Stimmungsschwankungen, Babyblues oder Wochenbettdepression. Viele junge Mütter sind davon betroffen. Acht von 100 Frauen erleiden eine sogenannte postpartale Depression. Maria Kuhn, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Coburg, erforscht in ihrer Doktorarbeit, welche Techniken zur Selbstfürsorge den Betroffenen helfen können, eine Wochenbettdepression zu verhindern oder besser damit umzugehen. Dazu hat sie eine App entwickelt, die die Frauen vor und nach der Geburt begleitet und wichtige Hilfestellung gibt.

"Als ich in meinen ersten Recherchen zu dem Thema die Prävalenzen zu Wochenbettdepression gelesen habe, war ich schockiert. In dieser besonderen Zeit im Leben einer jungen Familie, einer Mutter, eines Vaters und eines neugeborenen Kindes erkrankt fast jede zehnte Frau an einer Depression. Ich dachte, das möchte ich ändern und ein Programm für diese Frauen entwickeln. Und dann kam die Pandemie - ein zusätzlicher Faktor!", beschreibt die junge Frau ihre Motivation.

Seit wenigen Tagen können sich Interessierte für die Studie registrieren lassen (unter meba-studie.de). "Wir sind auf der Suche nach 350 schwangeren Frauen, im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die ihren ersten Wohnsitz in Bayern haben. Sie sollten noch nicht in der 30. Schwangerschaftswoche sein. Aber es ist egal, ob sie mit ihrem ersten Kind schwanger sind oder mit ihrem dritten Kind. Und es ist auch egal, ob sie Zwillinge erwartet oder eine Vorerkrankung hat. Die Themen, die in dieser Studie behandelt werden, sind für alle Frauen wichtig. Zudem sollten sie eine E-Mail-Adresse haben und ein internetfähiges Endgerät besitzen. Wir haben für die Studie eine App entwickelt, die genutzt werden soll", erklärt Maria Kuhn.

Frühzeitig sensibilisieren

Das Ziel der Studie ist es, werdende Mütter schon frühzeitig zu sensibilisieren, um im Wochenbett gegen Stimmungskrisen oder gar depressive Verstimmungen gewappnet zu sein. "Im Gegensatz zu vielen anderen Programmen, die es auch als App gibt, soll es hier nicht um ihr Baby allein gehen, sondern vielmehr um die Mütter, um ihre Gefühle, um ihre Bedürfnisse und Wünsche. Mit dem Fokus auf ihrem Wohlbefinden und ihrer Gesundheit sollen sie für die Zeit nach der Geburt stark gemacht werden", erläutert Maria Kuhn.

Viele Frauen erleben einige Wochen nach der Geburt eine Wochenbettdepression. Wie viele Frauen diese erleben, ist nicht bekannt. "Die Studie soll auch darüber Auskunft geben und helfen, dass diese Frauen sich nicht verstecken müssen, sondern Hilfe in Anspruch nehmen können", sagt die Doktorandin.

Maria Kuhn möchte den Zusammenhang zwischen der Gesundheitsförderung von Schwangeren und Frauen im Wochenbett und der Entwicklung einer psychischen Erkrankung herausfinden.

Die Ergebnisse der Studie können helfen, weitere Angebote zu entwickeln, um Frauen in dieser Phase vor einer psychischen Erkrankung zu schützen und sie auf diese Zeit vorzubereiten.

Wissenschaftlich wertvoll

Die Promotion wird von der Hochschule Coburg und der Universität Regensburg betreut. Das Konzept hat Maria Kuhn mit Professor Dr. Thomas Loew, dem Leiter der Abteilung für Psychosomatik am Universitätsklinikum Regensburg, erarbeitet: "Das Thema passt sehr gut zu uns. In Regensburg haben wir jedes Jahr 2000 Geburten."

Maria Kuhn hat nach ihrem Bachelorstudium an der Hochschule Coburg in Kleve ein Masterstudium absolviert. Dort hat sie die Forschung für sich entdeckt, eine Promotion war für sie der nächste logische Schritt: "Ich will noch viel mehr wissen und wissenschaftliches Arbeiten macht mir großen Spaß", erklärt sie. Prof. Dr. Niko Kohls von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit betreut das Vorhaben seitens der Hochschule Coburg und Prof. Dr. Thilo Hinterberger vonseiten der Universität Regensburg. Auf ihrem Weg zur Doktorarbeit wurde Maria Kuhn durch das Mentoring-Programm für Doktorandinnen der Hochschule Coburg begleitet: "Dadurch fühle ich mich eingebunden und sehr gut unterstützt", beschreibt Kuhn die Betreuung. Schließlich hat es sie ermutigt, den Weg immer weiter zu verfolgen.

Dr. Renate Lucke leitet das Mentoring-Programm und ist von Kuhns Engagement beeindruckt: "Maria Kuhn hat viel Energie und gibt nie auf. Wir vom Mentoring Programm bieten einen tollen Rahmen und geben Rückhalt. Sie hat alle Etappen selbst geschafft." Durch ihre Eigeninitiative hat Kuhn nun eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit erlangt, denn mit einem Stipendium gewinnt sie Zeit, ihre Arbeit zu schreiben.

Das Thema der Promotion ist so wichtig, dass die Doktorandin in das Förderprogramm der Evangelischen Studienstiftung Villigst aufgenommen wurde. Maria Kuhn freut sich: "Es ist etwas Besonderes, ein Vollzeitstipendium von Villigst zu erhalten." Derzeit werden durch das Begabtenförderungswerk in Deutschland rund 250 Promovierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Hochschulen gefördert.

Außerdem wurde ihr Projekt auch im Bayerischen Wissenschaftsforum (BayWISS) aufgenommen und ein Stiftung aus Regensburg spendete 10 000 Euro. Diese Unterstützung zahlt sich nicht nur für die Doktorandin aus. Letztendlich werden viele junge Mütter von ihren Erkenntnissen profitieren. Professor Loew resümiert: "Unterm Strich: Maria Kuhn unterstützt ganz moderne Medizin!"