Weißenbrunn — Zur Jahresabschlusssitzung des Gemeinderates Weißenbrunn im Gasthaus "Frankenwald" (Räther) gab es Zuschüsse an gemeinnützige Vereine und Verbände. Außerdem sparten Bürgermeister Egon Herrmann (SPD) und das Gremium nicht an Lob für die in den Vereinen ehrenamtlich engagierten Mitglieder.
Besonders haben sich die Schwimmbadfreunde hervorgetan. Sie sind es gewesen, die den Mut zum Risiko aufbrachten, und das Weißenbrunner Freibad vor zwei Jahren vor der Schließung gerettet haben. Das Schwimmbad ging an den Verein über, der sich seither erfolgreich um die Weiterführung des Freibadbetriebes kümmert. Wie erfolgreich, zeigten die Zahlen. Nachdem vor Jahren noch Defizite für das Schwimmbad in Höhe von über 50 000 Euro zu Lasten der Gemeinde eingefahren wurde, hat sich der Anteil der Gemeinde am Defizit im Jahr 2014 auf sage und schreibe 6683,08 Euro reduziert. Doch nun stolpern die Gemeinderäte in der Jahresschlusssitzung über Paragraphen und Vertragsfestsetzungen, obwohl im Vertrag vereinbart worden war, dass sich die Gemeinde an einem Defizit bis 35 000 Euro beteiligen müsse. Stein des Anstoßes ist ein gebrauchter Staubsauger, dessen Kosten für 6628,14 Euro der Verein der Schwimmbadfreunde voll übernehmen soll.

"Vertrag ist Vertrag"

Die Schwimmbadfreunde hatten eine akribische Auflistung von Einnahmen und Ausgaben und Kosten der Defizitübernahme vorgelegt. Bei einer Vorabprüfung wurden die Kosten für den Staubsauger wieder aus dem Defizit gestrichen, weil es sich hier um Investitionskosten handle, die laut Vertragsvereinbarung nicht ins Betriebsdefizit gehören, informierte Kämmerin Petra Marx. Die Sitzung leitete zum Punkt des Betriebskostendefizits Zweiter Bürgermeister Michael Bohl (CSU), da Erster Bürgermeister Egon Herrmann (SPD) als Vorsitzender der Schwimmbadfreunde nicht stimmberechtigt war. Michael Bohl wies auf die erfolgreiche Arbeit der Schwimmbadfreunde hin. Es sei gelungen, 346 Besuchern, die kein Mitglied im Verein sind, ins Freibad zu ziehen.
Die Information über die Streichung der Staubsauger-Anschaffungskosten aus der Defizitliste schmeckte den Räten so nicht. Herbert Spindler (FW) fand es traurig, wenn man jetzt um zwei- bis dreitausend Euro feilsche, wo man vorher über 50 000 Euro Defizit zu schlucken hatte. "Das Schwimmbad ist ein Plus für Weißenbrunn und dass dies so ist, dafür sorgen die Schwimmbadfreunde, wir sollten deshalb den Defizitanteil der Gemeinde aufstocken", meinte Spindler. Ihm schloss sich Klaus Ruppert (CSU) voll und ganz an.
Klaus Hannweber (FW) und Christian Höfner (FW) hoben zwar die unbestrittenen Verdienste der Schwimmbadfreunde hervor, verwiesen jedoch darauf, dass Vertrag Vertrag sei, und eingehalten werden müsse, zumal Weißenbrunn keinen Haushalt habe. Höfner war ziemlich sauer darüber, dass man diese Vertragsvereinbarung einfach umgehen wolle. Michael Bohl legte jedoch einen neuen Beschluss mit einer Defizitbeteiligung von 9997,15 Euro (statt 6683,08 Euro) vor. Darin sei die Hälfte der Kosten für einen Staubsauger enthalten, rechnete Bohl vor. Weil bereits 6000 Euro an Vorauszahlungen durch die Gemeinde geflossen sind, bleibe eine Beteiligung am Restdefizit von 3997,15 Euro für die Gemeinde. Diesem Beschluss stimmten die Räte mit 11:5 Stimmen zu (Bürgermeister Herrmann war von der Abstimmung ausgeschlossen).
Weil die Vertragsvereinbarung für die Übernahme des Betriebskostendefizits nur für die Jahre 2013 und 2014 galt, wurde in der Sitzung auch eine neue Vereinbarung für die Jahre 2015 und 2016 einstimmig verabschiedet. Hiernach beteiligt sich die Gemeinde am Betriebskostendefizit bis maximal 15 000 Euro.
Zuvor wurden folgende Zuschüsse an Vereine und Verbände einstimmig genehmigt. Die Diakoniestation Weißenbrunn wird mit 926,97 Euro bedacht, dieser errechnet sich aus 1749 evangelischen Christen zu je 0,53 Euro. Für die Caritas Sozialstation Kronach wurde nach gleichen Verteilerschlüssel bei 927 katholischen Christen ein Betrag von 491,31 Euro als Zuschuss gewährt. Das Engagement des BRK wird durch die kostenlose Überlassung des Mehrzweckhauses für Blutspendetermine und mit 150 Euro anerkannt. Der VHS werden, neben kostenloser Überlassung der Räume im Bürgerhaus Thonberg und Mehrzweckhaus Weißenbrunn, 150 Euro pauschal als Zuschuss gewährt. In seinen Jahresschlussworten dankte Bürgermeister Herrmann für die "überwiegend gute, konstruktive Zusammenarbeit" im Gremium. eh