Von je her bin ich ein großer Fan von Musiker-Anekdoten. Stefan Zweig hat das aus mir gemacht, weil er ja mal berichtete, wie Händel eine mittelmäßig begabte Sopranistin aus dem Fenster hängte, bis ihr die passenderen Töne gelangen.

Toll fand ich auch, wie Leonard Cohen über das New Yorker "Chelsea" dachte. Es sei das einzige ihm bekannte Hotel, in dem man mitten in der Nacht mit zwei Liebesdienerinnen und einem Tanzbären aufschlagen könne, ohne danach gefragt zu werden, was man im Einzelnen so vorhabe.

Und jenes legendäre Woodstock-Festival soll auch darum an jenem Ort stattgefunden haben, um den in Nachbarschaft wohnenden späteren Literaturnobelpreisträger Bob Dylan nach Jahren der Konzertpause zu einem Auftritt zu bewegen.

Aber wie abgeschnitten schien mir Lichtenfels doch immer von diesem Sternenstaub, der aus dem großen Showbiz-Himmel zur Erde fällt. Doch da wollte es beispielsweise der Zufall, dass mir eine nette Dame mit wachen Augen begegnete, mit der ich ins Plaudern geriet. Irgendwann erzählte sie mir von ihrer beruflichen Zeit im Konzertmanagement und von Art Garfunkel von dem berühmten Duo Simon and Garfunkel.

Dem verlangte es im vergangenen Jahrhundert vor seinem Auftritt nämlich mal nach einem Bügelbrett, allerdings nur nach einem kleinen. Also fragte er die Lichtenfelser Dame und die beschied ihm, dass da jetzt wohl nichts zu machen sei. Aber Artie (Paul Simon nannte ihn manchmal so, manchmal nannte er ihn aber auch Arty, aber das merkte man nur, wenn man ganz genau hinhörte) quengelte wohl rum, und so stiefelte die Lichtenfelserin los, die Nachbarschaft des Konzerthauses nach einem Bügelbrett abklappernd. Einem kleinen. Im ersten Haus glaubte man, sie habe einen Klapperer. Im zweiten Haus hatte das Kind nur einen anderen Namen. Im dritten Haus hielt man sie immerhin schon für eine Trickbetrügerin und im vierten drohte man ihr. Im fünften Haus aber traf sie auf Zutrauen und bald auch auf Verständnis. Tatsächlich traf sie auch auf ein Bügelbrett. Ein kleines. Sie durfte es mitnehmen und brachte es Artie bzw. Arty. Was er damit wohl vorhatte, jetzt so kurz vor seinem Auftritt? Die Antwort lieferte der Star sogleich selbst, oder wie die Dame sagte: "Ich hätte ihn erschlagen können!" Die Musiklegende begann natürlich zu bügeln, so viel war ja klar.

Aber Arthur bügelte für den Auftritt seine beiden weißen Tennissocken. Wie gesagt, ich bin ein großer Fan von Musiker-Anekdoten und sie hätte ihn erschlagen mögen.