Coburg ist seit 2006 die gewählte Heimat von Walter Heinemann, der am Montag 90 Jahre alt geworden ist. Aus Coburg stammt nämlich auch seine jetzige Ehefrau Helga Heinemann, geborene Schäfer. Die beiden haben 2001 geheiratet. Sie haben zusammen sieben Kinder und sechs Enkel, vereint in einer Patchworkfamilie.

Walter Heinemann kam am 17. Dezember 1928 in Darmstadt als viertes Kind des Regierungsdirektors Walter Heinemann und seiner Ehefrau Anneliese, geborene Pogge, als viertes von sieben Kindern auf die Welt. Sowohl die Familie des Vaters als auch die Familie der Mutter sind eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Zur väterlichen Verwandtschaft gehört der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann. Zu den mütterlichen Vorfahren gehört Friedrich Wilhelm Pogge. Dieser nahm 1848 an der Bundesversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil.

Der Tag der Geburt war 1928 ein echter Wintertag. Der Rhein war ganz und gar zugefroren, und auf dem Strom fand ein Grillfest statt. Da musste am 17. Dezember 1928 der Vater die hessische Landesregierung vertreten. Als er von diesem Termin heimgekommen war, war der Walter junior schon auf der Welt.

Walter Heinemann blickt auf eine schöne Kinder- und Jugendzeit zurück. "Wir hatten ein großes Haus und einen großen Garten." Bei sieben Kindern soll es auch immer eine rechte Gaudi gegeben haben. "Dann riss der Krieg die Familie auseinander!" Der Vater diente vom 1. September 1939 bis zum 8. Mai 1945, vom ersten bis zum letzten Kriegstag, als Offizier bei der Deutschen Wehrmacht. Er war auch schon beim Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 dabei. Endgültig war der Zweite Weltkrieg dann für die Familie erst 1956 zu Ende, als Vater Walter aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zurück nach Deutschland kam.

Der junge Gymnasiast Walter junior war bis März 1945 als Luftwaffenhelfer im Einsatz. "Wir mussten Trümmer aufräumen, aber wir hatten fast nichts zu essen", erinnerte sich Walter Heinemann an die unmittelbare Zeit nach der Kapitulation. Er machte eine Lehre als Radiomechaniker. Schließlich studierte er Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Nach dem erfolgreichen Studienabschluss als Elektroingenieur im Jahr 1955 ging er zur AEG (Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft). "Wir bauten Hochspannungsschaltanlagen für Energieversorgungsunternehmen." 1956 heiratete er seine erste Ehefrau Helga. 1965 wurde er zum technischen Leiter der AEG-Niederlassung in Pforzheim befördert, und dann 1980 in Nürnberg. Einem zunächst geplanten Ruhestand kam die Wende dazwischen: "Ich wurde in den neuen Bundesländern als Berater für Hochspannungsanlagen eingesetzt." Als Reiseleiter hatte er dann seine zweite Ehefrau kennengelernt und 2001 geheiratet. Alter Familientradition gemäß erschöpfte sich Walter Heinemanns Engagement nicht nur in seinem beruflichen Wirken. So war er auch ehrenamtlich tätig als Elternbeiratsvorsitzender, als Schöffe und als Vorsitzender der Vereinigung alter Burschenschafter (VAB). Martin Koch