Jährige einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb es am Donnerstagvormittag im Amtsgericht zu der Verhandlung kam.

Der 66-jährige Angeklagte kam, so lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, auf gerader Fahrbahn mit der halben Breite seines Autos auf die linke Fahrbahnseite und stieß dort frontal mit dem Auto des entgegenkommenden 69-jährigen Mannes zusammen. Der Ältere starb noch an der Unfallstelle, seine mitfahrende Ehefrau wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der Verteidiger des Angeklagten , Rechtsanwalt Thomas Drehsen, verlas eine mit seinem Mandanten erstellte Einlassung. "Mein Mandant wird dann auch alle Fragen beantworten, so er dazu in der Lage ist", sagte der Verteidiger. In der Erklärung wurde ausgeführt, dass der Angeklagte den tragischen Unfall ausdrücklich bedauere. Auch habe er Kontakt mit der Ehefrau beziehungsweise der Familie des Getöteten aufnehmen wollen, um sich zu entschuldigen, was allerdings von deren Seite nicht gewünscht worden sei. Eine Erinnerung, wie es zu dem Unfall kam, habe der Angeklagte nicht. Er müsse immer an diesen Unfall denken, habe sich neurologisch untersuchen lassen und sei in therapeutischer Behandlung. Auch übernehme er die volle Verantwortung für den Unfall mit den schlimmen Folgen.

Der Angeklagte legte auf Vorhalt von Richterin Kerstin Leitsch seine wirtschaftlichen Verhältnisse offen. Er selbst könne infolge der Unfallfolgen nicht mehr in seinem Handwerksberuf arbeiten, sondern nur noch einen Handel betreiben. Sein Ziel des Einspruchs gegen den Strafbefehl sei, dass gegen ihn, der sich als defensiver Fahrer bezeichnete, kein Fahrverbot erlassen werden sollte.

Die Richterin verlas ein Schreiben einer Diplompsychologin, bei der der Angeklagte in Behandlung war. Demnach leidet er seit dem Unfall an Durchschlafstörungen und sei enorm belastet, habe bei Verlust seiner Fahrerlaubnis Existenzängste. Auch könne er sich an den Unfall nicht erinnern.

Zu einem heftigen Disput kam es zwischen dem Verteidiger und dem Anwalt der Nebenklage, Rechtsanwalt Willy Marquardt, hinsichtlich der Frage, warum sich der Angeklagte nicht bei den Hinterbliebenen entschuldigt habe. Rechtsanwalt Marquardt meinte, dass er dies hätte über ihn tun können,

Verteidiger Drehsen legte dar, dass das von der Familie des tödlich Verunglückten nicht gewollt gewesen sei. Jetzt stand der Angeklagte auf und entschuldigte sich bei der Familie des Getöteten mit bewegenden Worten.

Der Angeklagte war strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten; es gibt keine Einträge im Bundeszentralregister , teilte das Gericht mit.

Es müsse im Urteil mit einfließen, wie groß das pflichtwidrige Verhalten des Angeklagten sei, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er wies auf die enormen psychischen Probleme der verletzten Beifahrerin hin und nahm die für ihn ehrlich gemeinte Entschuldigung des Angeklagten zur Kenntnis. Auch erscheine der Angeklagte in seinem Aufklärungswillen glaubhaft. Beantragt wurde vom Staatsanwalt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Euro, also in einer Gesamthöhe von 5400 Euro, sowie ein Fahrverbot von sechs Monaten.

Der Nebenklägeranwalt Willy Marquardt sprach von einem furchtbaren Unfall zwischen Gleisenau und Ebelsbach, der sich auf gerader Fahrbahn ereignet habe. Mit etwa 80 bis 90 Stundenkilometern seien die Fahrzeuge zusammengestoßen.

Er bezweifelte, dass sich der Angeklagte an den Unfall nicht erinnern könne. Der Unfallverursacher sei grob fahrlässig auf die linke Fahrbahnseite gekommen, warf der Anwalt dem Beschuldigten vor. Für dieses Verhalten sei eine Bestrafung von weniger als 90 Tagessätzen nicht angebracht, und das wäre das Minimum. Er schloss sich insgesamt dem Antrag des Staatsanwalts an.

Verteidiger Thomas Drehsen wies darauf hin, dass so ein Unfall jedem passieren könne. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft hinsichtlich des Verschuldens seines Mandanten treffe zu. Nun müsse das Gericht eine angemessene Strafe finden. "Wir haben es hier nicht mit einem Straftäter zu tun, der mutwillig etwas getan hat, sondern mit einem Mann, der leider einen schwerwiegenden Unfall verursacht hat, an dessen Zustandekommen er sich nicht erinnern kann", sagte der Verteidiger.

Auch sei nicht beabsichtigt, an den 90 Tagessätzen zu rütteln, sondern nur über das Fahrverbot, das eine Nebenstrafe sei, nachzudenken. Um seinen Handel weiter betreiben zu können, benötige sein Mandant seine Fahrerlaubnis. Auch sei er durch den Verkehrsunfall berufsunfähig geworden, weil er selbst nicht mehr handwerklich wie bisher tätig sein könne. "Ich bitte das Gericht um eine günstige Abwägung für meinen Mandanten", sagte der Verteidiger und beantragte 90 Tagessätze zu je 35 Euro.

"Was ich nur noch einmal machen kann, ist, mich bei der Familie zu entschuldigen. Alles andere werde ich ohne wenn und aber annehmen", sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort.

Das Urteil der Richterin lautete auf 90 Tagessätze zu je 50 Euro, also insgesamt auf 4500 Euro Geldstrafe , und vier Monate Fahrverbot. Wie sie in ihrer mündlichen Begründung darlegte, kann sie kein grobes Fehlverhalten des Angeklagten sehen - trotz aller Tragik mit den schlimmen Folgen. Auch wertet sie die Entschuldigung als aufrichtig. Von einem Fahrverbot könne nicht abgesehen werden, erklärte die Richterin .

An die Familie des Getöteten gewandt sagte die Vorsitzende: "Auch eine höhere Strafe wird Ihren Schmerz nicht lindern können."

Wie der Verteidiger des Angeklagten erklärte, würde sein Mandant den Urteilsspruch annehmen. Er habe ihm jedoch geraten, noch einmal darüber zu schlafen. Wenn sowohl die Seite des Angeklagten als auch die Seite der Anklage das Urteil akzeptieren, wird es rechtskräftig.