Michael Memmel

Nicht einfach entfernen, sondern historisch einordnen - so endete unlängst ein Runder Tisch zu judenfeindlichen Darstellungen an öffentlichen historischen Gebäuden. Und das ist auch ein Fingerzeig für das Erzbistum Bamberg, wie mit den zuletzt in die Kritik geratenen Figuren Synagoge und Ecclesia im und am Dom umzugehen ist. Der Beauftrage für Weltanschauungsfragen der Erzdiözese Bamberg, Hans Markus Horst, hatte in diesem Jahr vorgeschlagen, die Statuen ins Diözesan-Museum zu verlegen, um dort "ein augenfälliges Zeichen gegen Antisemitismus und Antijudaismus zu setzen".

Fünf Vereinbarungen

Am runden Tisch hatte der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Ludwig Spaenle, mit Experten diskutiert, darunter u. a. der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster. "Unsere Hauptabteilung Kunst und Kultur war bei dem runden Tisch nicht vertreten", stellt der Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats, Harry Luck, fest, "weil es bei diesem Termin schwerpunktmäßig um das Thema ,Judensau' ging." Gleichzeitig betont er jedoch: "Selbstverständlich halten wir uns an die genannten Beschlüsse."

Und diese wurden im breiten Konsens wie folgt getroffen:

1. Die antijüdische Darstellung soll aus dem baulichen Kontext nicht entfernt werden.

2. Die judenfeindliche Darstellung, die Kritik auslöst, muss vor Ort als Objekt beschrieben werden. Dazu hat man sich auf folgende Elemente verständigt: A) Beschreibung des historischen Phänomens, B) Einzeldarstellung in ihrer individuellen Geschichte und C) deutliche Bewertung und Einordnung.

3. Die judenfeindliche Darstellung muss am Bauobjekt deutlich kenntlich gemacht werden. Dazu dient kompakte Beschriftung an der Darstellung.

4. Darüber hinaus sind weitere vertiefende Informationen im Internet zur Verfügung zu stellen. Diese können z. B. über einen QR-Code abgerufen werden.

5. Ferner sollen Fremdenverkehrsämter und Tourismusstellen weitergehende Informationen, z. B. bei Stadt- oder Kirchenführungen, vermitteln.

"Nicht unkommentiert" lassen

Der Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle betonte laut einer Pressemitteilung als Fazit des Gesprächs: "Vor allem ist wichtig: Die Darstellungen des Judenhasses dürfen nicht unkommentiert stehen bleiben."

Wie geht es nun in Bamberg beim Thema Synagoge/Ecclesia konkret weiter? Sprecher Luck skizziert: "Das Erzbistum Bamberg wird über die Hauptabteilung Kunst und Kultur dazu überregionale, interdisziplinäre und interreligiöse Expertenrunden einberufen. Dies geschieht in Kooperation mit den Lehrstühlen für Judaistik und Kunstgeschichte sowie Experten anderer Kathedralkirchen." Auch mit Spaenle und der israelitischen Kultusgemeinde stehe das Erzbistum im Kontakt. "Austausch und Dialog sind uns sehr wichtig", sagt Luck.