Andreas Hofbauer

"Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau." Dieser Titel eines Couplets von Otto Reutter (1870 - 1931) war der Titel des Abendprogramms mit dem Intendanten des Fränkischen Theatersommers, Jan Burdinski. Er unterhielt die Besucher im Sitzungssaal der Stadt Ebermannstadt.
Die Stücke des Schauspielers, Autors und Komikers Otto Reutter, vor allem seine zahlreichen Couplets und die kurzen prägnanten Gedichte greifen das aktuelle Zeitgeschehen auf. Mit entsprechenden Kommentaren rückte sie Jan Burdinski in die richtige Perspektive und kommentierte sie.


Lebensweg nachgezeichnet

So beginnt Burdinski in starkem berlinerischen Akzent und erklärt "Mir ham se als jeheilt entlassen". Burdinski erklärt: "Das war ein Markenzeichen Reutters. Die ständige, einprägsame Wiederholung von kurzen, leicht verständlichen Sätzen." Auch die Herkunft illustriert Burdinski anschaulich.
Wo kommt Reutter her? Was macht ihn aus? Warum begann er mit dem Schreiben seiner Couplets? Er erzählt von Otto Reutters Weg aus Berlin nach Karlsruhe, über die Schweiz, wo ihm sein Durchbruch gelang. Und zurück nach Berlin.
Otto Reutters Gedichte finden in den allermeisten Fällen auch heute noch Anklang. Passen gar besser als je zuvor, meint er gebürtige Schwabe aus Bad Schussenried: "Seh'n Sie bitte mal die Kleider - unsrer armen Damen an. Unten eng - und oben - leider - hab'n sie manchmal auch nichts an. Früher ging'n sie fest geharnischt, heute trag'n sie beinah' gar nischt - Ob'n und unten reicht's nicht recht, ach, wie sind die Zeiten schlecht" reimte Otto Reutter.
In diesen Couplets jongliert der Darsteller mit den verschiedensten Akzenten. Berlinerisch, Sächsisch, Fränkisch, und Schwäbisch sowie Hannoveranerisch standen zum Beispiel auf der Tagesordnung. Doch nicht nur pointiert und kommentiert wurden die Couplets, auch eine musikalische Untermalung hatte Burdinski im Repertoire.
Mit Akkordeon und Gitarre untermalte er sowohl humorige, als auch schwerer verdauliche Passagen seines Stücks passend. So erklärte Burdinski Otto Reutters Verhältnis zum Krieg, und warum er ihn so sehr hasste. Daneben interpretierte der Leiter des Fränkischen Theatersommers sogar ein Gedicht Reutters neu. Und zwar - ganz im Stile der Jugend - als Rap.
Selbst Publikumseinlagen gelangen Burdinski gut. Auch wenn ein Zuschauer wenig begeistert war, dem Intendanten und Schauspieler seine Uhr auszuleihen. "Bei allem, was sie bisher vorgetragen haben, sind sie mir sehr verdächtig", meinte er trocken.


Stress treffend skizziert

Burdinski fuhr fort. "Wir sind auf dem Ball, im Theater zu seh'n - mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand. Zum Rendezvous gehn wir um vierzehn Uhr zehn - mit der Uhr, mit der Uhr in der Hand. Um fünfzehn Uhr dreizehn erscheint sie am Ort, um fünfzehn Uhr sechzehn, da müssen wir fort, und sie denkt: ,Du Rindvieh, du Riesenpedant - mit der Uhr, mit der Uhr in der Hand!‘"
Von derlei Gedichten inspiriert wurde unter anderem auch Erich Kästner, der zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht so bekannt war wie Reutter. "Hätte Erich Kästner damals den Mut aufgebracht, Reutter anzusprechen", schilderte Burdinski, "hätten sie Botschafter zwischen Bayern und Preußen werden können. Die Folgen sind weitreichend, wie wir an Horst Seehofer erkennen", erklärte Burdinski.
Freunde der deutschen Sprache und klugen Unterhaltung können Jan Burdinski am 10. Augunst um 19 Uhr in Bamberg im Schloss Geyerswörth, und am 25. August in Gößweinstein um 19.30 Uhr im Höhenschwimmbad sehen.