Der langjährige Kulturreferenten des Landkreises Forchheim , Anton Eckert, ist im Hof des Landratsamts Forchheim in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Laudator, Landrat Hermann Ulm ( CSU ), blickte auf Eckerts berufliche Vita zurück: Eckert trat im Juli 1981 zunächst als sozialpädagogischer Mitarbeiter in der Kreisjugendpflege in den Dienst des Landratsamtes Forchheim , um dann ab Juni 1982 im Bereich Volkshochschule (VHS) und Erwachsenenbildung tätig zu werden. Dort war er unter anderem für das Seniorenprogramm, Studienreisen und – ja, auch das gab es bereits in den Achtzigern – die Kursorganisation „Deutsch für Ausländer“ verantwortlich. Weiterhin entwickelte Eckert ein Sommerprogramm (Vorträge und Exkursionen ), das in Kooperation mit den Tourist-Informationen in der Fränkischen Schweiz stattfand. 1990 wechselte er in das neu geschaffene Kultur- und Sportamt und legte dort die Grundlagen für eine kontinuierliche und beispiellose kulturelle Entwicklung des Landkreises.

Verdopplung der Teilnehmerzahlen

1996 übernahm Anton Eckert die VHS-Geschäftsleitung und führte Kulturamt und Volkshochschule in einem gemeinsamen Fachbereich zusammen. Unter seiner Leitung verdoppelten sich sowohl Kursangebot wie auch Teilnehmerzahlen.

In den Jahrzehnten seiner Tätigkeit im Kulturbereich brachte er zahlreiche wegweisende Projekte auf den Weg und setzte sie um. Ein maßgeblicher Pfeiler der Kulturarbeit im Landkreis sollte in den 1990er Jahren das von Freifrau von Pölnitz dem Landkreis Forchheim vermachte Schloss Hundshaupten werden.

Eckert initiierte eine erfolgreiche klassische Konzertreihe im Halsgraben des Schlosses und organisierten Schlossführungen an den Wochenenden. Mit Herzblut und großer Leidenschaft habe er sich im Rahmen der Auseinandersetzung mit den Erben für den Verbleib des Schlosses Hundshaupten im Eigentum des Landkreises eingesetzt, berichtete der Landrat weiter und ergänzte: „Als das leider nicht möglich war, schufen Sie mit der Gründung des Kuratoriums zur Förderung von Kunst und Kultur im Forchheimer Land eine adäquate Konzertreihe auf hohem künstlerischen Niveau.“

Das Schlüsselbergerjahr

Im Jahr 1993 rief Eckert anlässlich des 200. Jubiläums der Pfingstreise Ludwig Tiecks und Wilhelm Heinrich Wackenroders das „Romantiker-Jahr“ ins Leben – 1997 dann das „Schlüsselberger-Jahr“, ein Jubiläumsjahr im Gedenken an den Tod des letzten Schlüsselbergers: Im September 1347 war mit den Schlüsselbergern das letzte einheimische Edelherrengeschlecht erloschen.

Zudem organisierte der scheidende Kulturreferent in Kooperation mit dem Fränkische Schweiz Museum Tüchersfeld , der Kaiserpfalz sowie der Burg Waischenfeld Ausstellungen zum Thema Mittelalter, ein wissenschaftliches Kolloquium, Festvorträge, Konzerte im Schloss Hundshaupten sowie das Mittelalterfest auf Burg Neideck.

„Da die bedeutendste und schönste Burgruine der Fränkischen Schweiz in ihrer Substanz gefährdet war, veranlassten Sie an der Burgruine Neideck Sanierungsarbeiten in Verbindung mit umfassenden archäologische Grabungen zwischen 1997 und 2002, die schließlich mit der Errichtung und Einweihung des Leader-geförderten Archäologischen Parks Neideck im August 2008 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Ergänzend dazu kam seit 1999 der Kultursommer auf Burg Neideck, in dessen Rahmen das Neideck-Ensemble unter der Regie von Rainer Streng in zweijährigem Turnus Theaterstücke zur Aufführung brachte“, fasste Ulm weitere Aktivitäten zusammen.

Als Ende der 90er Jahre Altlandrat Reinhardt Glauber einen Ideenwettbewerb anlässlich des ersten autofreien Sonntags im Jahr 2000 initiierte, landete Eckert mit seinem Vorschlag zur Veranstaltung eines Marathons – des Fränkische Schweiz-Marathons – einen Volltreffer: Zweitausend Läufer und Inline-Skater waren am 10. September 2000 auf der autofreien B 470 unterwegs. Die Veranstaltung wurde in den Folgejahren weiterentwickelt.

„Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch das Festjahr 2012 anlässlich ,200 Jahre Ersterwähnung des Begriffes Fränkische Schweiz‘ im Band ,Historisch-Topografische Beschreibungen von Erlangen und dessen Gegend‘ von Johann Christian Fick. Auch zu diesem Anlass haben Sie erfolgreich eine Veranstaltungsreihe des Kulturamts des Landkreises in Kooperation mit der Volkshochschule und dem Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld initiiert“, würdigte der Landrat Eckerts Verdienste weiter.

EU-Fördermittel fließen

2001 stellte Anton Eckert die Weichen für eine nachhaltige Regionalentwicklung im Landkreis Forchheim , die in den Folgejahren einen kontinuierlichen Zufluss an EU-Fördermitteln für zahlreiche Projekte in der Region sicherstellen sollte. Unter der Regie des scheidenden Kulturreferenten wurde das erste regionale Entwicklungskonzept „Kulturerlebnis Fränkische Schweiz“ für „Leader+“ erstellt und erfolgreich eingereicht. Dies gelang auch in den beiden folgenden Leader-Förderperioden bis heute. In dieser Zeit wurden viele Leader-Projekte erfolgreich umgesetzt: So beispielsweise der Kulturwanderweg Fränkische Schweiz mit sternförmiger Erweiterung, das frühkeltische Denkmal Ehrenbürg, das Obstinformationszentrum in Hiltpoltstein, die Kulturwerkstatt in Morschreuth, das Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein, das Kuratenhaus in Heroldsbach, die Lochgefängnisse in Streitberg oder der Kulturraum St. Gereon.

Das erste Wanderweg-Projekt „Kulturwanderweg Fränkische Schweiz“ mit sternförmiger Erweiterung mündet in der nun laufenden Förderperiode in das große und umfassende Wanderwegprojekt „Qualitätswanderregion Fränkische Schweiz“. Wegweisend waren in diesem Zusammenhang die digitale Erfassung der Wanderwege der Region sowie die Errichtung eines umfassenden Kulturinventars an Kultur- und Naturdenkmälern sowie kulturhistorisch bedeutsamen Punkten entlang des Wanderwegs. red