Bernhard Panzer Georg Süß kann ein unbequemer Mensch sein. Vor allem, wenn es um die Innenstadt und die seiner Meinung nach fehlenden Kundenparkplätze geht, findet er deutliche Worte. Süß befürchtet nicht weniger als den "Ruin sehr vieler Geschäfte". Weil 50 Parkplätze, die durch den Rathausneubau weggefallen sind, nicht ersetzt würden.

Der Geschäftsmann drängt auf rasche Abhilfe und bringt erneut einen Vorschlag ins Spiel, der jüngst bereits im Bauausschuss keine Zustimmung fand. Dort hatten die Freien Wähler mit Süß-Tochter Birgit vergeblich beantragt, den Anwohnerparkplatz am Rahmberg für die Kunden zu öffnen. Das würde auch jetzt noch einen Sinn machen, meint der im Steinweg geborene Herzogenauracher. Denn nördlich der Hauptstraße fehle es schlicht an Stellplätzen. Bisher hat das der Hubmannparkplatz aufgefangen.

Wenn man es bei den seiner Ansicht nach viel zu wenigen Parkplätzen belasse, würde das die Geschäfte in der Innenstadt nachhaltig beeinträchtigen, fürchtet er. Denn wenn in vielleicht fünf oder sechs Jahren eine Tiefgarage auf dem Hubmann-Areal gebaut ist, sei es zu spät. "Bis dahin sind die Geschäfte tot", sagt Süß, der 1971 ein Friseurgeschäft eröffnete und Ende des gleichen Jahrzehnts damit in den Steinweg zog. Heute führt Tochter Birgit den Laden.

Freilich weiß der Friseur im Ruhestand, dass der Anwohnerparkplatz und frühere Behördenparkplatz der Stadt am Rahmberg nicht unbedingt erste Wahl ist. Wegen der umständlichen Anfahrt (Süß: "Man muss 500 Meter außen herum") durch enge Gassen sei das Areal deutlich weniger attraktiv als das Hubmanngelände. Diese Einschränkungen waren auch Gründe für die Ablehnung im Bauausschuss, außerdem würde künstlich viel Parksuchverkehr geschaffen. Thomas Nehr vom Bauamt der Stadt bringt es auf einen kurzen Nenner: "Das Gelände ist als öffentlicher Parkplatz nicht geeignet."

Aber daran sei ja die Stadt selbst schuld, ärgert sich Georg Süß. Denn sie habe sich einfach nicht interessiert gezeigt, dort etwas zu schaffen. Dabei wäre das so einfach gewesen. Vor ein paar Jahren stand laut Süß ein Haus an der Hinteren Gasse zum Verkauf an. Hätte die Stadt ihr Vorkaufsrecht eingesetzt und das Gebäude erworben und abgebrochen, hätte man eine direkte und schnelle Zufahrt zum dahinter liegenden Parkplatz schaffen können, sagt Süß. Und spinnt den Gedanken weiter: Dort (zurzeit knapp 40 Stellplätze) wäre sogar Platz für eine Tiefgarage oder ein Parkdeck, was niemanden stören würde und vermutlich auch deutlich billiger wäre als das Projekt Hubmannparkplatz, meint er. Doch der politische Wille habe gefehlt, dort einen öffentlichen Parkplatz zu errichten, bedauert Süß.

Gespräche

Nach der letzten Beratung im Bauausschuss habe er Kontakt mit vielen Stadträten aufgenommen, ergänzt der Geschäftsmann weiter. Er sei durchaus bestätigt worden, dass man Parkplätze brauche. Jetzt hofft er, dass das Thema erneut aufgegriffen und im Stadtrat diskutiert werde. Zuletzt wurden solche Ansinnen mehrheitlich abgelehnt, auch mit der Begründung, dass die Fußwege von den bestehenden Parkplätzen in die Innenstadt kurz und zumutbar seien. Süß sieht das anders: "Einer Kundschaft ist nichts zuzumuten. Eine Kundschaft kommt, oder sie kommt nicht." Das gelte gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie. Vor allem jetzt wäre schnelles Handeln unabdinglich, sagt er.

Gegenüber dem Friseurgeschäft im Steinweg hat Süß ein Haus mit gastronomischer Nutzung. Zuletzt war ein Café namens "Granny's Kitchen" untergebracht. Das habe nun geschlossen, und zwar nicht nur befristet wegen Corona, sondern für immer, teilt Süß mit, der jetzt einen Nachmieter sucht. Hier habe sich erschwerend zur Parkplatz-Situation die benachbarte Großbaustelle Rathaus ausgewirkt. Lärm und Schmutz hätten die Gäste abgehalten, behauptet der Hauseigentümer.

Betreiberin Karoline Bernsteiner bestätigt Süß' Aussagen hinsichtlich der Parkplatzsituation und der Baustelle. Es sei schon laut und staubig gewesen, gerade für die Außenterrasse. Weiter wollte sie sich jedoch nicht äußern.

In dem Haus Steinweg 9 war nach der Hausrenovierung anfangs "Zapfino" untergebracht, bevor es mehrere Cafénutzungen gab, zuletzt fast drei Jahre lang "Granny's Kitchen".