Die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Effeltrich hatte einen Geburtsfehler, der nun bei den Umbauabsichten des Effeltricher Rathauses zumindest nach Meinung des Gemeinderats Poxdorf zum Tragen kommt. Der Geburtsfehler, so erläuterten Bürgermeister Paul Steins ( CSU ) und Roland Freund (FFU) in der Poxdorfer Ratssitzung, liege darin, dass die Gründerväter das Eigentum an dem Gebäude zwischen der Gemeinde Effeltrich und der VG aufgeteilt hätten, nach dem Verhältnis, wie die Räumlichkeiten damals, 1983, von den zwei Körperschaften genutzt wurden. Das sei eine Konstruktion, wie sie in anderen VGs nicht üblich sei.

Andernorts, so erklärte Geschäftsleiter Mario Kühlwein, blieb die Kommune, in der das Verwaltungsgebäude liegt, Eigentümer und vermietete es an die VG. Wenn nun am Rathaus etwas gebaut werden muss, müssen sich die beiden Eigentümer darüber einigen, was gemacht werden soll und wie die Kosten aufzuteilen sind.

Der Ratsaal im Effeltricher Rathaus liegt im Dachgeschoss. Nach den Richtlinien des Brandschutzes braucht der Raum einen zweiten Fluchtweg. Den könnte man durch eine Feuertreppe außen am Gebäude herstellen. In Effel­trich hat man sich stattdessen dafür entschieden, den Sitzungssaal durch einen Anbau ins Erdgeschoss zu verlegen. Im Zuge dieses Vorhabens sollen auch die Büroräume geschickter angeordnet werden. Dienststellen mit viel Publikumsverkehr sollen näher an den Eingang. Dazu wurden längst Pläne entwickelt. Die gesamten Maßnahmen werden fast 1,6 Millionen Euro kosten.

Geht man nach den Eigentumsanteilen (grob zwei Drittel Effeltrich und ein Drittel die VG) vor, ergibt sich eine Kostenverteilung von einer Million für Effeltrich und annähernd 600 000 Euro für die VG. Aus dem Innenverhältnis der VG errechnet sich nach der Variante 1, wie sie dem Poxdorfer Rat zur Abstimmung vorlag, ein Anteil von gut 200 000 Euro für Poxdorf .

Daneben diskutierte man auch eine Variante 2, die die Kostenaufteilung nach den heutigen Nutzungsanteilen vornimmt. Die VG nutzt das Gebäude zu 62 Prozent, die Gemeinde Effeltrich zu 38 Prozent. Demnach teilen sich die Kosten auf: Gemeinde Effeltrich knapp 500 000 Euro, die VG knapp 1,1 Millionen Euro. Hiernach entfällt auf Poxdorf ein Anteil von 400 000 Euro.

Variante 2 entschieden teurer

Mit dieser für Poxdorf entscheidend teureren Variante könnte man leben, wenn man im Gegenzug mehr Mitspracherechte erhielte. Dies sollte durch eine Änderung der Eigentumsverhältnisse geschehen, und zwar in der Form, wie derzeit die Nutzungsanteile sind. Nur statt der Verwaltungsgemeinschaft sollte Poxdorf direkt als Miteigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Da im VG-Eigentum steckende Effeltricher Anteil sollte dabei wieder Effeltrich zugeschlagen werden, so dass sich letztlich eine Quote von 77 Prozent Effeltrich und 23 Prozent Poxdorf ergäbe. "Ich weiß nicht, wie die politische Diskussion hinausgeht", gab denn auch Steins für die Ratsdiskussion vor. Roland Freund stellte die Frage: "Wer hat die Verlegung des Ratsaals beschlossen? Poxdorf war an der Entscheidungsfindung nicht beteiligt." Seine Auffassung bestätigten weitere Ratsmitglieder.

Dahinter liegt das Problem, dass wegen des Stimmenverhältnisses nach Einwohnern Effeltrich in der VG-Versammlung die Mehrheit hat. "Wir sind an einen Partner angehängt ohne irgendein Vetorecht . Es fehlt ein Minderheitenschutz", formulierte es Freund. "Wenn ich 200 000 Euro mehr zahlen soll, will ich was davon haben", gab Otto Werner ( CSU ) ihm Schützenhilfe.

Die Verlegung des Ratsaals hält Freund für kein VG-Thema; es habe aber einen Dominoeffekt ausgelöst. Er forderte, Effeltrich müsse sich bewegen. "Denkt vernünftig nach und schiebt die Emotionen beiseite", wandte er sich an seine Ratskollegen aus Effeltrich.

Als weitere Lösungsmöglichkeit brachte Alexander Rauh (JB) ins Gespräch, die Eigentums- und Anmietungsverhältnisse wie in anderen Verwaltungsgemeinschaften zu regeln, indem die VG ihren Anteil an Effeltrich verkaufe und sich stattdessen einmiete. Wie es weitergeht, wird sich in der nächsten VG-Sitzung zeigen.