Lange galt der Jugendtreff Mosom als Aushängeschild gelungener Jugendarbeit in Forchheim . Doch die "Generation Mosom" ist mittlerweile um die 30 Jahre alt, der Jugendtreff ist seit Jahren still gelegt. Sebastian Hösch gehörte einst zu den begeisterten Mosom-Besuchern. Heute sitzt er für die Jungen Bürger im Stadtrat und hat den ehrenamtlichen Job des Jugendbeauftragten übernommen. Der 32-Jährige regt nun ein "ganzheitliches Konzept" an: "Wir müssen auf die Jugend zugehen", sagt Hösch dem FT.

Wenn er von Jugendlichen spricht, dann meint der die 12- bis 16-Jährigen. "Mein Ansatz ist es, herauszufinden, was fehlt, was ist cool für die Jugend ." Hösch möchte mit Schülern ins Gespräch kommen. Das Jugendzentrum und der Jugendtreff Forchheim Nord seien "gute Einrichtungen"; aber sie seien eben auch "mit Klischee behaftet". Es sei an der Zeit, das Image der Angebote "aufzupolieren." Das könnte durch einen Streetworker geschehen. "Aber es geht vor allem um Räume, wo sich Jugendliche ungestört entwickeln können, statt an der Playstation zu zocken."

Parallel zu den Jungen Bürgern ist die SPD auf den Plan getreten. Inspiriert von den Jusos , drängt die SPD auf einen Jugendpfleger für Forchheim . Dies sei "in den meisten Städten Standard", sagte dem FT Paul Wichtermann, der Vorsitzende der Forchheimer Jusos : "Wir haben uns bei der letzten Kommunalwahl auf die Fahne geschrieben, uns mehr für die Jugend einzusetzen." Stadtteilbezogene pädagogische Arbeit, vom Jugendpfleger koordiniert, sei in Forchheim ein überfälliger Schritt.

Paul Wichtermann ist 22 Jahre alt. Aus seiner eigenen Jugendzeit in Forchheim wisse er: "Das Jugendzentrum reicht nicht aus, es ist zu klein und zu speziell für das Publikum, das es bedient. Außerdem schließt es am Samstag um 20 Uhr." Das sei für viele Jugendliche kein realistisches Angebot. "Mein Bruder ist 17", erzählt Paul Wichtermann. "Er macht Abi . Für diese Gruppe gibt es gar keine Möglichkeit, sich in der Stadt aufzuhalten. Was in Forchheim fehlt, das sind Aufenthaltsmöglichkeiten." Ein "Mosaik aus vielen Wünschen" nennt der SPD-Stadtrat Reiner Büttner das Jugendangebot. "Wir müssen auch die Jugendlichen zu erreichen, die nicht im Verein sind."

Ob ein Jugendpfleger hilfreich ist, das Mosaik zu vervollständigen? In der jüngsten Stadtratssitzung gingen die Meinungen auseinander. Manfred Hümmer (FW) verwies auf den Kreisjugendring, eine Einrichtung des Landkreises, der in dieser Sache "zuständig" sei. Davon abgesehen, wollte Hümmer wissen, von welchem "Bedarf" denn überhaupt gesprochen werde?

"Neue Perspektive" gesucht

Lisa Hoffmann ( SPD ) verwies auf die 13 Jugendpfleger, die in Gemeinden des Landkreises aktiv seien. Auch OB Uwe Kirschstein ( SPD ) hielt den Wunsch eines Jugendpflegers für legitim - unabhängig von der Zuständigkeit des Landkreises. Aber er betonte auch, dass in Forchheim "fünf Vollzeitkräfte in der Jugendpflege" aktiv seien. Die Aufgabe eines Jugendpflegers sei also bereits in Teilen mit berücksichtigt.

Höchst erfreulich findet Johannes Mohr ( Stadtrat der Grünen), dass sich die Lokalpolitik mit der Jugend beschäftige, die in der Vergangenheit viel zu wenig im Fokus gewesen sei. Allerdings forderte Mohr, "Externe" mit der "Bestandserhebung" zu beauftragen. "Wir brauchen eine neue Perspektive und wir müssen die Jugend einbinden."

"Unglaubliche Präsenz" ist gefragt

Was schwer sein dürfte, sagte Josua Flierl dem FT. Der heute 40-jährige CSU-Stadtrat war als Vorläufer von Sebastian Hösch selbst sechs Jahre als Jugendbeauftragter aktiv. "Um zu verstehen, was die Jugendlichen wollen, muss man unglaublich präsent sein", meint Flierl. "Ein Blick auf die Vereine gehört genauso dazu, wie der Besuch von Sportveranstaltungen oder einer Kerwa." Wer Jugendlichen Angebote schaffen wolle, dürfe sich nicht in den Kategorien "wahr" und "falsch" bewegen, sagt Flierl. Die Wirkungskreise, Milieus und Altersgruppen seien extrem vielfältig. "Was Jugendlichen grundsätzlich fehlt", erinnert sich Flierl aus seiner eigenen Zeit als Jugendlicher in Forchheim , "das sind Ausgehmöglichkeiten - und die kann die Stadt nicht schaffen."