Tina Büdel (32) und Julia Grimmer (28) arbeiten als Zukunftscoaches. Ihre Aufgabe: Den regionalen Arbeitsmarkt im Landkreis Haßberge auf den demografischen Wandel vorzubereiten. Ihr Ziel: langfristige Perspektiven zu schaffen. Allerdings läuft ihr Projekt, das bereits einmal verlängert wurde, im Sommer aus. Zeit, auf das Erreichte zurückzublicken und über die Zukunft zu sprechen.

Frau Büdel, Sie haben Ende 2012 als Zukunftscoach angefangen, seit 2015 ist ihre Kollegin dabei. Was haben Sie in dieser Zeit geschafft?
Tina Büdel: Wir haben mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut, mit dem wir unsere Arbeitsschwerpunkte - den Übergang von Schule zu Beruf, die Sicherung von Fachkräften und der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft - gut umsetzen können. Denn ohne Expertenwissen geht es nicht! Außerdem haben wir uns als Ansprechpartner für Schulen und auch Eltern etabliert. Das freut uns sehr.

Was sind derzeit ihre erfolgreichsten Projekte?
Julia Grimmer: Unsere Bustouren für Schüler zu Pflegeeinrichtungen "Pflege on Tour" werden sehr oft nachgefragt. Der Haßberg-Newsletter mit Stellenangeboten und Praktikaplätzen hat fast 500 Abonnenten.

Gab es auch Rückschläge?
Tina Büdel: Die Veranstaltungen, die wir planen und organisieren, haben eine relativ lange Vorlaufzeit. Wir wissen nie, wie sie ankommen. Es sind Testballons. Wenn die Resonanz nicht so groß ist wie erhofft, kann man nur spekulieren, woran das lag.

Haben Sie ein Beispiel?
Tina Büdel: Unser Angebot an Schulen, so genannte Karrierewegpaten zu vermitteln, wurde nicht so gut angenommen wie erhofft. Diese Paten sind Unternehmer, die ehrenamtlich aus ihrer Berufspraxis berichten und Tipps geben.

Im Sommer läuft das Projekt "Zukunftscoach" für den Landkreis aus. Haben Sie alles geschafft, was Sie sich vorgenommen haben?
Julia Grimmer Auf keinen Fall! Wir hoffen sehr, dass das Projekt verlängert wird, denn es gibt noch einige Themen, die wir angehen möchten. Der demografische Wandel ist ja kein vorübergehendes Phänomen, der bleibt.
Ein Schwerpunkt für die nächste Periode wäre die Unternehmensnachfolge in kleinen und mittleren Betrieben. Hier gilt es, ein Netzwerk zu schaffen. Ein anderes wichtiges Thema sind die Studienabbrecher aus dem Landkreis: Wie kann man sie motivieren, auffangen und ihnen alternative Karrierechancen bieten? Unser Ziel ist es, so ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass junge Menschen tatsächlich in ihrer Heimat bleiben oder zurückkommen können.

Wie finanziert sich das Projekt?
Tina Büdel Zu 50 Prozent über den Europäischen Sozialfonds, zu 50 Prozent über den Landkreis. Wir haben unser Büro bei der Landkreis-VHS in Haßfurt und sind dem Geschäftsführer Holger Weininger direkt unterstellt. Außerdem teilen wir uns seit Ende 2015 die Stelle.

Das Gespräch führte
Katja Müller