Kläranlagen sind eine saubere Sache. Zumindest, wenn man betrachtet, was vorne unrein rein und hinten klar raus kommt. Und das was bleibt? Nun ja ... Im Landkreis Bamberg sind das pro Jahr etwa 70 000 Tonnen Klärschlamm. Und die haben es in sich: neben wertvollen Nährstoffelementen wie Phosphor sind das auch organische Verbindungen - wie perfluorierte Tenside (PFT) und Schadstoffe aus Weichmachern, Flammschutzmitteln sowie Waschmittelinhaltsstoffe. Dazu kommen Arzneimittel wie Antibiotika oder Hormone und deren Abbauprodukte.

Diese Liste ist längst nicht vollständig - und gibt doch schon genug Anlass zur Sorge. Vor allem, wenn man bedenkt, dass beispielsweise im Jahr 2015 von den 71 000 Tonnen Klärschlamm, die im Landkreis Bamberg anfielen, mehr als ein Drittel landwirtschaftlich verwertet wurde. Das heißt, gut 24 000 Tonnen landeten auf hiesigen Äckern. Wenigstens ist das Ausbringen von Klärschlamm auf Grünland, Obst- und Gemüseanbauflächen und im Forst verboten.

Mit der Quote von 34 Prozent lag der Landkreis auch deutlich über der im bayernweiten Vergleich. Dort waren es im selben Jahr nur 14,8 Prozent.

Damit sich das ändert - und weil die Vorgaben der Klärschlammverordnung in den letzten Jahren verschärft wurden und wohl weiter werden, haben sich sieben Gemeinden im südlichen Landkreis (Frensdorf, Altendorf, Buttenheim, Hirschaid, Strullendorf, Memmelsdorf und Gundelsheim) zusammengetan, um ein neues Konzept zu erarbeiten und umzusetzen.

Das Ziel: Klärschlamm soll in Zukunft vor allem thermisch verwertet werden. Bisher hat dieser Weg der Entsorgung - der Verbrennung in Müllheizkraftwerken oder in der Zementindustrie - einen geringeren Anteil als die landwirtschaftliche Verwertung und die Verwertung durch Rekultivierung/Landschaftsbau (39 Prozent), worunter vor allem der Schlammexport zur Verfüllung ostdeutscher Braunkohletagebaulöcher fällt.

Das Problem bei der thermischen Verwertung: Der Schlamm muss zuvor getrocknet werden, was spezielle Anlagen erfordert und zusätzlich Energie verbraucht. Der nasse Schlamm, wie er in der Kläranlage anfällt, besteht zu rund 95 Prozent aus Wasser und hat einen sogenannten Trockenrückstandsgehalt von etwa fünf Prozent. Damit er brennt, muss dieser mit Pressen oder Zentrifugen auf etwa 25 bis 30 Prozent erhöht werden, heißt es beim Landesamt für Umwelt (LfU). Für Verbrennungsverfahren, wie etwa die Mitverbrennung in Zementwerken, könne auch eine weitergehende Trocknung notwendig sein.

Wo eine solche Trocknungsanlage hinkommen könnte, haben Wissenschaftler des Instituts für Energietechnik (IfE) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden im Auftrag des Landkreises untersucht. Als Energielieferanten kommen demnach industrielle Abwärmequellen wie die Firma Gunreben in Strullendorf, die Tierkörperbeseitigung in Walsdorf und das Müllheizkraftwerk in Bamberg infrage.

Favorit für den Standort ist Strullendorf. Dort befindet sich auch die örtliche Kläranlage ganz in der Nähe der Firma Gunreben, zusätzliche Flächen für die Trocknungsanlage wären vorhanden.

Doch mit der Trocknung allein ist es noch nicht getan. Aufgabenstellung sei es gewesen, ein "wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln", sagt Ife-Chef Prof. Markus Brautsch. Ihm zufolge arbeiten die bayerischen Müllheizkraftwerke jedoch schon an den Kapazitätsgrenzen. Und in der Zementindustrie gehe die Nachfrage nach brennbarem Klärschlamm zurück.

Optimal wäre ohnehin die Rückgewinnung des wertvollen Phosphors. Das geht aber nur bei Monoverbrennung. Eine erste Anlage in Bayern, in der ausschließlich Klärschlamm verbrannt wird, ist aber gerade erst - nach einem positiven Bürgerentscheid - im niederbayerischen Straubing in der Planung. Für die sieben Gemeinden im südlichen Landkreis Bamberg alleine wäre so etwas wohl eine Nummer zu groß.