von unserer Mitarbeiterin Dorothea Weiler

Hallerndorf — Allein für den öffentlichen Teil seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause benötigte der Hallerndorfer Gemeinderat zweieinhalb Stunden Zeit. Ein knappes Dutzend Tagesordnungspunkte waren abzuarbeiten. Und es musste über acht Anträge abgestimmt werden. Die 14 anwesenden Räte verabschiedeten sämtliche Entscheidungen ohne Gegenstimme.
Unstimmigkeiten und längere Diskussionen gab es dann aber doch: Bei der überörtlichen Rechnungsprüfung für die Jahre 1998 bis 2012 hatte die zuständige Behörde des Landratsamts Forchheim der Gemeinde Hallerndorf die Entlastung für den 37 Seiten umfassenden Rechnungsprüfungsbericht verwehrt.

Erlwein hakt nach

Stadtrat Matthias Erlwein (JAB) wies in diesem Zusammenhang auf "unklare Kontovorgänge" hin. "Könnte da Geld verschwunden sein?", warf Erlwein in den Raum.
Der Kämmerer Christian Schmitt konnte darauf nur eine vage Antwort geben: "Möglich ist alles. Ich glaube es aber nicht." Zu den Voraussetzungen, die das Landratsamt für eine Entlastung einfordert, gehört laut Schmitt beispielsweise auch die komplette aktuelle Vermögensübersicht. Zum letzten Mal sei eine solche 2006 erstellt, seither aber nicht weiter fortgeschrieben worden.
Schon in den 90er-Jahren seien Mängel und Probleme in der Finanzbuchführung der Gemeinde Hallendorf festgestellt worden, die jedoch nicht hätten abgestellt werden können. "Es mangelt nicht an Willen, sondern an Personal", ist Schmitt überzeugt.
Nicht nur gebe es in Hallerdorf keinen stellvertretenden Kämmerer. Auch sei zu berücksichtigen, dass die 28 übrigen Gemeinden des Landkreises über doppelt so viel Personal verfügten wie die Gemeinde Hallerndorf. Wenn 15 Jahre alte Unterlagen aufgearbeitet werden müssten, so Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG), mache dies die Sache nicht einfacher. Kürzere Intervalle zwischen den Rechnungsprüfungen seitens des Landratsamts seien wünschenswert, damit die Gemeinde schneller reagieren könnte. "Die Gemeinde arbeitet im Tempo und im Rhythmus weiter wie bisher", so der Bürgermeister.

Zwiespältiges Verhalten

Schließlich sei dies alles eine reine Formsache. Künftig werde sich die Gemeinde bemühen, die Angelegenheit beizulegen. Eine gewisse Zwiespältigkeit ist dennoch herauszuhören, wenn Gunselmann fortfährt: "Die Sache hat doch keinen Mehrwert, und nicht alles, was gemacht werden muss, bringt uns weiter." Es hatte fast ein wenig den Eindruck, als bagatellisiere Gunselmann die Angelegenheit.
Alarmiert zeigte sich dagegen Werner Fischer (WG). "Das ist schon komisch", befand der Gemeinderat und überlegte weiter: "Wie sollen wir damit umgehen?" Immer wieder, so Fischer, bekomme die Gemeinde Hinweise, dass mit ihren Finanzen etwas nicht in Ordnung sei, doch es passiere nichts. Bei der nächsten Sitzung soll eine Fachkraft aus dem Landratsamt hinzugezogen werden, stellte Gunselmann in Aussicht.