Marion Krüger-Hundrup Die traditionelle "Woche der Brüderlichkeit" ist in Bamberg kein singulärer Akt, sondern ist eingebettet in gelebte Praxis. Die Religionsgemeinschaften wirken geschwisterlich in der Stadt zusammen. Stehen Schulter an Schulter gegen Hass, Rassismus, Rechtsextremismus. Dennoch sei es wichtig, "an definierter Stelle Gesicht zu zeigen und zu sagen: Die Religionen wollen Dialog und Frieden und befeuern keine Konflikte", erklärt Hubertus Lieberth. Der Pastoralreferent ist im katholischen Dekanat Bamberg Beauftragter für den interreligiösen Dialog und Koordinator für die "Woche der Brüderlichkeit".

Diese bundesweit begangene Woche - zumeist organisiert von den Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit - bekommt in Bamberg einen ganz eigenen Akzent. Denn nicht nur die beiden jüdischen Gemeinden und Christen laden zu verschiedenen Veranstaltungen ein, sondern auch Muslime und Bahai sind eingebunden.

Zahlreiche Mitwirkende

Das wird besonders augenfällig in der Auftaktveranstaltung am kommenden Montag, 9. März, um 19 Uhr im Rokokosaal des Alten Rathauses: Eine multireligiöse Feier eröffnet die "Woche der Brüderlichkeit". Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) spricht ein Grußwort, das Referat "Vom christlichen Antijudaismus zu einem Weltethos der Religionen?" hält Hans Horst aus Erlangen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Erzdiözese Bamberg. Mitwirkende sind ferner der evangelisch-lutherische Studierendenpfarrer Thomas Braun, Rabbiner Salomon Almekias-Siegl von der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, Rabbinerin Antje Yael Deusel von der Liberalen Jüdischen Gemeinde "Mischkan ha-Tfila, der Iman der Ditib-Gemeinde Yasar Sahin und als Vertreter der Bahai Johannes Rosenbaum.

Die musikalische Gestaltung übernehmen Dimitry Braudo und der Chor der Israelitischen Kultusgemeinde in Zusammenwirken mit dem Chor "Inspiration" aus Memmelsdorf.

Bis zum 15. März besteht die Möglichkeit, "einander am je eigenen Ort zu begegnen, wo wir unseren Glauben leben", wie Pastoralreferent Lieberth sagt. Die katholische Pfarrkirche St. Otto wird zum Beispiel für Menschen aller Religionen erschlossen (12. März 16 Uhr, 15. März 17 Uhr, besonders für Muslime). Oder die jüdischen Gemeinden laden zum Gottesdienst am Schabbat in die Synagoge "Or Chajim" (Willy-Lessingstraße 7a, 13. März 18 Uhr, 14. März 10 Uhr) und in den Gebetsraum am Schillerplatz 14 (13. März 18.30 Uhr, 14. März 10 Uhr) ein. Am 15. März öffnet die Israelitische Kultusgemeinde um 14.30 Uhr die Synagoge und das Gemeindezentrum mit Mikwe, Bibliothek und jüdischem Lehrhaus (Anmeldung über die VHS Bamberg, Tränkgasse 4, Telefon 0951/871108).

"Tu deinen Mund auf"

Die "Woche der Brüderlichkeit 2020" steht unter dem Motto "Tu deinen Mund auf für die anderen". Der Deutsche Koordinierungsrat, der die über 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit vereint, spitzt diesen Bibelvers zu auf die Forderung, den Mund aufzutun für alle, die es nicht können, nicht dürfen, die sich nicht trauen. Den Mund aufzutun für Gerechtigkeit, Solidarität, Recht, gegen Judenfeindschaft, Hass und Rechtsextremismus. Hubertus Lieberth: "Diese Forderung ist brennender und drängender denn je!"